Europatag der Europäischen Union

„Europa der Toleranz“ als Ziel

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Roman Kuperschmidt und seine „Klezmer-Musik-Band“ setzten musikalische Akzente in der Feier zum Europatag.

Weiskirchen - „Wir in Rodgau leben das europäische Miteinander ganz intensiv“: Bürgermeister Jürgen Hoffmann bekennt sich stolz zur europäischen Idee. Vor rund 100 Zuhörern im Bürgerhaus Weiskirchen sprach er am Sonntag über die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft.

Anlass war nicht nur der Europatag am 9. Mai, sondern auch die anstehende Europawahl. Freundschaft über Grenzen hinweg wird in Rodgau seit vier Jahrzehnten gelebt. Ende Mai gilt es ein Doppeljubiläum bei den Städtepartnerschaften mit Puiseaux und Hainburg zu feiern. „Das sind aber weniger Partnerschaften zwischen den Städten als vielmehr echte Freundschaften zwischen Menschen“, betonte der Bürgermeister. Auch in der EU gehe es um weit mehr als die wirtschaftliche Gemeinschaft, sondern ebenso um Grundwerte wie Demokratie und Gleichberechtigung, fuhr Bürgermeister Hoffmann in seiner Ansprache fort. Er verglich die Union mit einem Baum: rund 60 Jahre alt, steht in der Blüte, doch man muss ihn noch immer hegen und beschützen, denn äußere Einflüsse und Widrigkeiten setzen ihm ordentlich zu.

Auch Städtepartnerschaften sind Bausteine des geeinten Europa: Bürgermeister Jürgen Hoffmann bei seiner ansprach.

Der Verein für multinationale Verständigung Rodgau (Munavero) hatte die gemeinsame Veranstaltung mit der Stadt und der Europa-Union ausgerichtet. Munavero-Vorsitzender Dr. Rudolf Ostermann betonte, wie sehr ihm Europa und die Völkerverständigung am Herzen liege. „Jetzt steht eine Wahl ins Haus, also müssen wir nicht nur zurückblicken, sondern auch überlegen wie es weitergehen soll mit Europa“, erklärte er . Durch den Wegfall der prozentualen Zulassungsbeschränkung für kleine Parteien bei der Europawahl befürchtet er, dass extreme Parteien nach enttäuschten Wählern fischen und die Europäische Union so schwächen könnten. „Viele Menschen haben Probleme mit der EU, Probleme sie zu verstehen und sie zweifeln an Europa, trotz all seiner Verdienste“, bezog er sich auf den Titel des Abends, „Neurosen vor der Wahl“. Doch im Angesicht der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen dürfe nicht vergessen werden, dass die Union Frieden zwischen allen Mitgliedsstaaten gebracht habe: ein großes Glück, das noch lange nicht alle Menschen auf der Welt teilen können. „Wir wünschen uns ein Europa der Toleranz, wo Vielfalt eine Bereicherung und keine Bedrohung ist“, forderte Ostermann abschließend.

„Europäische Errungenschaften gelten als selbstverständlich“, bedauerte Bruno Bengel, der Leiter der Europäischen Akademie Hessen, in seinem Vortrag. Kaum ein Bürger wisse die Erfolge zu schätzen, so dass Aufmerksamkeit und Wahlbeteiligung sänken. Zudem seien die Verfahren und Vorgänge auf europäischer Ebene oft kompliziert und andersartig als unser bundesstaatliches System. Dies sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass inzwischen 28 Nationen Teil der Europäischen Union sind. Oftmals werde die EU auch als Sündenbock von der Politik missbraucht, bedauerte er. Er forderte einen Kurswechsel in Europa. Besonders sollte die Politik der EU stärker auf die Interessen der Bürger ausgerichtet sein, nicht ausschließlich auf die wirtschaftlichen. Dennoch unterstrich er noch einmal die Vorteile der europäischen Einigung: Friedenssicherung, Wertegemeinschaft, Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands, Einfluss in der Außen- und Sicherheitspolitik und die Möglichkeit einer guten Nachbarschaft im zusammenwachsenden Europa.

Zum Abschluss beschäftigte sich Kabarettist HG Butzko noch einmal humorvoll mit dem Thema. Musikalisch untermalt wurde der Abend von Roman Kuperschmidt und seiner „Klezmer-Musik-Band“.

pep

Quelle: op-online.de

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