Bürgermeister würdigt Partnerschaftsvereine

Europatag in Dudenhofen: Vorbild der Konfliktlösung

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Europa hat viele Freunde in Rodgau. Etwa 200 von ihnen kamen zur Feier des Europatags ins Bürgerhaus Dudenhofen.

Dudenhofen -  Europa – ein Grund zum Feiern? Gerade jetzt und jetzt erst recht. Impulse wie diese mögen viele der rund 200 Gäste bewegt haben, die im Bürgerhaus Dudenhofen den Europatag begingen. Zwar hielt die festliche Stimmung über zwei Stunden den Turbulenzen der Weltpolitik stand, Sorgen aber blieben präsent.

Europa könne mit seinen bewährten Institutionen nach über 70 Jahren Frieden auch Hoffnung stiften und den Umgang mit politischen Konflikten lehren, die nicht in Gewalt entarten müssen, findet Udo Bullmann. „Europa ist im Kern befriedet“, konstatierte der Vorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament. Eben darin liege der zeitlose Wert jener Strategie, die der damalige französische Außenminister Robert Schuman mit einem Kreis politischer Getreuer aus Frankreich und Westdeutschland – für Bullmann „radikale Europäer“ – am 9. Mai 1950 vorstellte.

Der Schuman-Plan habe nicht nur die europäische Einigung in Gang gesetzt und die Vorläufer der heutigen europäischen Institutionen geschaffen, er habe mit der Vergemeinschaftung der Kohle- und Stahlproduktion auch der nationalen Rüstungspolitik bis dahin verfeindeter Nachbarn die Grundlage entzogen. Dass ein ähnliches Experiment auf globaler Ebene, der iranische Atom-Deal, gerade an nationalen Egoismen zu scheitern drohe, alarmiert den erfahrenen Europapolitiker aufs Höchste: Das Abkommen zu retten, vor allem als Instrument der Kernwaffen-Kontrolle, nannte er in Dudenhofen eine „Menschheitsfrage“. Auf den Europäern laste bei einem Ausstieg der USA immense Verantwortung.

„Stolz, ein Europäer zu sein“ ist nach eigenem Bekunden der SPD-Bundestagsabgeordnete Jens Zimmermann. Er sieht den alten Kontinent in einer Schüsselrolle: Europa allein versuche im Moment weltweit, „alles zusammenzuhalten und dem Recht Achtung zu verschaffen“ – übrigens im Schulterschluss mit Großbritannien. Über den Brexit, meint Zimmermann, müsse nicht das letzte Wort gesprochen sein: „Es gibt immer einen Weg zurück und immer eine Lösung.“ Auch Udo Bullmann hält einen „klugen Moment in der Geschichte“ nicht für ausgeschlossen und die Briten für lernfähig: „Warten wir mal ab, bis die Rechnung auf dem Tisch liegt.“

Die Kontakte auf der Ebene der Kommunen und persönlicher Freundschaften müssen laut Bullmann ihren Platz behaupten und noch intensiver werden, auch wenn Europa langsamer zusammenwächst als bisher.

Bilder: Frühlingsfest in Rodgau

Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Landrat Oliver Quilling würdigten die jahrzehntelange Aufbauarbeit unzähliger Idealisten. Dass in Rodgau ein Europatag im großen Rahmen begangen werden könne, sei maßgeblich den Partnerschaftsvereinen zu verdanken, betonte Hoffmann. Das Gefühl europäischer Zugehörigkeit gelte es den kommenden Generationen zu vermitteln.

Leisten kann das laut Landrat Quilling neben Institutionen wie dem Europe Direct Relais im Kreishaus vor allem die Kultur – beim kreisweiten Europatag an diesem Wochenende in Obertshausen ebenso wie in Rodgau. Die Klammer zwischen lokalem und europäischem Geist schmiedeten am Mittwoch der Chor „Mixed Generations“ der Germania Dudenhofen und der Österreicher Severin Gröhner. Von Moderator Peter Kratz als neue Entdeckung auf Europas Kleinkunstbühnen angesagt, unterhielt der Kabarettist sein Publikum mit Ironie zur Gitarre in bester Wiener Schmäh-Tonlage. Er lehrte die Zuhörer, ihre Krisen zu lieben. Mit beneidenswerter Leichtigkeit gelang der musikalische Europa-Trip der Bigband „Teddy’s Rebirth“ des Musikvereins Nieder-Roden, die sich quer über den Kontinent swingte – und ab und zu, bei dieser Art Musik wohl unvermeidlich, auch über den Atlantik. (zrk)

Quelle: op-online.de

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