Abschied von der Christuskirche

Das letzte „Amen“ ist verklungen

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Mit zwei gekreuzten Balken verschloss Kirchenvorstandsvorsitzender Bernhard Rücker das Gotteshaus.

Nieder-Roden - Nach fast 51 Jahren geben Nieder-Rodens Protestanten die Christuskirche auf und konzentrieren ihr Gemeindeleben am Puiseauxplatz. Von Michael Löw

Eine Prozession am Ostersonntag - eine in der evangelischen Kirche eher ungewöhnliche Form der Glaubensdemonstration - symbolisierte den Umzug. Die Kirche wurde verkauft; der Erlös soll helfen, das doch recht nüchterne Gemeindehaus in ein würdiges Gotteshaus zu verwandeln.

Die Christuskirche in der Schulstraße wurde am 31. Mai 1962 geweiht. Die Gemeinde, die damals ganze 600 Seelen zählte, hatte ihre Gottesdienste vorher in einem Schulraum gefeiert. Der Pfarrer kam jeden zweiten Sonntag aus Ober-Roden. Am Himmelfahrtstag 1962 hatte das Provisorium ein Ende, mit katholischer Hilfe feierten die evangelischen Christen den ersten Gottesdienst im Neubau: Pfarrer Heberer stellte ihnen seine Musikanlage zur Verfügung, und so konnte die Zeremonie in der Kirche auch nach draußen übertragen werden.

Die Gemeinde wuchs, doch es dauerte noch mehr als sechs Jahre, bis Pfarrer Helmut Bähringer Kinder in der Christuskirche taufte. Jörg Ralf Studer und Frank Hofmeyer waren am 17. November 1968 die ersten Täuflinge, weitere 1 249 folgten. Gut vier Wochen später gaben sich Jochen Nube und Birgitt Vogt hier das Ja-Wort. Bis heute taten es 250 Paare ihnen gleich. Der Vollständigkeit seien auch noch die 2 005 jungen Leute erwähnt, die in der Schulstraße konfirmiert wurden.

Bau eines Glockenturms

All das ist nun Geschichte. Am Ostersonntag weckten sechs der mittlerweile 2 900 Gemeindemitglieder Erinnerungen in Form eines Dankgebets, dann machen sich Osterkerze, Abendmahlkelch, Taufbecken, Bibel und andere Sakralgegenstände auf den Zug in ihre neue Heimat. Das Pfarrerehepaar Yvonne und Dr. Felipe Blanco Wißmann führte die Prozession zum Puiseauxplatz an.

„Wir haben heute viel von Hoffnung gehört und hoffen, dass wir einen Umbau bewerkstelligen können“, sagte Bernhard Rücker, der Vorsitzende des Kirchenvorstands. Knapp eine Million Euro kostet es, die Pläne des Rollwälder Architekten Uwe Kollmenter umzusetzen. Dazu gehört auch der Bau eines Glockenturms.

Pfarrer Dr. Felipe Blanco Wißmann (rechts) und Gemeindemitglieder mit den wichtigsten sakralen Gegenständen führten die Prozession von der Christuskirche ins Gemeindezentrum am Puiseauxplatz an.

Ortsvorsteher Edgar Ott nannte den Abschied aus der Schulstraße „eine Chance für den Puiseauxplatz, die auch von der Politik genutzt werden muss“. Eine täglich geöffnete Kirche könne auch dem weltlichen Leben zu neuen Impulsen verhelfen - zumal sich die Gemeinde mit Konzerten, Kulturveranstaltungen und Projekten beim Weinfest oder an Markttagen weiter öffnen will. Die Nieder-Röder Protestanten beschäftigen sich seit 2007 ernsthaft mit der Aufgabe der Christuskirche. Der Gedanke stand zwar schon mit der Eröffnung des Gemeindehauses 1976 im Raum, doch erst der wachsende Sanierungsbedarf an beiden Gebäuden gab der Diskussion die entscheidende Wende.

Quelle: op-online.de

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