Verkauf der Christuskirche

Glockenturm am Puiseauxplatz

+
So könnte die Westseite des Gemeindezentrums künftig aussehen - ein Plan des Architekten Uwe Kollmenter. Allerdings steht die Finanzierung noch nicht ganz.

Nieder-Roden - Eine Kirche zieht um: Die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Roden nimmt am Ostersonntag Abschied von der Christuskirche und zieht mit einer Prozession in das Gemeindezentrum um. Dort, am Puiseauxplatz, ist künftig der Mittelpunkt der Gemeindearbeit.

Ein Privatmann hat die Kirche an der Schulstraße gekauft, der sie als Wohnhaus nutzen möchte. Damit ist zum zweiten Mal eine Kirche im Kreis Offenbach verkauft worden. Dieser Wunsch entstand aus jahrelanger Überlegung und wurde durch Gemeindebefragungen abgesegnet. Mit dem Ergebnis ist Pfarrer Dr. Felipe Blanco Wißmann zufrieden: „Wir konnten ja nicht einfach zusehen, dass daraus ein Restaurant oder ein Supermarkt wird.“ Im letzten Herbst fand sich ein privater Käufer, der die 1962 eingeweihte Kirche als Wohnhaus nutzen möchte.

Die Christuskirche zieht um

Die Bausubstanz wird weitgehend erhalten bleiben, selbst einige Kirchenbänke und der Glockenturm bleiben da. Auch die beiden Grundstücke rund um die Kirche konnten verkauft werden. Der Kirchenvorstand sieht darin keinen Ausverkauf der Kirchengemeinde, sondern eine solide Grundlage, um das Gemeindezentrum am Puiseauxplatz zu erweitern. „Wir geben nicht etwas auf, sondern Kirche zieht um“, betont die Gemeindeleitung.

Moderner Mittelpunkt der Gemeinde

Mit dem Verkaufserlös und gesamtkirchlichen Zuschüssen wird das Gemeindezentrum zu einem modernen Mittelpunkt ausgebaut. Ein rund 100 Quadratmeter großer Anbau soll das Gemeindezentrum zum Puiseauxplatz hin öffnen. Ein Sakralraum ist im hinteren Teil geplant. Darin werden nicht nur viele Elemente der jetzigen Christuskirche wieder zu entdecken sein, sondern vor allem die bunten Fenster der Kirche. Zwei weit über fünf Meter hohe Einzelfenster sowie eine gläserne Bildwand werden dann den Bogen vom Gewohnten zur Moderne schließen. Ein neuer Glockenturm soll architektonisch das Alte und das Neue verbinden und die drei bisherigen Glocken aufnehmen. Die Frage, ob der zusätzliche Glockenklang nicht die Nachbarn auf Trab bringen werde, lässt den Pfarrer nur lächeln: „Außer Heiligabend wird hier nur sonntags um 10 Uhr oder 11.15 Uhr geläutet.“

Das Gemeindezentrum am Puiseauxplatz ist künftig der Mittelpunkt der Gemeindearbeit.

Architekt Uwe Kollmenter aus Rollwald hat erste Pläne erarbeitet, die die Wünsche des Kirchenvorstandes aufgreifen. Dort erst muss die Finanzierung stehen. 900.000 bis eine Million Euro werden benötigt. Die Planung wird dann den Möglichkeiten angeglichen. Der bisherige Saal soll vorübergehend als Kirchenraum dienen, bis der Anbau eine Umgestaltung im Kern ermöglicht. Michael Horch vom Kirchenvorstand lässt die Zeitfrage offen: „Ich als Optimist schätze mal 20 Monate bis dahin, Pessimisten würden wohl eher 24 bis 30 Monate rechnen, in denen das Provisorium Bestand haben wird.“

Verabschiedung am Ostersonntag

Klar ist aber eines: Am Ostersonntag verabschiedet sich die Gemeinde um 10 Uhr im Ostergottesdienst von ihrer alten Kirche: „Wir nehmen Abschied, sagen Dank und beginnen mit Neuem“, sagt Michael Horch voller Vorfreude. Nach der Hälfte des Gottesdienstes, in dem der letzten 50 Jahre gedacht wird, zieht die Gemeinde in einer Prozession zum Gemeindezentrum. Dabei nimmt sie viele Erinnerungsstücke mit, unter anderem die Altarbibel und den Taufstein. Im Gemeindesaal schließt sich ein symbolischer Neuanfang an. Begrüßungsworte des Rodgauer Bürgermeisters stehen symbolisch dafür, dass die Kirchengemeinde von der Peripherie des Orts in die Mitte zieht. Das bedeutet für den Kirchenvorstand aber auch eine Verpflichtung, als Gastgeber in Zukunft offenere Türen zu haben, nicht nur eine offene Kirche, sondern auch Offenheit für Veranstaltungen über den kirchlichen Rahmen hinaus.

Zum Abschied von der Christuskirche wird eine Sonderschrift als Chronik des Gemäuers verteilt. Sie ist auch als starkes Symbol gedacht. So kann man die alte Kirche „mit nach Hause nehmen“ und sich des Guten erinnern als starke Basis für das Neue. 

(chz)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare