Erzieher in der Kita

Exoten in einem Frauenberuf

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Vorlesen ist ja soooo schön! Dennis Schick (links) und Oliver Wohlgezogen (hinten) finden dabei aufmerksame Zuhörer.

Rodgau - Die Hälfte der Bevölkerung ist männlich. Doch nur drei Prozent der pädagogischen Fachkräfte in Kindertagesstätten sind Männer. Erzieher gelten also nach wie vor als Exoten. Von Bernhard Pelka

Wir haben zwei an ihrem Arbeitsplatz in Dudenhofen besucht: Oliver Wohlgezogen und Dennis Schick.

Der Mann hat die Ruhe weg. Und den Überblick. Während die Kleinen im Flur der Kita 2 wild durcheinanderwuseln, weil’s jetzt gleich aufs Freigelände hinaus geht zum Spielen, bleibt Oliver Schick gelassen. Auch der Hintergrundlärm aus einem Gruppenraum lässt ihn kalt.

Mit aller Ruhe bietet er den Kindern frisches Gemüse an, das es an der Getränkestation nahe dem Ausgang gibt. Dort zapft ein Mädchen nun schon das zweite Mal frisches Wasser in seinen Becher ab. Andere Kita-Kinder bedienen sich an den Gemüsetellern. Derweil sinkt der Lautstärkerpegel wenigstens ein bisschen. Die wilden Kerle und Mädels setzen sich auf die Brüstung der Heizung. Dort warten sie ungeduldig aufs Kommando, dass es jetzt wirklich hinaus geht. Wie die Hühner auf der Stange.

Zivildienst führte Dennis Schick in die Kita 2

„Manche Freunde von mir sagen, sie könnten den Krach nicht aushalten. Aber ich empfinde das gar nicht so. So lange sie laut sind, weiß man, dass es ihnen gut geht und sie gesund sind“, sieht Dennis Schick die gute Seite des Kinderlärms. „Außerdem bekommt man bei der Arbeit mit Kindern unheimlich viel zurück.“ Das ist der wichtigste Grund für den 23-Jährigen, den typischen Frauenberuf ergriffen zu haben. Dabei sah das bei dem angehenden Erzieher im Anerkennungsjahr zunächst gar nicht danach aus. Nach dem Fachabitur wechselte der Nieder-Röder in eine kaufmännische Ausbildung. Die machte er zwar fertig, merkte aber schon früh, „dass das für mich eigentlich nichts ist“. Der Zivildienst führte Dennis Schick dann in die Kita 2 - und schon war der neue Berufswunsch entflammt. Dieses Feuer brennt noch heute in ihm: „Es ist prima hier. Jede Woche was anderes, immer in Bewegung - und ich kann mir Projekte ausdenken.“

Ganz anders ist die Biografie von Oliver Wohlgezogen. „Ich bin mit dem Kindergarten groß geworden. Meine Mutter ist Erzieherin.“ Trotzdem absolvierte der heute 32-Jährige zunächst eine Kaufmannslehre, fand aber keine Stelle. Aus dieser Lage heraus machte er das 1. Vorpraktikum in Dietzenbach. Erst Mitte des 2. Praktikums reifte dann mit zunehmender Verantwortung in der Kita die Erkenntnis: „Das mache ich!“

Gelnhausen und Frankfurt waren seither weitere berufliche Stationen. Inzwischen rückte Oliver Wohlgezogen in Dudenhofen in die Spitze des Leitungsteams auf und arbeitet dort gleichgestellt mit Gabriela Jäger.

„Dass hier auch Männer dazugehören“, findet der Pädagoge enorm wichtig. „Wir sind der Ausgleich zum permanenten Frauenüberangebot und bringen andere Arbeitsweisen und ein anderes Wesen mit.“

Beide Erzieher haben erlebt, dass ihre Berufswahl unter Freunden und Bekannten Staunen auslöst. „Inzwischen ist das aber kein Thema mehr.“ Ein Thema sind gleichwohl die schlechten Verdienstmöglichkeiten. „Für viele Männer ist unser Beruf deshalb leider nicht attraktiv. Auch wenn er noch so schön ist.“

Quelle: op-online.de

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