Womöglich bringt erst ein Gutachten Klarheit

Experten rätseln über hohe Nebenkosten

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Was treibt die Heizkosten an der Wilhelm-Leuschner-Straße 59 dermaßen in die Höhe? Ist es die teils noch nicht gedämmte Fassade? Sind es die Fenster? Oder heizen Mieter tatsächlich bei offenen Fenstern - was natürlich absurd wäre.

Hainhausen - Experten können sich nicht erklären, wie es zu den dramatisch hohen Nebenkosten im Wohnblock Wilhelm-Leuschner-Straße 59 gekommen ist.

Da mag die Techem noch so gewissenhaft geprüft haben: bei den dramatisch hohen Nebenkosten in dem 70er-Jahre-Wohnhaus in Hainhausen kann etwas nicht stimmen.

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Die Nebenkosten für die fraglichen Wohnungen sind ja fast höher als die Miete! Da hätten die Mieter schon das ganze Jahr über bei offenen Fenstern die Heizung bis zum Anschlag aufgedreht haben müssen. Unsere Zeitung hat einen Energieberater der Energieversorgung Offenbach AG und die Rodgauer Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund um einen Vergleich gebeten, der die absurd hohen Kosten verdeutlicht.

Wie berichtet, fielen an der Wilhelm-Leuschner-Straße binnen eines Jahres 4 659 Euro Nebenkosten für eine 58-Quadratmeter-Wohnung an. Darunter 2 775 Euro reine Heizkosten. Damit ließe sich ein nicht gedämmtes 70er-Jahre-Reihenhaus mit mäßigen Fenstern und 140 Quadratmetern Wohnfläche fast ein ganzes Jahr lang wärmen, rechnete ein Energieberater der EVO vor.

Es drohen Gerichts- und Gutachterkosten

Noch ein Vergleich: Der Deutsche Mieterbund rechnete im Jahr 2011 monatlich im Schnitt mit etwa 99 Cent Heizkosten pro Quadratmeter und Monat. Wären bei 58 Quadratmeter 689 Euro im Jahr - und nicht 2 775.

Wie konnten die Kosten in Hainhausen derart aus dem Ruder laufen? Das wird wohl ein Gericht klären müssen. Auch in diesem Fall sind die Mieter dann aber womöglich die Dummen. Denn am Ende kommen zu den hohen Nebenkosten, die sie zahlen müssen, vielleicht noch Gerichts- und Gutachterkosten dazu.

Kostentreiber sind in dem Wohnblock die Heizkosten. Eine ehemalige Mieterin vermutet, dass dies mit dem baulichen Zustand der Liegenschaft zusammenhängt. Während ein Teil des Blocks bereits wärmegedämmt ist und neue Fenster eingebaut wurden, wohnte sie in dem noch nicht sanierten Gebäudeteil. Vermieter ist eine Vermögensverwaltungs GbR in Hainhausen, die durch die Hausverwaltung IPV GmbH mit gleicher Adresse vertreten wird.

Der Offenbacher Rechtsanwalt Marcus Haack betreut beide Firmen und kann einen Zusammenhang zwischen Gebäudezustand und hohen Mietnebenkosten nicht erkennen. Es handele sich um „drei Einzelfälle“ in der Liegenschaft. Gleich gelagerte Vorkommnisse seien ihm aus der Vergangenheit „nicht bekannt“, versicherte der Jurist gestern gegenüber unserer Zeitung.

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Auf Veranlassung seiner Mandanten habe die Techem ihre Heizkostenabrechnungen und die Heizkostenverteiler geprüft. „Am 8. Oktober hat die Techem schriftlich bestätigt, dass keine Beanstandungen oder Fehler festgestellt wurden.“ Haack sagt, auch seine Mandanten wunderten sich, wie die Heizkosten so krass steigen konnten. Derzeit sei „nicht nachvollziehbar“, wie das geschehen konnte.

(bp)

Quelle: op-online.de

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