Experte an Geschwister-Scholl-Schule

Vorsicht: falsche Facebook-Freunde

Hainhausen - Wie schützt man Kinder vor Gefahren im Internet? Und wo liegen diese Gefahren überhaupt? Eltern der Geschwister-Scholl-Schule können bei diesen Fragen jetzt mitreden.

Günter Steppich (Wiesbaden), Lehrer und Fachberater für Jugendmedienschutz, gab in einem gut besuchten Vortrag einen Einblick ins digitale Kinderzimmer. Motto: „Pubertät 2. 0“. Das Problem: Zwischen Erwachsenen und Kindern liegen oft technische Welten. Viele Eltern wissen kaum, mit welchen Inhalten sich ihre Kinder beschäftigen. Steppich: „Kinder haben mit 13, 14 Jahren schon die komplette Erwachsenenwelt im Kinderzimmer.“ Mit dem sinkenden Einstiegsalter ins Internet steige die Gefahr von Fehlentwicklungen. Schon gebe es erste Fälle von Internet-Mobbing bei Grundschülern. Zwölf- bis 14-Jährige tummelten sich auf Pornoseiten, bei Nazis, in Suizid-Foren und in Online-Welten mit Suchtpotenzial.

Nicht nur ungeeignete Inhalte können für Kinder und Jugendliche gefährlich sein. Günter Steppich warnt auch vor der Preisgabe der Privatsphäre in sozialen Netzen wie Facebook oder bei Messenger-Diensten wie Whats App. Ein öffentliches Facebook-Profil sei für Straftäter eine Einladung zum Missbrauch. Grundsätzlich sollten Jugendliche nie fremde Personen in die Facebook-Freundesliste aufnehmen. Gut gemeinte Nachrichten („Wir sind jetzt zwei Wochen in Urlaub“) könnten ungeahnte Folgen haben. Und wer Whats App nutze, gebe sein komplettes Handy-Adressbuch weiter - ohne zu wissen, was mit diesen Daten geschieht.

Online-Mobbing laufe oft auf Facebook ab, weiß Günter Steppich aus Erfahrung. Mit gefälschten Facebook-Profilen würden die Betroffenen systematisch fertiggemacht. Die digitale Distanz senke die Hemmschwelle für Täter, Mitläufer und Zuschauer. Die Wirkung sei verheerend. „Was bei Facebook entgleist, ist eine Frage der Erziehung“, ist der Fachmann überzeugt. Werte zu vermitteln, sei wichtiger denn je.

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Doch Mobbing ist nur eine von vielen Möglichkeiten des Missbrauchs im Netz. Steppich beobachtet den rasanten Wandel in der Szene. Beispiel: „Happy Slapping“ war gestern, „Sexting“ ist heute. Dass Schüler vor laufender Kamera verprügelt werden und die Videos bei Youtube landen, ist seltener geworden - selbst der Dümmste hat begriffen, dass die Täter auf dem Video mit drauf sind. Ein neueres Phänomen betrifft private Fotos, die sich unkontrolliert verbreiten: Was macht der Exfreund mit den freizügigen Bildern des Mädchens, wenn die große Liebe zu Ende ist?

(eh)

Quelle: op-online.de

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