Fachwerk und globale Netze

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Geht die Heimat verloren, wenn die Globalisierung voranschreitet? Der Heimatverein sucht Antworten.

Dudenhofen - (pul) In 80 Tagen um die Welt - was in Jules Vernes Roman aus dem Jahre 1873 als rasante Tour rund um den Erdball beschrieben wurde, ist heute mit dem Flugzeug in kurzer Zeit zu schaffen.

Genau diese beschleunigte Lebensweise lässt so manchen Bürger zweifeln, ob nicht die Heimat als ein Raum der Identifikation verloren geht. Im Foyer des Bürgerhauses suchte der Verein Heimat, Geschichte und Kultur in Dudenhofen Antworten zu dem Thema.

Globalisierung:

Unter Globalisierung versteht man den Prozess der weltweiten Verflechtung in allen Bereichen (zum Beispiel Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation). Als Ursachen der Globalisierung gelten der technische Fortschritt sowie die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels.

Globalisierung ist, wenn sie in der eigenen Heimat ankommt“, so Prof. Dr. Heinz Schilling von der Goethe-Universität Frankfurt. Dabei bezieht sich der Kulturanthropologe und Politologe unter anderem auf Veränderungen in den globalen Finanz- und Warenströmen, die schnell ein Traditionsunternehmen vor Ort in die Insolvenz treiben können.

„In dem mit der Welt verlinkten Hochhaus-Frankfurt geht es um globales Wirtschaftsnetzwerk. Andererseits diskutieren Frankfurter plötzlich über heimisches Fachwerk. Als würde man zusammenrücken angesichts von Globalisierungsdruck und Dauerfortschritt. Ist das nun Sehnsucht nach Überschaubarkeit und Schnuckeligkeit?“.Fragen, auf die Prof. Dr. Heinz Schilling in seinen Ausarbeitungen Antworten sucht.

„Bei Heimat denken die meisten an Dorf und Klein stadt“, so Prof. Dr. Schilling weiter. Heimat ist aber auch Veränderung, Umgang mit Zugezogenen, Heterogenität und die Überlegung, wohin sich der Ort und die Region entwickeln sollen. Die Welt rückt zusammen in punkto Produktion und Kommunikation. Mobilität und Flexibilität sind heute gefragt.

Eine Hoffnung schickte Professor Schilling zu denen, die der zusammenwachsenden Welt ohnmächtig gegenüber stehen: Heimat bleibt erhalten, solange sie den von der Globalisierung Irritierten zuverlässige Werte bietet. Heimat ist eine Antwort, da die dort verankerten Werte nicht mit jeder Mode wechseln. Heimat bietet eine Konstante, gerade in einer sich verändernden Welt.

Neben den Grußworten der Ersten Stadträtin Hildegard Ripper und des Ortsvorstehers Karl-Heinz Kühnle sorgten Volker Kratz, Wolfgang Heffe, das Jugendensemble des Musikvereins sowie David Konczewski musikalisch für einen angenehmen Rahmen. Lecker war der von den Vereinsfrauen und -freunden gespendeten Kuchen - auch ein Stück Heimat.

Quelle: op-online.de

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