Fäkalgestank aus der Mülltonne

Rodgau - (bp/eh) Den Kompromissvorschlag zur Windelentsorgung weist der Sprecher des VdK Rodgau, Jürgen Duchscherer, nochmals zurück. Im Umweltausschuss war erarbeitet worden, dass Betroffene, die mit ihrer Mülltonne nicht auskommen, bis zu 13 städtische Müllsäcke im Jahr zum halben Preis (3,50 Euro) kaufen können.

Überdies soll nach wie vor der kostenlose Container für Windeln und Stoma-Beutel (von Patienten mit künstlichem Darmausgang) auf dem Recyclinghof bereit stehen.

Duchscherer kritisiert, dass es aber bei einer 14-tägigen Leerung bleiben soll. Der VdK-Sprecher, der die Lage von Stomapatienten aus persönlicher Betroffenheit kennt, nennt den Windelkompromiss eine Diskriminierung und Benachteiligung von Behinderten. Sie müssten „unerträglichen Fäkaliengestank“ hinnehmen, Windeln zwischenlagern oder sie im Auto zum Recyclinghof fahren.

Duchscherer reklamiert, dass seit Oktober 2008 über das Problem geredet werde, eine Lösung sich aber immer noch nicht abzeichne. Den Fraktionen bescheinigt er „Ignoranz und Informationsdefizit“. 1 200 Kleinkinder sowie 100 Inkontinente und Stomaträger in Rodgau seien betroffen. Andere Gemeinden in Hessen und Thüringen hätten ähnliche Probleme.

In der näheren Umgebung Rodgaus sind Klagen über Geruchsbelästigungen durch Windeln jedoch nicht laut geworden, wie eine Umfrage unserer Redaktion in Städten mit zweiwöchentlicher Müllabfuhr ergab. „Das Problem haben wir nicht“, sagte Jürgen Pfeifer von der Abfallwirtschaft der Stadt Heusenstamm. Ähnlich äußerten sich seine Kollegen in Obertshausen, Rödermark und Dreieich.

Noch kein einziges Mal hätten sich Bürger bei ihm über Fäkaliengeruch aus der Mülltonne beschwert, berichtet Peter Kleinschmitt in Obertshausen. Dort gibt es eine einzige Ausnahme vom Leerungsrhythmus: Weil der katholische Kindergarten St. Josef nicht genug Stauraum für die Windeln seiner Krabbelgruppe hat, wird dort die Mülltonne wöchentlich geleert: Das Müllfahrzeug für die 1,1-Kubikmeter-Container fährt auf seiner Tour einen Schlenker zum Kindergarten.

Für Rodgau wäre das keine Lösung, denn auch die großen Container werden nur alle zwei Wochen geleert.

In Rödermark, Heusenstamm, Obertshausen und Dreieich gibt es kostenlose Windelsäcke, die alle zwei Wochen von der Müllabfuhr mitgenommen werden. Seligenstadt bietet eine Windeltonne zur ermäßigten Gebühr von 5,50 Euro pro Monat an.

Die Stadt Dieburg hat die kostenlosen Windelsäcke im zweiten Anlauf gerade abgeschafft, um ihr Defizit um rund 55 000 Euro pro Jahr zu senken. Vor einigen Jahren hatte sich ein Sturm der Entrüstung gegen die Abschaffung der Säcke erhoben, das Stadtparlament zog seinen Beschluss zurück. Diesmal gab es noch keine Proteste.

Quelle: op-online.de

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