Dudenhofen

Fäulnis nagt am Kirchdach

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Mikroorganismen verschiedener Art, unter anderem Pilze und Schwämme, haben an den tragenden Balken im Dach der evangelischen Kirche Dudenhofen genagt. Möglicherweise werden zur Kräftigung der Decke Stahlträger eingezogen. Um Geld für die wohl mehr als 300 000 Euro teure Sanierung zu sammeln, plant die evangelische Gemeinde verschiedene Aktionen. Ein Benefizkonzert und ein Basar haben schon Geld in die Kasse gespült.

Die evangelische Kirche Dudenhofen steht vor einer großen Sanierung. Erst vor acht Jahren innen renoviert, dringt jetzt Feuchtigkeit ins Mauerwerk - Wasser, das unterm Dach eindringt.

Dudenhofen (chz) - Das Dach muss möglichst umgehend aufwändig erneuert werden, was teilweise auch die flachen tragenden Querbalken im Dachgeschoss betrifft, wie Kirchenvorsteher und Bauausschussvorsitzender Dieter Seib-Haller erläutert.

Im letzten Sommer war aufgefallen, dass die Schindeln außen an den Gauben der 1770 erbauten Kirche immer wieder abfielen - die Nägel, die sie hielten, waren marode geworden. Erste feuchte Flecke unter den Fenstern und abblätternder Putz an der Fassade ließen nichts Gutes erahnen. Bei genauerem Untersuchen und dem Abheben der Bretter, die unterm Kirchendach auf dem Sand zwischen den tragenden Balken lagen, kam schrittweise die ganze Misere zutage. Ein holzschutztechnisches Gutachten eines über die Darmstädter Kirchenverwaltung eingeschalteten Büros ergab die traurige Wahrheit: „Moder- und Braunfäule - verursacht durch den Weißen Porenschwamm und Mikropilze; Haussporling; Rindenpilz.“ Außerdem im hölzernen „Draufgesims“, den äußeren Holzbalken unterhalb des Dachabschlusses, „Hakengänge des großen Eichenbocks“. Der Diagnose folgte der Therapievorschlag: Erneuerung des Draufgesims; Austausch der maroden Dachbalken.

„Noch hoffen wir, dass es nicht so viele sind, die wir austauschen müssen. Wir warten gerade auf das Gutachten des Statikers.“ Der hatte angedeutet, dass Stahlträger zwischen den tragenden Balken die Tragfähigkeit erhöhen könnten. Nur dabei wird es nicht blieben, ist Dieter Seib-Haller sicher: „Das Dach, das vor 50 Jahren ganz erneuert wurde, muss neu gedeckt werden. Und wenn das 6 000 Euro teure Gerüst erst mal steht, wird auch die Außenfassade mit erneuert werden.“ Vorsichtige Kostenschätzung: 300 000 Euro, die der Bauausschussvorsitzende aber wohl für unterschätzt hält - schon allein in Anbetracht der Tatsache, dass dann auch zunächst marginale Dinge wie etwa ein neuer Blitzableiter fällig sind.

„100 Euro von jedem unserer 3 600 Gemeindeglieder, und unsere Sorgen wären kleiner!“ Seib-Haller weiß, dass diese Rechnung hypothetisch ist, doch er möchte daran deutlich machen, wie hoch die finanzielle Belastung ist, die auf die Gemeinde zukommen wird. Allein die beiden Gutachten zum Ist-Zustand haben inzwischen über 10 000 Euro verschlungen, und das ist erst der Anfang der Lawine.

Die Kirchenverwaltung der EKHN übernimmt einen Teil der Kosten, doch genaue Beträge stehen erst nach der Kostenrechnung fest. Ein Großteil wird aus den Rücklagen der Gemeinde getragen werden müssen. Vielleicht kann auch die Katharina-von-Bora-Stiftung einen kleinen Teil beitragen. Darüber hinaus sind Kirchenvorstand und Ehrenamtliche kreativ und rührig. Durch ein Benefizkonzert überwiegend Dudenhöfer Musiker kurz vor Weihnachten, den Basar der Evangelischen Frauenhilfe Dudenhofen und weitere Aktionen kamen bislang bereits 8 500 Euro zusammen. Dem aktuellen Gemeindebrief „Die Brücke“ liegen Überweisungsträger für Spenden bei; weitere Aktionen sind in Planung. Und die Zeit drängt. Sobald das Gutachten eingetroffen ist, werden die Arbeiten ausgeschrieben.

„Wir müssen das alles bis zum Herbst über die Bühne gebracht haben, schließlich kann das Dach nicht lange offen bleiben.“ Dieter Seib-Haller weiß genau, was auf ihn und die acht weiteren Mitglieder im Kirchenvorstand sowie viele ehrenamtliche Helfer in den nächsten Monaten zukommt.

Quelle: op-online.de

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