Team aus Rodgau holte beim Langstrecken-Cup die deutsche Meisterschaft

Fahren bis der Tank leer ist

Stolz auf die Siegermaschine (von links): Teamchef Andreas Burkard, Kerstin Krapp und Mike Klohoker.
+
Stolz auf die Siegermaschine (von links): Teamchef Andreas Burkard, Kerstin Krapp und Mike Klohoker.

Rodgau – Riesenjubel beim LWR-Endurance Racing Team: Das Motorrad-Team aus Rodgau sicherte sich beim deutschen Langstrecken-Cup (DLC) erstmals den Gewinn der deutschen Meisterschaft. „Das ist für uns ein sensationeller Erfolg, den wir dementsprechend gefeiert haben“, jubelt Teamchef Andreas Burkard aus Seligenstadt. Der Installateur leitet gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Krapp die Geschicke des Teams.

Gegründet wurde die Mannschaft bereits 2015 als „Lewwerworscht-Race“ Racing-Team – und so kennt man die Mitglieder des Teams auch heute noch auf und abseits der Rennstrecke. Auf der Suche nach potenziellen Sponsoren war der etwas flapsige Teamname aber eher hinderlich, sodass 2017 die Umbenennung in LWR Racing-Team erfolgte. Burkard fuhr früher selbst als Einzelfahrer Rennen, lernte dabei die späteren Mitbegründer des „Lewwerworscht“-Teams Thomas Höfling und Matthias Geissler kennen.

Die aktuelle Mannschaft besteht aus den Fahrern Marco Klohoker (Seligenstadt), Matthias Geissler (Heilbronn), Dirk Schnieders (Essen), Christian Kengels (Düsseldorf) und dem Franzosen Jean-Luc Florsch, im Alter von 35 bis 52 Jahren. Schnieders (Testfahrer bei Continental), Kengels und Florsch gehören erst seit einem Jahr dem Team an, „sie hatten angefragt, ob sie bei uns fahren dürfen“, berichtet Burkard. Klohoker ist nicht nur Fahrer, sondern auch Geschäftsführer der Motorradhalle hot & top GmbH in Rodgau.

Dort steht die BMW-Rennmaschine des LWR Racing-Teams. Mit Unterstützung durch Marcos Vater Mike wird geschraubt und gefräst, Fahrer Matthias Geissler bringt sein Wissen und Können als Maschinenbauer ein. Die Maschine Baujahr 2015 (Wert: etwa 17 000 Euro) wurde für den Rennwettbewerb umgebaut, sie besitzt einen 24-Liter-Tank und zwei Schnelltankventile. Auch die Vorder- und Hinterradgabel wurden in Eigenregie konstruiert, um einen schnellen Radwechsel zu ermöglichen.

Jeder der fünf Fahrer besitzt einen Anteil an der kostbaren Rennmaschine. Bedeutet: Wenn einer die Maschine schrottet, müssen alle dafür zahlen. Und wenn ein Fahrer zum zweiten Mal einen Unfall baut? „Dann steigt seine prozentuale Beteiligung“, meint Burkard. Und beim dritten Unfall? „Dann müssen wir uns überlegen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht“, lacht der Chef.

Der DLC hatte in der Endurance (Ausdauer)-Klasse 2019 seine Premiere gefeiert, das LWR Racing-Team belegte nach einer Saison mit sechs Läufen und drei Podestplätzen den vierten Rang. In dieser Klasse teilen sich drei Fahrer eine Maschine, die Langstrecken führen über verschiedene Distanzen zwischen sechs und acht Stunden. „Wir fahren, bis der Tank leer ist“, erklärt Teamchef Burkard.

Bedeutet: Nach rund 80 Minuten kommt der Startfahrer zum ersten Mal zum Auftanken, beim zweiten Auftanken werden bei normalem Rennverlauf das erste Mal die Reifen gewechselt. Und während des Boxenstopps – die Bestzeit des LWR Racing-Teams liegt bei 25 Sekunden – wechselt auch der Fahrer.

Der Kreis um das Team besteht aus rund 30 Mitgliedern – aus Freunden, Bekannten und der Familie. Viele sind selbst begeisterte Motorradfahrer. Beim Boxenstopp während des Rennens sind acht helfende Hände zugelassen. „Wir sind wie eine Großfamilie“, stimmen Kerstin Krapp und Andreas Burkard überein. Alle harmonieren sehr gut miteinander – vor allem die Fahrer. „Anders würde das auch nicht funktionieren“, sagt Burkard.

Welche drei der fünf Fahrer das Rennen bestreiten, bestimmt der Teamchef vor dem Qualifying. Jeder hat Strecken, die im besser liegen. Dazu kommen die Witterungsbedingungen. „Wenn es ein entscheidendes Rennen ist, müssen die schnellsten Fahrer ran“, erklärt Burkard. Die anderen helfen dann im Boxenteam mit.

Bei der Meisterschaft 2020 fanden aufgrund der Corona-Pandemie nur drei Rennen statt. Zum Auftakt belegte das LWR Racing-Team in Most/Tschechien den zweiten Platz, es folgte Rang eins auf dem Nürburgring. Vor dem Finale in Oschersleben lag das LWR Racing-Team mit dem Team von Aprilia Grebenstein (aus Gera) gleichauf. Doch nach einem Sturz brachten die Thüringer ihre Maschine nicht mehr zum Laufen. „Damit war für uns klar, dass wir nur noch das Ziel erreichen mussten“, sagt Burkhard. Statt auf Sieg zu fahren, sicherte das Team sich Platz zwei in diesem Rennen – und damit den Titel.

„Wir sind das einzige Team weltweit, das mit einem BMW-Motor eine Meisterschaft gewonnen hat“, sagt der Teamchef stolz. Angesichts des Titelgewinns ist die Mannschaft berechtigt, am WM-Lauf in Oschersleben teilzunehmen. „Das hängt aber von unseren finanziellen Möglichkeiten ab“, meint Burkard. Der Start würde rund 10 000 Euro kosten.

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Die Maschine wird komplett zerlegt, der Motor muss getauscht werden. Zudem soll eine zweite Maschine angeschafft werden. Ab Februar beginnen die Testfahrten, ehe an Ostern die neue Saison startet. „Unser Ziel ist die Titelverteidigung“, sagt Andreas Burkard.

Von Patrick Leonhardt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare