Umwege wegen fehlendem Fahrkartenautomat

Erst gesprengt, dann abgebaut

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Auf diesem Sockel sollte eigentlich ein Fahrkartenautomat stehen. Seit mehr als drei Monaten ist das nicht mehr der Fall.

Jügesheim - Verdruss an der S-Bahn-Station Jügesheim: Seit mehr als einem Vierteljahr fehlt der Fahrkartenautomat am Bahnsteig in Richtung Ober-Roden. Auf dem Sockel ist nur eine Edelstahlplatte mit vier Schrauben. Kein Hinweis, nichts. Von Ekkehard Wolf

Wann die Deutsche Bahn ein neues Gerät aufstellt, ist ungewiss. Wer nach Süden will und keine RMV-Dauerkarte besitzt, sollte vor der Abfahrt ein paar Minuten mehr einplanen. Einzelfahrscheine gibt‘s derzeit nur am Bahnsteig gegenüber. Besonders ärgerlich ist das für Fahrgäste aus Jügesheim-West. Sie müssen runter vom Bahnsteig, durch die Unterführung, rauf auf den anderen Bahnsteig, Fahrschein ziehen und dann den ganzen Weg zurück. Das sind insgesamt 200 Meter und 126 Treppenstufen. Rollstuhlfahrer haben es noch schwerer. Für sie summiert sich der Umweg hin und zurück auf bis zu 600 Meter – und alles nur, weil ein Fahrkartenautomat fehlt.

Erst vor rund einem halben Jahr war der alte Automat durch ein moderneres Exemplar ersetzt worden. Warum die Deutsche Bahn das neue Gerät bald darauf wieder abbaute, ist vielen S-Bahn-Kunden ein Rätsel. Was war da los? „Der Automat hatte einen technischen Defekt und musste abgebaut werden“, antwortet die Bahn-Pressestelle, „er ist in der Werkstatt und wird repariert.“ Im zweiten Anlauf rückt die Bahn mit weiteren Informationen heraus: Das Jügesheimer Gerät gehöre zu jenen, die von Straftätern gesprengt worden seien. Dies sei bereits im März gewesen.

Keine Ersatzgeräte auf Lager

Wann die Jügesheimer S-Bahn-Kunden auch am Westbahnsteig wieder Tickets ziehen können, vermag die Bahn auch auf Nachfrage nicht zu sagen. Bundesweit betreibe das Unternehmen mehr als 7 000 Fahrkartenautomaten unterschiedlicher Baufirmen. Trotz dieser großen Zahl seien keine Ersatzgeräte auf Lager, die man einfach und schnell aufstellen könne. Außerdem: Der zweite Automat in Jügesheim funktioniere ja noch.

Das ist ein schwacher Trost für Kunden, die seit einem Vierteljahr lästige Umwege in Kauf nehmen müssen. Ein Ticket-Automat pro Bahnsteig ist eine Mindestausstattung. Bei der Wahl der Standorte wurde nicht unbedingt an kurze Wege gedacht. In Hainhausen zum Beispiel steht der Automat auf der Westseite am Ende des Bahnsteigs. Wer aus der Ortsmitte kommt, muss erst den kompletten Bahnsteig entlang gehen. Nicht nur Gehbehinderte sehen darin eine Zumutung.

Quelle: op-online.de

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