Sagenhafte Stimmung

Fans kümmert das Wetter beim Strandbadfestival nicht

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Sieben Stunden Spaß im Strandbad: Beim fünften Festival in Nieder-Roden kamen am Samstag rund 2000 Musikfans auf ihre Kosten.

Nieder-Roden - Hundert Fässer Grüne Soße hätten am Ende wohl für alle gereicht, aber knapp wäre es geworden. Immerhin warf das hessische Piratenschiff am Samstagabend mit knapp 2000 Passagieren vor dem Nieder-Röder Badestrand vor Anker gegangen.

In seiner fünften Auflage lag das Strandbadfestival nach Angaben der Veranstalter auf Rekordkurs - wen kümmert schon das Wetter, wenn die richtige Crew auf der Brücke steht? Dass es voll werden und der Aktionsraum an Deck knapp sein würde, hatte Martin Winter von der städtischen Agentur für Kultur, Sport und Ehrenamt schon vor dem Start gewusst. Seit Wochen gab es für die Sieben-Stunden-Sause am Badesee schon keine Karten mehr. Zusatztickets für Spontanbesucher nachzudrucken, war laut Winter nicht möglich: „Das Sicherheitskonzept setzt uns da Grenzen“. So blieb die Lage für den Impuls-Kulturverein um Frank Redemann, seit der Premiere für Ablauf, Logistik und Versorgung bei der spektakulärsten Rodgauer Freiluft-Aktion verantwortlich, quantitativ berechenbar.

Organisatorisch war bis zuletzt an Stellschrauben zu drehen. Da war der tragische Badeunfall Ende vergangener Woche, dessen Opfer am Samstag noch immer nicht gefunden war. In Absprache mit Polizei und Feuerwehr habe man sich entschlossen, das Festival dennoch stattfinden zu lassen, so Winter. Wetterlaunen wollten die Organisatoren nur weichen, wenn Sturm oder Gewitter hätten gefährlich werden können. Die paar Regenschauer, die am frühen Abend durchzogen, wehrten Fans und Akteure dann locker ab – unter anderem mithilfe von fast 2000 Gratis-Strohhüten, ebenso wie das Brillantfeuerwerk gegen Mitternacht spendiert vom Hauptsponsor EVO.

Unter dem Getröpfel litt vor allem die Fangemeinde von Emergency Exit, als Lokalmatadoren mit dem Anheizen betraut. Wer sich das Flechtwerk auf den Kopf gestülpt, vielleicht noch eines der preiswert feilgebotenen Regencapes erworben und sich furchtlos in die Aufwärmrunde gestürzt hatte, wurde mit einer würzigen Mischung aus Cover-Titeln aus den 1970er und 80er Jahren von Queen bis Bon Jovi belohnt. Als dann The Gypsys übernahmen, spitzte mancher die Ohren: Mit bisweilen virtuoser Leichtigkeit und professioneller Präzision tänzelte die Combo durch die Charts der jüngsten drei Jahrzehnte und rechtfertigte ihren Ruf, eine der vielseitigsten Cover-Bands der Gegenwart zu sein.

Fotos zum Rodgauer Strandbadfestival 2017

Ein gefeiertes Heimspiel absolvierten am Nieder-Röder Badesee die Rodgau Monotones um Leadsänger Peter Osterwold mit Sonnen-T-Shirt.

In Sachen Routine brauchen sich auch die Stars dieses Festivals nicht zu verstecken: Immerhin seit 40 Jahren mischen die Rodgau Monotones, zum zweiten Mal im Strandbad dabei, in fast unveränderter Besetzung immer wieder mal die deutsche Rockszene auf. Aktuell mit „Genial“, ihrem 14. Studio-Album, dessen Titelsong Sängerin Kerstin Pfau Glanz verlieh. Die 100 Fässer Grüne Soße – tausend „Rippscher“ obendrein – hatte die Truppe um Leadsänger Peter Osterwold und Gitarrist Ali Neander den hessischen Piraten im Fahrwasser der Shanty-Rocker von Santiano anvertraut – mit Drummer Mob Böttcher im Solo-Part eine ebenso köstliche Parodie wie der Anklang an die berühmte Last Night of the Proms. Zu hunderten schwenkten die Fans bunte Fähnchen zu John Miles’ „Music“ auf Hessisch, sangen „Erbarme, die Hesse komme“, „Volle Lotte“ und „Ei gude wie“ aus voller Kehle mit und fuhren auf die neue Nummer „Vollgas“ im ZZ-Top-Stil, „Wenn‘s abgeht“ oder „Mama lauder“ ab.

Nicht lauter, eher leiser ging dann Soulstar Andrew Roachford seine Show zu später Stunde an. Treibende Rhythm’n’Blues-Nummern und dynamische Standards aus der Motown-Ära präsentierte das mittlerweile 50-jährige Energiebündel aus London in einer Verpackung aus gefühlvollen Balladen von seiner jüngsten Studio-Produktion „Encore“. Mit Klassikern wie Simply Red und Red Hot Chily Peppers gab es ebenso ein Wiederhören wie mit Hits von Mike and the Mechanics, deren Leadsänger Roachford derzeit ist. All jenen, die mit einer persönlichen Dosis Rodgau Monotones schon das Feld geräumt hatten, entging ein gehaltvoller Absacker. (zrk)

Quelle: op-online.de

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