Fastnacht bei der TGM SV Jügesheim

Mit Mafia angebandelt

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Hochstapler in Netzstrümpfen und Corsagen: das TGM SV-Männerballett.

Jügesheim - Das haben die TGM SV-Fassenachter nun davon, dass sie sich mit der Mafia eingelassen haben: Der Präsident ist entführt, und statt seiner Elferräte thronen dubiose Gestalten in schwarzen Anzügen auf der Bühne. Von Michael Löw

Doch da genug Besucher Lösegeld - sprich: Eintritt - gezahlt hatten, kam der Sitzungs-Chef Siggi Balz frei, und dreidreiviertel vergnüglichen Netto-Programmstunden stand nichts mehr im Weg. „Mafia, Pizza, Rimini - Fassenacht in Italy“ haben die Karnevalisten aus der Weiskircher Straße ihre Kampagne betitelt. Kein Wunder also, dass drei Herren der ehrenwerten Gesellschaft aufs vorige Jahr zurück blickten. Götz Schwarz, Peter Gajewski und Siggi Balz machten den Unsinn des Betreuungsgeldes von Bundesministerin Schröder an einem Beispiel deutlich, das sogar die Familie Kratz-Seum-Klein aus Rodgau 2 verstanden hätte: Erst baut und renoviert die Brauerei Glaab jede Menge Kneipen. Und dann bekommt jeder, der nicht hingeht, einen Kasten Bier nach Hause. Die Rodgauer Rathaus-Regenten hatten ihr Schutzgeld offensichtlich brav berappt, denn sie kamen im Mafiosi-Protokoll glimpflich davon. Das neue Lieblings-Reizthema Hallengebühren handelte das Trio kurz und knapp ab - wohl dem Verein, der eine eigene Halle besitzt.

In die Bütt stiegen TGM SV-Elfer André Haus, der den Paten im perfekten Gastarbeiterdeutsch imitierte, der von der Mainzer Fastnacht bekannte Wortspieler Willi Steinbrech und Mimikkünstler Andreas Kraus, der am Telefon permanent nach Notizzettel und Stift suchte. Christoph Visone, Sohn des Fastnachts-Pizzabäckers Ciro, war der Mann mit den meisten „Ui, ui, uis“ für Humor aus dem Bauch und der meisten Luft in der Lunge: herrlich, wie er den Stadtbummel von Mutter und Sohn zum Schlangensatz ohne Atempause dehnte.

Der junge Eppertshäuser und Karneval-Senior Steinbrech waren indes nicht die einzigen Gäste von außerhalb auf der TGM SV Bühne. Das „Heddemer Dreigestirn“ bewies in einer fulminanten Hitparade, dass nicht nur Lügen kurze Beine haben. Und die „Paradiesvögel“ der Turnerschaft Klein-Krotzenburg, verbreiteten bei ihrem Tanz Stimmung wie beim Karneval in Rio. Tänzerisch hatte die TGM SV natürlich auch einiges zu bieten. Saskia Müller, Jasmin Och, Jessica Stein und die Polkaformation „Footloose“ präsentierten Teile ihres Programms, mit dem sie schon bei hessichen oder deutschen Meisterschaften Spitzenplätze belegten. Jennifer List hatte das Männerballett zu Höchstleistungen angespornt. Was wieder einmal zeigte: Wohl geformte Körper in Reizwäsche entzücken Zuschauer beiderlei Geschlechts.

Eine Choreopgraphie der watscheligen Art war der Tanz von Nicole Niehuesbernd, Lena Haus, Julia Eixler, Jennifer List, Simone Gajewski und Jasmin Tide. Wer einmal mit Taucherflossen über den Strand gestapft ist, weiß wieviel Arbeit hinter dieser Nummer steckte. Weder Tanz noch Büttenrede - Oder doch von beidem etwas? - war das Zwiegespräch von Simone und Peter Gajewski. Sie ließ ihren Angetrauten am kurzen Bändel über die Bühne tapsen und malte sich am oberen Ende des Marionettenkreuzes aus, was ein echter Traummann denn alles können sollte. Für den Gesang sind bei der TGM SV eine Solistin und ein Oktett zuständig. Maike Köhler war das Glamourgirl auf atemberaubend hohen Highheels. Frank Rebel und seine „Giesemer Trottwa Lerche“ feiern dieses Jahr ihren 15. Geburtstag und durften deshalb zweimal ans Mikro. Das Publikum hätte ihnen wahrscheinlich sogar noch ein drittes Mal zugehört.

Quelle: op-online.de

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