Giesemer Umzug hat Tradition

Fastnacht geht uff die Gass

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So kam die Straßenfastnacht früher daher.

Rodgau - Der Fastnachtszug durch Jügesheim schmückt sich in dieser Kampagne mit einem Doppeljubiläum, das schon im Zug-Motto anklingt: „Der ganze Rodgau hat heut Spaß, 6 mal 11 Jahr uff de Gass!“ Von Bernhard Pelka 

Außerdem macht Organisatorin Melanie Meyer-Marbach das 25.Jahr voll, in dem sie den närrischen Lindwurm auf die Straße bringt. Für die Chefin der Interessengemeinschaft der Jügesheimer Ortsvereine (IGEMO) beginnt Fastnacht schon im Herbst. Etwa ab Oktober schreibt sie mögliche Teilnehmer an. Auch muss der Zug ordentlich bei der Stadt angemeldet werden. Rettungs- und Reinigungsdienste werden gebucht, der Auftrag für die Herstellung der Zugplaketten erteilt.

Als Melanie Meyer-Marbach anfing, nahmen die etwa 30 Zugnummern (meist aus Jügesheim) in der Gartenstraße am damaligen SV-Sportplatz Aufstellung. Am 4. März wird der Jubiläumsumzug 61 Nummern aus allen fünf Stadtteilen haben. Punkt 14 Uhr geht’s am Bahnhof in Jügesheim los.

Schöner Motivwagen aus den späten 50er Jahren des Fastnachtszugs.

Vor 25 Jahren waren lange nicht so viele Kindergruppen dabei wie heute. „Die Kindergärten machen mir jedes Mal besonders Spaß“, sagt die Zug-Chefin. Vertreten sind am 4. März die Kleinen Strolche, die Kitas Birkenhain, Alter Weg, Nordring und Freiherr-vom-Stein-Straße. Verändert haben sich seit damals auch die Sicherheitsvorschriften. Diesmal kommt sogar der TÜV, um die Einhaltung der „Verordnung über Brauchtumsumzüge“ durchzusetzen. Beim Jubiläumsumzug wird es allerdings ein letztes Mal eine großzügige Übergangsregelung geben. Ausfälle sind trotz TÜV-Prüfung der Motivwagen also nicht zu befürchten. Am Donnerstag, 23. Januar, informieren die IGEMO und ein TÜV-Mitarbeiter die Vereine ab 20 Uhr bei der TG Weiskirchen über die schon seit 2000 geltenden Vorschriften.

Weiter zurück als 25 Jahre

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Die Geschichte des Giesemer Fastnachtszugs reicht freilich weiter zurück als 25 Jahre. Die älteste Erwähnung findet sich in einem Protokollbuch der TGS Jügesheim aus dem Jahr 1931. In der Vorstandssitzung am 20. Januar wurde festgehalten: „Am 15.2. (einem Sonntag, die Red.) findet der Maskenball statt. Der Karnevalszug findet um 3.30 Uhr statt und soll mit Musik sein.“ In den Kriegsjahren hatte die Bevölkerung natürlich andere Sorgen. Und auch in den Not-Zeiten danach war es anfangs befremdlich, wieder der Narretei zu huldigen.

Trotzdem reaktivieren junge Männer des Jahrgangs 1927/28 der TGS-Handballmannschaft (Heinz Sahm, Philipp Rupp, Reinhard Jäger, Günter Koser, Willibald Englert) die Karnevalsabteilung. Sie küren das Prinzenpaar Prinz August I. (Bonifer) und Prinzessin Helma I. (Subtil) und tragen es in einer Sänfte in den Saal. Natürlich ist das keine Sänfte im herkömmlichen Sinn, sondern lediglich ein umgedrehter Tisch.

Die erste Fremdensitzung in der TGS-Halle organisiert Heinrich Jäger („Kunni“). Die Dekoration ist spärlich, die Stimmung aber umso besser. Mehr als ein paar Luftschlangen an den Decken und Krepppapier an den Wänden gibt es auch beim Prinzenball anfangs nicht.

Die Kapelle spielt Klassiker wie „Heile, heile Gänsje, Ritz am Baa, Kornblumenblau, Waldeslust und Schützenliesel“. Wenn die Musiker im Saal Pause machen, geht es

oben auf der Galerie weiter. Dort greift Karl Schreiber vom Orchesterverein in der „Haifischbar“ in die Tasten seines Akkordeons, begleitet von Fritz Breitenbach aus Weiskirchen am Schlagzeug.

Und vom Saal aus findet die Fastnacht damals langsam auch wieder ihren Weg uff die Gass - wo sie den Narren bis heute so viel Farbenpracht und Freude ver- schafft.

Quelle: op-online.de

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