„Ja, er findet statt“

Bunter Umzug nach vier Stunden Regen

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In der Falle: die einzige Gruppe mit einer Anspielung auf kommunalpolitisches Geschehen.

Jügesheim - Auch Regen konnte die gute Laune nicht trüben: Mit bunten Fußgruppen und viel Musik feierten die Rodgauer Narren gestern den Höhepunkt der Straßenfastnacht. Die Zuschauerreihen hatten Lücken, doch wer gekommen war, brauchte es nicht zu bereuen: Kurz nach dem Start kam die Sonne durch. Von Ekkehard Wolf

Bei Zugchefin Petra Seyffarth stand das Telefon kaum still. Alle Anrufer wollten nur eines wissen. „Ja, der Zug findet statt“, sagte die Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Ortsvereine, legte auf und wartete auf das nächste Klingeln.

Süße Idee: die rollende Candy-Bar des Rodgauer Carneval-Clubs „Die Knallkepp“, gefolgt von zweibeinigen Lollis und allerhand Süßem mehr.

Einen Tag nach dem Sturm, dem viele Rosenmontagszüge zum Opfer gefallen waren, hatten die Rodgauer gestern Glück. Zwar regnete es ab dem Vormittag ununterbrochen, doch pünktlich zum Abmarsch konnten die Fastnachter ihre Schirme zuklappen. Kurz darauf kam sogar die Sonne durch. Als hätten sie’s geahnt, hatten Erzieherinnen und Eltern der Kita Nordring das Wetter zum Thema gemacht. Sonnige Gesichter mit gelben Perücken verbreiteten gute Laune und ließen die Wolken vergessen.

Teile des Publikums waren nicht so optimistisch und blieben lieber daheim. Die Zuschauerreihen am Straßenrand waren dünner als sonst. Sogar am Bahnhof blieben einige Lücken. Normalerweise steht das Narrenvolk dort dicht gedrängt.

Wer sich auf den Weg gemacht hatte, brauchte es nicht zu bereuen. Der Fastnachtszug mit 50 Nummern war so bunt wie eh und je: fantasievolle Kostüme, ein paar Motivwagen, viel Hellau und Süßigkeiten – und immer wieder Mitwirkende voll ansteckender Fröhlichkeit.

Ganz in Rosa: Flamingos von Konni Walter & Co.

Noch einmal gab es ein Wiedersehen mit den schönsten Kostümen und Motiven aus der Sitzungskampagne: Pinguine und Schneekinder bei den Sportfreunden, Zauberer und Trolle beim JSK, Spielkarten aus Las Vegas bei der SG Hainhausen. Die Frauen vom Kreppekaffee Nieder-Roden kamen als Hotelteam des Hotels Kreppelinski. Auch sie sagten nicht Nein, als der Bäcker an der Ludwigstraße den Zugteilnehmern Kreppel anbot.
Etliche Gruppen hatten sich eigens für den Fastnachtszug neu eingekleidet. Viel Fantasie bewiesen die Kindergärten, unter anderem mit Popcorn aus Bauschaum (Kita Turmstraße) und mit einem Schaumbad aus weißen Luftballons (Die kleinen Strolche). Eher gekauft als selbst gemacht wirkten die „Pretty Flamingos“ der JSK-Gruppe um Konni Walter – dennoch bildeten die pinkfarbenen Schwimmfiguren einen sehenswerten Farbtupfer.

Eine süße Idee präsentierte der RCC Knallkepp mit seiner rollenden Candy-Bar: Süßigkeiten, wohin das Auge blickt – ein Schlaraffenland für Süßschnäbel. Auch die Fußgruppe war passend kostümiert.

Auch die Sportfreunde hatten viel Zeit und Energie in den Wagenbau investiert. Neben ihrem Narrenschiff „Welle 2011“ waren sie mit einer rollenden Eisbar unterwegs – Ausschank an die Zuschauer inklusive.

Der kleinste Motivwagen kam aus Hainhausen. Erich Jäger und die Übriggebliebenen der ehemaligen Fußgruppe Hilge hatten eine Mausefalle auf einen Anhänger gesetzt: mit Käseecke und einer höchst lebendigen Maus. Jäger & Co. hatten sich auch als Einzige an eine kommunalpolitische Anspielung gewagt. Ihre These: „Das Baugebiet Rodgau-West kommt nicht in Fahrt, denn zwischen Giesem und Haahause lebt eine seltene Mäuseart.“

Fastnachtszug in Jügesheim mit viel Musik: Bilder

Ein Hingucker im Fastnachtszug waren die „Trikefreunde Rodgau“ mit ihren dreirädrigen Maschinen, allesamt auf Hochglanz poliert. Dazu passte das Steampunk-Outfit der Piloten. Einer hatte sogar einen Totenkopf auf die Anhängerkupplung gesetzt.

Die jüngsten Teilnehmer des Fastnachtszuges wurden auf dem Arm getragen oder saßen im Kinderwagen. Der älteste thronte auf dem Kutschbock des Prinzenwagens: Kurt Henkel, Jahrgang 1930, der Großvater des Prinzen Holger II.

Popcorn aus der Kita Turmstraße: Zwischendurch lassen sich die Kinder auch selbst etwas Süßes schmecken.

Musikalisch wurden die Zuschauer sowohl live als auch aus der Konserve beschallt. Die Musikgruppen waren so gleichmäßig verteilt, dass sie einander nicht in die Quere kamen: angefangen vom Spielmannszug des TV Obernau, der zeitweise sogar als Polonaise lief, über die Guggemusik „Druff Kapell“ bis zu den Orchestern der Vereine. Die Musiker aus Nieder-Roden warteten sogar mit einer Premiere auf: Sie intonierten den Schlager „Katzenbär“, den Jens Joneleit eigens zum Fastnachtszug komponiert hatte. Der bärtige Komponist gab an der großen Pauke den Takt an.

In ihrem Mottokostüm „Müllmänner“ ging die Tanzgruppe Taktlos an vorletzter Stelle mit – vielleicht auch ein Hinweis auf das unvermeidliche Gassekehren nach dem Fastnachtszug. Da gab es diesmal besonders viel zu tun, weil viele Süßigkeiten in der Nässe gelandet waren. Was nicht gleich aufgehoben wurde, blieb liegen. Denn wer will schon halb aufgeweichte Bonbons essen?

Quelle: op-online.de

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