Eine Ära geht zu Ende:

Kostümverleih Hilge hört nach 31 Jahren auf

+
Historisches geht immer gut, nicht nur in der Fastnacht: Marianne Hilge gibt nach 31 Jahren ihren Kostümverleih auf.

Hainhausen - Bei ihr findet man das passende Kostüm für jedes Fastnachtsmotto: Der Kostümverleih von Marianne Hilge ist eine Fundgrube für Närrinnen und Narrhallesen. Aber nicht mehr lange. Von Ekkehard Wolf 

Nach 31 Jahren gibt die Fastnachtsausstatterin ihr Geschäft auf – die Gesundheit fordert ihren Tribut. Nun steht sie vor einer neuen Herausforderung: Mehr als 3 000 Kostüme wollen verkauft werden. Sie war und ist eine Institution in Rodgau und Umgebung. Ganze Fastnachtsgruppen hat Marianne Hilge eingekleidet. Auch Theatergruppen fanden bei ihr die passenden Kostüme, Perücken und Accessoires. Hochzeitsgesellschaften borgten sich stilvolle Gewänder für eine Mittelalterhochzeit. Auch mehrere Bürgermeister zählten zu ihren Kunden: Paul Scherer, Alois Schwab und Jürgen Hoffmann, aber auch deren Amtskollegen aus Rödermark und Dietzenbach.

Viele Jahre lang lief Marianne Hilge im Fastnachtszug mit, am liebsten als Clown.

Beim SKV-Laternche waren Marianne und Günter Hilge viele Jahre lang aktiv, unter anderem in Tanz- und Gesangsgruppen. Wenn es um Kostüme ging, war die Hobbyschneiderin in ihrem Element: „Im Sängerraum des SKV haben wir für den Verein genäht. Das war eine schöne Zeit.“ Eines ihrer ersten Kostüme war „Scarlett O’Hara“. Mit Torero-Kleidung aus ihrer Nähstube gewannen die Alten Herren der TGM den ersten Preis im Fastnachtszug.

Der Kostümverleih startete im Keller. Die Kleiderbügel hingen an zwei Wäscheleinen. Zweimal zog der Fundus seither um. Seit etwa 15 Jahren befindet er sich in einem ehemaligen Puppengeschäft, wo Marianne Hilge früher Kurse im Puppen- und Bärenbasteln anbot. Die Schatzkammer der Narretei ist bis zum Rand gefüllt: Mehr als 3 000 Kostüme auf 50 Quadratmetern, dazu gut 100 Echthaarperücken, Hüte und vieles mehr. Kleiderständer mit Kostümen machen sich auch schon im überdachten Vorraum breit. Die beiden Umkleidekabinen hängen voller Zeitungsausschnitte und Fotos. Auf einem ist Marianne Hilge als Clown zu sehen: „Mein Lieblingskostüm.“

Früher saß die Hobbyschneiderin für ein einziges Gewand zwei Tage lang an der Nähmaschine. Diese Zeiten sind vorbei. Auch beim Ankauf ihrer Kostüme achtete sie auf Qualität, schließlich sollen die Stücke lange halten. Das klappt meistens, aber nicht immer: Vor Jahren wurde ein selbst genähtes Südstaaten-Outfit völlig zerfetzt zurückgebracht – der Träger hatte sich mit einem anderen Kerl geprügelt. Zwei, dreimal kam es auch vor, dass Kostüme unter falschem Namen ausgeliehen und nie zurückgegeben wurden. Schöne Erlebnisse gab es viel öfter. Marianne Hilge: „Es hat Spaß gemacht.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare