Narren-Trümpfe in der Hand

Auch in Narhalla an der Weiskircher Straße feiern JSK-Aktive grandios

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Mit einem rauschenden Finale, angeschoben von den Giesemer Trottwa-Lersche, endete die JSK-Sitzung nach über fünf Stunden.

Jügesheim - Neues Etikett, bewährte Qualität. Was in der Werbung oft Behauptung bleibt, ist den Fastnachtern des JSK Rodgau am Wochenende in der Tat gelungen.

In ihrem Stammdomizil an der Weiskircher Straße zückte die bewährte Truppe der früheren TGM SV einen närrischen Trumpf nach dem anderen. Nach gut fünf Stunden und 16 Nummern stimmte das närrische Volk im voll besetzten Saal geschlossen das Giesemer Credo an: „Fassenacht ist Pflicht“. Zwischen Vergangenheit und Zukunft verorteten Wegweiser die Bühne. Als die Sitzungspräsidenten Siggi Balz und Peter Otto die Regenten Andreas und Sarah May ins Rampenlicht riefen, standen die Zeitzeichen ganz auf Gegenwart. Die tickt digital – aber wo sind da die Grenzen? Als Mutter und Tochter zankten Paula Tauber und Jelena Glavasevic über virtuelle Werthaltigkeit: Wozu 200 Online-Freunde, wenn man kaum einen kennt?

An der Schnittstelle zwischen Cyberspace und Wirklichkeit trieb sich später auch Multitalent Steffen Kuhn herum. Im vergangenen Jahr als „Drex Wedder“ erstmals in der Bütt, schlug er sich diesmal mit den Tücken von Twitter, Facebook und Whatsapp herum und offenbarte eine ewige Wahrheit: Auch wenn’s der Seele schmeichelt, dass einen die Armbanduhr fürs Gassigehen lobt – den Besen schwingt auch der optimal vernetzte Hausmeister noch immer analog.

Stammgäste eröffneten das Showprogramm: Farbenprächtig und perfekt choreografiert, gab die Dance Company aus Klein-Krotzenburg als indische Gottheiten eine umjubelte Vorstellung. Die Giesemer Sicherheitspolitik gegenüber den Dudenhöfern sagten Siggi Balz, Götz Schwarz und Peter Gajewski an. Ihre Art, „Guude“ zu sagen, verrät die Nachbarn immer. Eine Grenzmauer, bezahlt mit dem Schutzzoll auf Keeskuche – was Trump krakeelt, hallt an der Rodau wider. Im Rundumschlag durch Sport und Politik vergaß das bewährte Trio auch Rodgauer Baustellen wie Hainhausen-West oder die Erosion in Geschäftswelt und Parteienlandschaft nicht. Zunehmender Unwettergefahr ist der Giesemer gewachsen. Wasser im Keller? „Wir trinken ausschließlich Bier.“

Mit einem schmissigen Gardetanz gefielen die neun Tänzerinnen der Formation „Footloose“, von Christian und Michael Hadley trainiert, bevor die Ex-Regenten Matthias und Tanja Lehmberg noch einmal in die Bütt und, bisweilen etwas wehmütig, auf ihre verflossene Kampagne zurückschauen durften. Beide hat es offenbar tüchtig gepackt: Ex-Prinz Matthias erschien später noch einmal mit dem Männerballett, das unter Leitung von Jenni Jäger eine Rolle rückwärts durch die jüngere Musikgeschichte bis zurück zum Rock ’n’ Roll der 1950er schlug. Noch mehr Gas gab Ex-Prinzessin Tanja mit Melanie Schubert, Jenni Jäger und Nicole Niehuesbernd im fliegendem Kostümwechsel: Als Nonnen, Pippi Langstrumpf, Untote, Stewardessen, Meeresbewohner, Putzfrauen, Cowboy und Indianer feierten die „Ufftaktlerinnen“ ihr Bühnendebüt.

Bilder von der großen Fassenachtssitzung der JSK Jügesheim

Mit einer akrobatischen und künstlerischen Höchstleistung führte Solo-Tanzmariechen Aylin Kostadinov vor, wie sie in der vergangenen Saison sämtliche nationalen Turniere gewann. Als geplagter Papa von Zwillingen suchte André Haus sein Leid zu klagen, löste aber mit seiner Desaster-Chronik aus dem Schwangerschaftskurs und dem häuslichen Chaos statt Mitgefühl nur ungestüme Heiterkeit aus. Ein Glanzlicht zu später Stunde setzte einmal mehr Wortakrobat Andreas Kraus, diesmal – zwecks Steuerersparnis – auf Freiersfüßen unterwegs. Nicht ohne Risiko, die Damenjagd in freier Wildbahn: „Irschendso e zickisch Kuh, die kaaner will, die kriegst dann du.“ Oktoberfest-Stimmung verbreiteten die „Marionetten“ im Trachtenlook und warteten unter Leitung von Christopher Sattler und Stephanie Weimer sogar mit einem Schuhplattler auf.

In die Pause und ins Finale schickten die JSK-Regisseure ihr Publikum jeweils mit Gesang: Hatte „Schlagerfuzzi“ Thorsten Rech zur Halbzeit die Narrhalla mit einem starken Cocktail aus Stimmungshits und Ohrwürmern abgefüllt, packten im Endspurt die Giesemer Trottwa-Lersche ihre Beziehungskisten aus. Neben dem Klassiker über die Traumfrau aus der verbotenen Stadt und der Giesemer Hymne beglückten Stefan Lurweg, André Haus, Frank Rebel, Stefan Mück, Thomas Eixler, Thilo Neiss am Cajón und Gitarrist Andreas Held die Fans mit ihrer Version der Männer-Ode frei nach Herbert Grönemeyer. Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er besoffen bügeln kann. (rdk)

Quelle: op-online.de

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