Hand in Hand durchs Märchenland

Neue Hainhäuser Fastnacht verbindet Traditionen aus zwei Vereinen

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Starke Zwerge: Die „Rodau-Dapper“ glänzen als fusioniertes Männerballett.

Hainhausen - Vier fröhliche Stunden erlebten rund 200 kostümierte Gäste in der ersten Fastnachtssitzung der SG Hainhausen. Die gute Laune der Besucher passte zur närrischen Übersetzung des Kurznamens SGH: „saugeiler Haufen“. Auch die zweite Sitzung ist ausverkauft.

Die Fusion ist geglückt: Das Programm vereint die Fastnachtstraditionen von SKV und TGH, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Das Männerballett ist ein gutes Beispiel dafür, wie Vereine zusammenwachsen: Die neuen „Rodau-Dapper“ bringen die Bühne ebenso zum Beben wie bisher die „Pitschedabber“ und „Rodau-Elfen“. Der Elferrat ist Vergangenheit, dafür gibt es jetzt zwei Sitzungspräsidenten. Willi Eichhorn und Torsten Rudolph erwähnen die Vereinsfusion mit einem Schuss Selbstironie. Beide kommen zu spät: Der eine hat sich im Tag geirrt, der andere im Ort. Denn auch das ist neu in der SGH: Beide Sitzungen finden in der großen Halle statt und zwar nicht erst am Fastnachtssamstag.

Neben der Fusion zieht sich auch das Motto „Märchen“ durchs Programm. Die „Gassehopser“ bringen in ihrem Tanz gleich vier Märchen unter. Dabei entschlüsseln sie die wahre Herkunft der Zwerge: In jedem Zwerg steckt auch eine Prinzessin. Die anderen Tanzgruppen (Garde, Kolibris, Starlight Dancers) verzichten auf Kostümwechsel und bewegen sich in der Tradition der zackigen Gardetänze. Eine Klasse für sich ist das Garde-Duo Clarissa Dörfler und Jessica Schön. Das Publikum spart nicht mit Applaus: Jeder Spagat wird bejubelt, jede Hebefigur sowieso.

Die „Starlight Dancers“ strahlen um die Wette.

Eigengewächse sind auch die jungen Büttenredner Maximilian Speyer und Garion Engel. „Papa macht Diät und wir nehmen ab“, ist das Thema der beiden 13-Jährigen. Der Zuspruch der Zuschauer trägt sie bei ihrer Bühnenpremiere über alle Klippen hinweg. Mehr Erfahrung bringen Martina Speyer und Thomas Engel mit: Sie beleuchten in einer gespielten Satire, was Pizzadienst und Datenschutz miteinander zu tun haben.

Wer politische Spitzen liebt, kommt bei Michael Weimer und Marcel Rupp auf seine Kosten. Als Erdogan und Trump verkörpern die beiden Vollblutfastnachter zwei waschechte Demokraten und Frauenrechtler. Nichts ist vor ihnen sicher – vom Brexit über die Kanzlerin bis zu den Verspätungen der Deutschen Bahn. Wo eigentlich die Journalisten seien, fragt Trump. „In Sicherheit“, antwortet Erdogan, „in Hochsicherheit.“

Neben solcher Scharfzüngigkeit wirkt das SGH-Trio „Hawei“ brav. Günther Werner (Texte), Günther Feltes (Musik) und Torsten Rudolph begeistern ihr Publikum mit Lokalkolorit. Kreiselbaustellen und eine überschwemmte S-Bahn-Unterführung kommen ebenso zur Sprache wie der OFC-Fanclub „Ostkreis-Power“, der zu Udo Emge nach Hainhausen geflohen ist, „um das Elend am Bieberer Berg zu vergessen“. Mit Inbrunst besingt das Trio die Vereinsfusion: „Denn alles wird gut.“ Der Chor der SGH-Helfer legt noch eine Schippe drauf und intoniert eine neue närrische Vereinshymne.

Als Stimmungskanonen sind die „Giesemer Trottwa-Lerche“ und die Guggemusik „Druff Kapell“ dabei. Da kann keiner stillsitzen. Beim Trottwa-Lerche-Hit „Hähnchen“ (zu „Angie“ von den Rolling Stones) gibt‘s sogar die Erwachsenen-Version, wenn keine Minderjährigen im Saal sind. Gitarrist und Sänger Andreas Held schafft spielend den Spagat zwischen zärtlichem Schmusesound und fordernder Rockröhre. Im Rest der Sitzung ist „Big T“ (Thorsten Schmitz) als Einmannkapelle ein routinierter und unaufdringlicher Begleiter.

Fastnacht: Sitzung der SG Hainhausen

Ein Highlight zu später Stunde bietet Andreas Kraus aus Bieber mit seiner gereimten Büttenrede rund um die Hochzeit. Seine Mimik reizt die erste Zuschauerin schon vor dem ersten Wort zum Lachen. Witzige Reime und unverhoffte Wendungen bescheren den Gästen 20 kurzweilige Minuten. Das Männerballett schließt den Bogen zum Motto „Märchen“. Noch einmal treten Schnewittchen und die sieben Zwerge auf. Und die SGH-Sänger intonieren den Hit „Hello Again“ mit eigenem Text: „Es war so schön.“ (eh)

Quelle: op-online.de

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