JSK-Fassenacht verbindet ernste Töne mit viel bunter Urlaubsfreude

Mit „Giesem Air“ rund um die Welt

Nur Fliegen ist schöner: „Mothers on Move“ tanzen sich auf der JSK-Fastnachtsbühne effektvoll durch die halbe Welt. Fotos: Wolf
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Nur Fliegen ist schöner: „Mothers on Move“ tanzen sich auf der JSK-Fastnachtsbühne effektvoll durch die halbe Welt. Fotos: Wolf

Jügesheim - Ab in den Urlaub: Wenn die Fluglinie „Giesem Air“ über dem Globus kreist und der ICE auf der Rodgaustrecke hinter der verspäteten S-Bahn herzockelt, hält es die Fassenachter des JSK nicht mehr auf den Sitzen. In der Galasitzung vom Samstag entladen sich die Beifallsstürme in sechs Raketen.

Wohin soll es in Urlaub gehen? Den Streit ums passende Urlaubsziel lösen die Gugisheimer auf unkonventionelle Weise.

Nach dem elften Schlag der Schiffsglocke geben die jungen „Drumboys“ noch vor dem geschlossenen Vorhang im Bananenboot singend die Devise aus: „Helau – Tag bricht an und wir geh‘n net haam.“ Das ist der Auftakt zu einer fünfstündigen Kreuzfahrt durch die halbe Welt, vorbei an den Klippen des Zeitgeschehens zu den Inseln des Vergnügens – und dabei nie in Gefahr, mit allzu seichten Gags auf Grund zu laufen.

Als Parodisten überzeugen die Kehlewetzer des AGV Sängerkranz auf Kreuzfahrt mit Udo Lindenberg. Die Giesemer Sing-Sang-Mädels lassen sich von der Aussicht auf vier Tage Mallorca-Party beflügeln. Auch die Tanzgruppen zelebrieren das Motto: „Malle, Kreuzfahrt, Sansibar, Urlaub mit der Narrenschar.“

Bei aller Fröhlichkeit darf der Ernst des Lebens nicht fehlen. Als Gugi spricht Philipp Jansen den Menschen ins Gewissen, wendet sich gegen Materialismus und eine Das-Boot-ist-voll-Mentalität. Auch das Prinzenpaar schlägt ernste Töne an. Sabrina II. und Sebastian II. sammeln Spenden für Bäume im Stadtgebiet.

Als Till hält Stefan Schmidt zum letzten Mal den Leuten den Spiegel vor. Der designierte Sitzungspräsident macht sich auch über gewisse Büttenreden lustig: „Der Inhalt ist egal – Hauptsache Reim.“ Satire, Ironie und tiefere Bedeutung bringen drei Bienen auf die Bühne. Sie balancieren auf dem Grat zwischen geschlechtsneutraler Sprache und Gender-Unsinn.

Als närrischer Nachrichtensprecher bringt Soenke Herzog das politische Geschehen auf den Punkt. Mit der Präzision eines Zahnarztes trifft er den Nerv. Da ist kein Wort zu viel. Kostprobe: Was ist der Lieblingsmonat von AKK? Ende Merz. Die erste Rakete des Abends ist sein verdienter Lohn. Wer hören will, was Bandenwerbung mit Kriminalität zu tun hat, sollte die zweite Sitzung besuchen. Ein paar Karten gibt es noch.

En Haufe Leut‘ nehmen in gewohnter Manier das örtliche Geschehen aufs Korn. Mit vielen Märchenzitaten erzählen sie von Fürst Jürgen aus der Wasserburg an der Hintergasse, der gern König wäre und dazu mehr Untertanen braucht. „4 000 Menschen, zusammengepfercht auf engstem Raum“, jubelt der Hofmarschall angesichts der Aussicht auf ein Wohngebiet Rodgau-West. Auch andere Auswüchse des Zuzugs bekommen ihr Fett weg. Bürgermeister Jürgen Hoffmann sitzt in der ersten Reihe und amüsiert sich prächtig.

Mit einfallsreichen Tänzen können die JSK-Fassenachter ebenfalls punkten. Allen voran die Prinzengarde: temperamentvoll, zackig, mit akrobatischen Elementen. „Mothers on Move“ wirbeln als Stewardessen über die Bühne: Ein Hut, ein Fächer und ein paar typische Bewegungen reichen, um die Zuschauer in ferne Städte und Länder zu entführen. Ein göttliches Spektakel vollführt die Gruppe „Cupiditas“ als griechische Statuen, die nachts im Park erwachen.

Als Gardetanz-Solistin begeistert die zweifache Europameisterin Nina Zoranovic mit akrobatischer Beweglichkeit und einem Ausdruck, als sei das alles spielend leicht. Die nächste Generation steht bereit: Erstmals solo auf der großen Bühne tanzt die ehemalige Jugendprinzession Amina Dorschner, die bereits sportliche Erfolge feierte.

Die Gruppe „Taktlos“ ist wie immer weit mehr als ein klassisches Männerballett: sportlich, frisch, ideenreich. Die jungen Männer zeigen, wie sich smarte Businessleute in eine Affenhorde verwandeln. Sieht so die Zukunft der Menschheit aus? Die letzte Shownummer vor dem Finale gehört den „Marionetten“ als Meerjungfrauen.

Feste Größen im närrischen Reiseprogramm sind die Bordkapelle „Zweiklang“, das Orchester „Prost“ mit Prinz Sebastian an der Trompete, zu später Stunde noch Büttenredner Andreas Kraus aus Bieber und die Giesemer Streuner mit Stimmungsliedern zum Mitsingen.  

Quelle: op-online.de

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