Sportstunde für die Lachmuskeln

Kalauer-Kaskaden und geschliffener Politiker-Spott in Dudenhofen

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Eine Klasse für sich: Die „Laternchesänger“ begeisterten einmal mehr mit Gesang und Parodie. 

Dudenhofen - Karl-Heinz Kühnle hat es überstanden, über fünf Stunden durchgehalten und nur dann mit den Füßen gescharrt, wenn der ganze Saal mit ihm in Bewegung war. Das kam häufig vor bei der 33. „Närrisch Singstunn“.

Männerchor und Musikverein hatten die Sitzung am Samstag im Bürgerhaus Dudenhofen in Szene gesetzt - zum ersten Mal ohne Moderator Kühnle, dafür aber mit Donald Trump auf einem Steckenpferd und der wohl kompaktesten Sportskanone, die „Durrehowe“ je sah. Diese Rolle hatte sich Bütten-Ass Ralf Knöpp auf den gewichtigen Leib geschrieben, sich heroisch in den Kampf gegen überflüssige Pfunde – nein, Zentner – gestürzt und beim Wandern mit Kumpel Schorsch auch Zeit zum Grübeln gefunden: Was essen Kannibalen, die abnehmen wollen? Liliputaner? Bedeutet Null-Diät, dass nach null Uhr nichts mehr gegessen werden darf und hilft es, sich den Film vom großen Fressen in Zeitlupe anzusehen? Erwünschte Nebenwirkungen hat die orthopädische Sanierung: „Mit neuer Hüfte, neuem Knie kannst du saufen wie noch nie.“

Mit seinem umjubelten Fitnessprogramm stand der kurze Kalauer-König in der Publikumsgunst auf Augenhöhe neben dem langen Zoten-Fürsten Charly Engert. Seit 65 Jahren macht „de Bodo“ Fassenacht, wie er der aufgekratzten Narrenschar zu später Stunde verriet. Auch Irene Resch gehört bei der Sänger- und Musikerfastnacht längst zum Inventar. Als ehrgeiziges Tanzmariechen verdiente sie sich eine der zahllosen Fastnachtsraketen. Die Lacher auf ihrer Seite hatte auch Bettina Klein - bei ihrem skurrilen Reisebericht ebenso wie in ihrer neuen Rolle als Moderatorin gemeinsam mit Stefan Gröpl. Unterwegs gewesen waren auch zehn Damen vom Frauenchor, die ihr Ausflug nach Seligenstadt gefährlich nahe an die bayerische Grenze geführt hatte.

Atemberaubende Artistik und perfekte Choreografie - der Markenkern der „Street Life Dancers“ aus Ober-Roden.

Einen Protokoller haben die „Durrehewer“ noch nie gebraucht - es gibt ja die Laternchesänger, die heuer eine ganze Serie von Steilvorlagen in Treffer umsetzten. Von Dirigent Hans-Kaspar Scharf glänzend abgestimmt und in teils brillanten Soloeinlagen steckte der Big Boss im Weißen Haus ebenso seinen Teil vom Narrenspott ein wie „Horsti“ Seehofer mit seiner Pkw-Maut („Oh wie kleinkariert, wir sind angeschmiert“), die „Brüsseler Spitze“ Martin Schulz und die Rodgauer Kommunalpolitiker mit ihren Schattenspielchen im Stadtparlament. Loblieder hatten sich nur die Eintracht und das Heimatland Hessen verdient.

Mit geschliffenem A-cappella-Gesang hatten die „Söhne Rodgaus“ die Messlatte hoch gelegt; diesmal waren sie als liebeskranke Bösewichter aus Märchen, Comic und Kino unterwegs. Eher um den Wiedererkennungswert und den Mitmacheffekt ging es später Rainer Fenchel, dessen Musikverein das Auditorium immer wieder mit Stimmungshits von den Stühlen riss. Unterstützt von der Formation „Cantiamo“ nahm der Dirigent kurzerhand den Saal unter die Fuchtel, ließ die Narren „Schwabbeldabbel“ und „Eukalyptusbonbon“ singen und textete frei nach Drafi Deutscher: „Weine nicht, wenn dein Bier umfällt - es gibt einen, der neu bestellt.“

Bilder: Närrisch‘ Singstund‘ in Dudenhofen

Für die Leibesübungen haben die Sänger und Musiker starke Verbündete, vorneweg „Street Life Dancers“: Die Mädels der TG Ober-Roden zeigten eine atemberaubende Show voller Tempo und Artistik und perfekter Choreografie. Die „Marionetten“ des JSK verbreiteten Oktoberfestlaune, die Tänzerinnen des RCC Knallkepp zogen die Boxhandschuhe an und zeigten sich auch als Cheerleader gut in Form. Da müssen sich die echten Sportler ranhalten - kein Problem für die Truppe des TAV Eppertshausen: Als Stammgäste der „Narrisch Singstunn“ legten die Mannen mit ihrer Turnshow bisweilen waghalsiges Tempo vor. Ruhiger angehen ließ es das Männerballett - aber dank der Crew aus dem Seniorenheim wussten beim Finale alle, dass der Rollator auch fürs Tänzchen taugt. (rdk)

Quelle: op-online.de

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