Schunkelrunde im Gotteshaus

Orgelfastnacht feiert gelungene Premiere

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Eine prinzliche Schunkelrunde in der vollen Kirche ist selbst in der Narrenhochburg Giesem eine Seltenheit. Die erste Rodgauer Orgelfastnacht am Samstag machte sie möglich.

Jügesheim - Was hat die St.  Nikolaus-Kirche nicht schon alles gesehen: ein Brautpaar, das auf einer Harley Davidson zum Altar rollte, frühere Zivis, die im Kindergottesdienst dicke Äste zersägten, und, und, und... Auch die Fastnacht hat hier Tradition.

Pfarrer Wendelin Meissner schmetterte schon Mitte der siebziger Jahre hunderten kleinen Narren „Giesem Helau!“ zu - zum Entsetzen manches Amtsbruders. Kein Wunder also, dass das Jügesheimer Gotteshaus am Samstag Schauplatz der ersten Rodgauer Orgelfastnacht war. Der JSK Rodgau, der Musikverein Nieder-Roden und die St. Nikolaus-Gemeinde hatten die Premiere organisiert. Auf den Bänken gab’s so gut wie keine freien Plätze mehr. Ganz vorne saßen Prinzenpaar und Kinderprinzenpaar, Elferräte im vollen Ornat besetzten ganze Bankreihen, und viele Kirchgänger trugen Schals in den Narrenfarben Rot, Gelb, Weiß und Blau.

Auf der Empore zog Organist Michael Schultheis alle Register seines Könnens.

„Das Helau gehört in die Kirche wie das Amen“, erläuterte Sitzungspräsident Peter Otto die nur auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung aus Narretei und Glauben. Das Kirchen-Gelb finde sich in den Fastnachtsfarben wieder, und ohne Fastnacht gebe es keine Fastenzeit, die das wichtigste Fest der Christenheit vorbereite. Moderator Jürgen K. Groh, der Dirigent des Musikvereins Nieder-Roden, trug zur Feier des Tages eine Elferrats-Kappe und würzte seine fundierten Erklärungen zu den Musikstücken mit Kalauern.

Als Organist Michael Schultheis, das Holzbläserquintett „Windkraft 4+1“ und das Blechbläserensemble „wonder brass“ den Narhalla-Marsch anstimmten, dauerte es höchstens ein paar Sekunden, bis das Publikum den Rhythmus aufgriff und klatschte, als wäre es in einer Giesemer Turnhalle. Im Lauf der nächsten eineinhalb Stunden donnerten auch die wahrscheinlich ersten „Raketen“ aus Klatschen, Pfeifen und Stampfen durch die Kirche. Der Karnevalsklassiker „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ bescherte im Zusammenspiel von Holz- und Blechblasinstrumenten und Orgel den Kirchgängern ebenso Gänsehaut wie das „Großer Gott, wir loben Dich“, das eine mehr als gelungene Premiere abschloss.

Erste Rodgauer Orgelfastnacht: Fotos

Ihren Teil dazu beigetragen hatten außer Michael Schultheis, Jürgen K. Groh und Peter Otto Renate Ding (Flöte), Sigrid Stemmer (Oboe), Britta Sauer (Klarinette), Angela Groh (Fagott), Miriam Brandstädter (Horn), Christian Weiland und Helmut Wallner (Trompete), Veronika Löbig (Horn), Thomas A. Krause und Volker Laumann (Posaune, Euphonium) und Stefan Rebmann (Tuba). „Dass es so schön wird, hätte ich nie gedacht“, sagte Walter Bonifer, der Chef des früheren TGS-Musikzugs, beim Verlassen der Kirche und erntete viel Zustimmung. (lö)

Quelle: op-online.de

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