Gelungener Staplellauf

Die Puppenkiste aufgemacht

Die Sportfreunde ließen die Puppen tanzen. Statt einer Schatztruhe machten Piraten der Sportfreunde Rodgau die Puppenkiste auf. Unter anderem gab’s ein Wiedersehen mit alten Bekannten und eine skurrile Märchenstunde. Fotos: Karin Klemt
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Die Sportfreunde ließen die Puppen tanzen. Statt einer Schatztruhe machten Piraten der Sportfreunde Rodgau die Puppenkiste auf. Unter anderem gab’s ein Wiedersehen mit alten Bekannten und eine skurrile Märchenstunde.

Piraten der Sportfreunde Rodgau segeln vom Weiskircher Nord- zum Nieder-Röder Südkap. Und feuern volle Breitseiten gegen Großstadt-Phantasien.

Hainhausen – Großstadt werden – wer will das eigentlich? Freibeuter brauchen die Weite, einen freien Horizont und einen Kapitän, der beides zu nutzen weiß. So stimmten bei den Piraten von den Rodgauer Sportfreuenden am Samstag alle Voraussetzungen für einen gelungenen Stapellauf.

Großstadt zu werden droht der Heimathafen, wenn es mit neuen Baugebieten, klotziger Nachverdichtung vom Weiskircher Nordkap bis zum Nieder-Röder Südpol so weiter geht. Kapitän Rudi Ott, für die närrische Rundumschau in den Ausguck geklettert, gibt sich da keinen Illusionen hin. Das Grausen packt den Käpt’n beim Blick über den Wald: Statt grünem Meer vielfach nur noch Tristesse – und dann auch noch die Landratten, die trotz Verboten in der Trümmerlandschaft Kopf und Kragen riskieren. Selbst sturmerprobten Korsaren geht solcher Leichtsinn zu weit.

Dickes Lob für die „Rodgauer Vielfaltserklärung“

Zu allem Überfluss spielt auch noch der Kompass verrückt, wenn niemand genau sagen kann, was nun alles zu Rodgau Nord, West oder Süd gehört - je nachdem, ob man die Feuerwehr ruft, zum Fußballplatz will oder Bauplätze sucht. Ihren inneren Kompass scheinen die örtlichen Seefahrer im Griff zu haben: Für die „Rodgauer Vielfaltserklärung“ gab es ein dickes Lob von der Brücke und donnernden Beifall aus dem Saal.

Auch in der Narrhalla durften sich die über 100 Akteure von wohligen Wellen des Gemeinschaftsgefühls getragen fühlen: Vom ersten bis zum letzten der 17 Programmpunkte zog das Auditorium prima mit, sparte weder an Beifall noch an Fastnachtsraketen oder spontanen „Uiuiui“-Chören – gerne begleitet vom hellwachen „Kurorchester“, neben den Guggemusikern von der Druffkapell und den Disharmonikern für die Geräuschkulisse zuständig. Neben Veteranen wie Rudi Ott, Bütten-As Frank Eser, Frank Hochhaus, Max Eser und dem Läster-Duo Michael Weimer und Marcel Rupp tat das ebenso gut Selina Beaver. Dank der Pointen-Dichterin weiß nun jeder, ob das Kokosöl sich im Vollbart oder in der Pfanne besser macht, warum manchmal die Frau den Bauern sucht statt umgekehrt und was einem blüht, wenn man statt im Aldi im Bio-Laden landet.

Nicht auf den Weltmeeren, vielmehr am S-Bahnhof Offenbach Ost blies Leon Brehler, Max Eser, Lars Mattes, Pelle Rauch und Moritz Schlaich der Wind ins Gesicht. Als „Sixpack“ immerhin wieder zu fünft, bot sich „Fridays for Freibier“ als Pausenfüller an – da wo die Omis als Grannys for Future vom Kaffeekranz zum Klassenkampf finden. Verwundert sieht’s die AfD, die mit ihrer Doppelspitze ein Problem bekommen wird: Wie sieht das denn aus, wenn man zwei Führer gleichzeitig grüßt?

Rodgau: Piraten lassen die Puppen tanzen

Ansonsten ließen die Piraten mottogerecht die Puppen tanzen. Vom Eröffnungsulk mit Urmel, Mama Wutz und anderen alten Bekannten aus der Puppenkiste gab es eine direkte Verbindung zur Kokolores-Kompanie und ihrer mehr als skurrilen Märchenstunde, wo der schwule Hänsel die entnervte Hexe zum Wahnsinn treibt und aus dem Frosch kein Prinz, sondern ein heulender Weinkönig wird. Wirklich tanzen können bei den Sportfreunden die vereinseigene Garde, die Show-Formation „TanzBar“ und die „Flotte Tanzflotte“, die erfolgsverwöhnten Männer von „Taktlos“ mit einer lautstark bejubelten Choreographie degenerierender Anzugträger und Solistin Malou Contzen mit ihrem gefeierten Fastnachts-Debüt.  zrk

Quelle: op-online.de

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