Rathaussturm in Giesem

Kasse kampflos an Narren ausgeliefert

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Die Narren übernehmen bis Aschermittwoch mit ihrem kompletten Hofstaat die Macht im Rodgauer Rathaus: Beim Sturm auf den Verwaltungsbau im Herzen Jügesheims ging es mit der Konfettikanone richtig zur Sache.  

Jügesheim - Kaum besser hätten es die Narren beim Rathaussturm in Rodgau treffen können: Bei schönstem Sonnenschein übernehmen sie in Giesem die Macht. Mit der Konfettikanone verschaffen sich die Gugisheimer Zutritt zum Verwaltungsbau und sichern sich die Stadtkasse. Von Simone Weil 

Schon zeitig ist der Platz an der Kirche gut gefüllt: Die Trottwa-Lersche singen und sorgen für beste Stimmung. Die gute Laune haben fast alle Besucher bereits im Gepäck. Denn der Wettergott meint es gut mit den Narren und hat schönsten Sonnenschein und annehmbare Temperaturen bereitet. Deswegen kann eigentlich fast nichts schief gehen am Fastnachtssamstag.

Vorm Rathaus sammelt sich das närrische Volk, um die Amtsgeschäfte aus den Händen des Stadtchefs zu reißen und die Macht an sich zu nehmen. Um der Forderung nach der Übergabe der Stadtkasse mehr Nachdruck zu verleihen, ist die gefürchtete Konfettikanone vor dem Verwaltungsbau bereits in Stellung gebracht worden: Die Narren kennen keine Gnade.

Doch zunächst wird noch gesungen, geklatscht, geschunkelt, getanzt, gegessen und getrunken. Lustig machen sich die Sänger auf der Bühne über Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Ersten Stadtrat Michael Schüßler, die als Bauarbeiter verkleidet in der Menge unterwegs sind: „Wenigstens zwei von der Stadt, die was schaffe.“

Bilder: Rathaussturm in Jügesheim

Allerlei originell kostümierte Bürger haben sich eingefunden, vorzugsweise in kleinen Grüppchen. Zu den schönsten Verkleidungen gehört eine liebevoll ausstaffierte Pizza samt Lieferkarton als Kopfbedeckung. Bunte Papageien, Blumenkind, Cowboy, Indianer, Zombie, König und Schneewittchen tummeln sich in der Menge. Wer es nicht zu einer kompletten Verkleidung gebracht hat, hat sich immerhin ein Hütchen mit Blümchen oder Schleier geschmückt oder auch eine komische Perücke aufs Haar gesetzt.

Kleine Kinder wuseln als Frosch, Schmetterling, Ritter und Bienchen herum oder verfolgen das bunte Treiben aufmerksam aus dem Kinderwagen oder dem Buggy. Erstaunlicherweise verschlafen auch manche von ihnen das Spektakel. Die Eltern freuen sich unterdessen über Bekannte und Verwandte, die zum Treffpunkt an der Kirche gekommen sind.

Als schließlich der närrische Hofstaat einmarschiert und sich auf der Bühne schon mal in Stellung bringt, wird es ernst: Sarah I. und Andreas I. grüßen das Volk und drohen der Stadtverwaltung an, die Amtgeschäfte zu übernehmen. Sigi Balz und Peter Otto lästern derweil über aktuelle Ereignisse: Ob der Bahnhof in Giesem wohl zum Hauptbahnhof wird, wenn die Kommune weiter wächst, überlegen sie etwa.

Die Hoheiten machen gute Miene zum bösen Spiel: Mit der Kasse ist kein Staat zu machen. Deswegen gibt Bürgermeister Jürgen Hoffmann (rechts) sie auch fast kampflos her.

Doch dann ziehen alle Narren vor die Rathaustür: Die Gugisheimer zünden schließlich die Kanone, das Konfetti fliegt nur so durch die Gegend und Gugi Phillipp Jansen stürmt als erster Eindringling das Rathaus. Im Büro des Bürgermeisters wird es ganz schön eng: Denn große Teile des Hofstaats sind im Raum mit von der Partie – im schmalen Treppenhaus geht es deswegen unterdessen weder vor noch zurück.

In der Stadtkasse ist wirklich nicht viel Geld – wohl deswegen gibt der Bürgermeister sie auch kampflos her. Zum Trost bekommt die Prinzessin aber noch einen Blumenstrauß und auch ein Küsschen. Für die, die unten vorm Balkon des Stadtchefs stehen, hagelt es immerhin ein paar Süßigkeiten. Draußen wird weiter getanzt, gesungen und getrunken. Alle hoffen auf ebenso prachtvolles Wetter, wenn der närrische Lindwurm am morgigen Dienstag durch Giesems Straßen zieht.

Quelle: op-online.de

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