Schiller in WhatsApp-Länge

Akteure der Narrisch Singstunn bringen die Sache auf den Punkt

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Dieses Paar schenkt sich auch zum 30. Hochzeitstag nichts: Elli und Jupp - Rainer Machtans und Gerald Klein.

Ja lieben die Dudenhöfer Fastnachter plötzlich ihre Jügesheimer Nachbarn? 6x11 Minuten dauerte es, bis Elli und Jupp, Rainer Machtans und Gerald Klein, bei der Narrisch Singstunn den ersten Giesemer-Witz abfeuerten. Da ist man in Rodgau-Mitte bekanntlich weniger zartfühlend.          

Dudenhofen –  Was vor 37 Jahren mit einer Mark Eintritt gleich nach der Probe des Männerchors im kleinen Kreis seinen Anfang nahm, ist ein Gemeinschaftswerk von Männerchor, Frauenchor und Musikverein und füllt längst das Bürgerhaus. Das abendfüllende Programm bestreiten sie mit einer Mischung aus eigenen Akteuren und Gästen.

„Tinyloose“ vom JSK machte die Narrisch Singstunn gleich zum Start zur umjubelten Tanzstunde. Die Rot-Weiß-Garde der TG Nieder-Roden, die süßen „Candys“ vom TSV Dudenhofen, die „Twisters“ des RCC Knallkepp und zum Finale die Cowboys vom Männerballett des Männerchors taten"s ihnen gleich.

Der Eppertshäuser Messdiener Collin Murmann hatte Friedrich Schillers Gedicht von der „Glocke“ WhatsApp-fähig gemacht: „Loch in Erde, Bronze rin. Glocke fertig. Ding, ding, ding“. Schon sein Vater Lothar war Stammgast der Narrisch Singstunn gewesen. Und ebenfalls aus der klerikalen Abteilung las Mönch Ralf Knöpp dem Publikum die Leviten.

Wie er kamen auch Elli und Jupp aus dem Ort. Rainer Machtans ist der Vorsitzende des Skatclubs, Gerald Klein der des AGV Volkschors Dudenhofen. Das Paar schenkte sich nichts zum Hochzeitstag, sondern schenkte einander gegenseitig kräftig ein. Er lobte ihre „Idealmaße von 90-60-90. Das andere Bein ist genauso!“ Und ihre Antworten hatten die „Uiuiuis“, die Mathias Müller und das Orchester des Musikvereins intonierten, redlich verdient.

Sie sind das Herz und die scharfe Zunge der Dudenhöfer Fastnacht: die „Laternche“-Sänger vom Männerchor.

Viel Gebembel kündigten die Moderatoren Bettina Klein und Stefan Gröpl für die von Renate Albin gecoachten Frauenchor-Fastnachterinnen an. Doch die schwangen keine Apfelweinkrüge, sondern ließen an Hand, Fuß und Hut die Schellen klingen; ein Almabtrieb war angesagt.

Die „Laternche“-Sänger sind mehr als Aushängeschild und Herzstück der Dudenhöfer Fastnacht. Die 20 Männer und ihr Dirigent Hans-Kaspar Scharf sind auch deren scharfe Zunge. Sie besangen am Samstagabend Greta Thunbergs „Fridays for Future“ – und sie taten"s ohne die alterstypische Bagatellisierung. Auf „CO zwei“ reimt sich bei den Dudenhöfern „ein jeder von uns trägt was dazu bei“. Freddy Quinns „Brennend heißer Wüstensand“ machte Angst vorm nächsten Sommer.

Aber das „Laternche“-Publikum durfte auch aus vollem Halse lachen. Zum Beispiel über die Verspätungen auf der S 1: „Das ist doch normal, Fahrgast halt"s Maul und zahl!“ Den Namen von Bundesverkehrsminister Scheuer hätten die Sänger angesichts der verlorenen Maut-Millionen vorne gern um ein „be“ und hinten um ein „t“ ergänzt. Fastnacht darf wehtun – die „Laternchen“ zelebrieren das gekonnt.

Ihr musikalischer Leiter Scharf hatte später mit dem „Cantiamo“-Chor einen weiteren Auftritt.

Mächtig Stimmung machte einmal mehr die „Druffkapell“-Guggemusik von den Rodgauer Sportfreunden aus Giesem. Dort gibt mit Silke Seum eine gebürtige Dudenhöferin den Takt an.

Bevor Sandra Dauth ihre Cowboys zum finalen Tanz auf die Bühne reiten ließ, zog Charly Engert eine frivole Travestie-Show als „Madame Gigi“ aus Paris ab.

 VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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