Kirchturm ist das stille Örtchen

Elferwagen mit markantem Detail

Wolfgang Fisch, Jurema Schmidt und Kollegen haben viel Arbeit in den Wagen gesteckt.
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Wolfgang Fisch, Jurema Schmidt und Kollegen haben viel Arbeit in den Wagen gesteckt.

Von den zehn Motivwagen beim Umzug nächsten Dienstag gehen gleich vier auf die Narrenkappe des Jügesheimer Sport- und Kulturvereins JSK. Unter den rollenden Hinguckern ist unter anderem ein neuer Wagen für den JSK-Elferrat der Erwachsenen.

Rodgau – In wochenlanger Arbeit ist er entstanden unter Regie von Wolfgang Fisch und seinem Team vom Bauausschuss und – vor allem – unter der fantasievollen Mithilfe der Hofmalerin Jurema Schmidt.

Der neu gestaltete Elferwagen baut auf einem alten Fahrgestell auf. Es diente schon den Elferräten des einst selbstständigen Vereins TGM als Narrenkutsche. Die Stahlbaufirma der Familie Grimm, der schon mehrere Prinzessinnen entwachsen sind, hat den Unterbau den Auflagen des TÜV folgend saniert. Der Einstieg rückte nach hinten. Eine stählerne Treppe erleichtert jetzt den Aufstieg auf die Plattform. Die ist gedeckt mit Holzplatten, die in den Fastnachtsfarben Blau, Weiß, Rot und Gelb gestrichen sind. Als die Farbe noch frisch war, haben Wolfgang Fisch & Co. aus Sicherheitsgründen Quarzsand darauf gestreut. „Jetzt ist das Ganze schön rutschsicher“, beschreibt Fisch den erwünschten Effekt.

Die Gestaltung der Seitenteile lag in den Händen von Jurema Schmidt. Die Flächen aus Holz wurden zunächst tapeziert, dann kamen Ideen und viel wasserfeste Acrylfarbe ins Spiel. „Ich habe die Elferräte gebeten, mir ihre Lieblingsmotive aus Rodgau zu nennen. Die habe ich auf den Seitenteilen verewigt“, erläutert Jurema Schmidt.

Die promovierte Chemikerin, die bei JSK aus Spaß an der Freud’ auch das Bühnenbild malt, in der Maske tätig ist und den Prinzenpaarthron gestaltet, scheute keine Mühen, um ihr Werk zu vollenden. Egal wie kalt es war: Von Oktober bis Weihnachten verbrachte sie jedes Wochenende zig Stunden damit, den Motivwagen in einer Maschinenhalle zum Motivwagen zu machen.

Die Besucher des närrischen Lindwurms werden – umgeben von einer schönen Landschaft aus etwa 100 Bäumen – die Dudenhöfer Schäfergruppe entdecken, den Gugibrunnen, die Kirchen, das Standesamt, die Kronen Lichtspiele, das Haus der Begegnung, die beiden JSK-Turnhallen und noch viel mehr. „Alles querbeet und nicht nach Stadtteilen sortiert“, sagt die 31-Jährige.

Sofern’s pressiert, ist hier Erleichterung möglich.

Alle Projektbeteiligten sind dankbar, dass sie im Trockenen arbeiten konnten. Der Wagen entstand in der Halle der Familie Bonifer im Jügesheimer Feld. „Und zwei Heizstrahler mit Gas hatten wir ja auch“, erzählt Wolfgang Fisch grinsend. Ganz vorn strahlen zwei Jockel die Besucher an. Sie sind eine Hommage an den jüngst verstorbenen früheren JSK-Hofmaler Peter Perl – stammen sie doch noch von ihm.

Das Ende des Elferwagens dominieren – je auf Höhe der Rücklichter rechts und links – Abbildungen des Jügesheimer Wasserturms und des Turms der Kirche St. Nikolaus. Auch sie sind – wie die anderen Motive – detailgenau gelungen. So findet man am Wasserturm die prägnanten Drachen. Überdies haben die Männer vom JSK-Bautrupp bei den Türmen sogar ans Praktische gedacht. Sofern einen Elferrat während des Umzugs ein dringendes Bedürfnis drückt, findet er im Kirchturm Erleichterung. Dort steht ein improvisiertes Urinal.

VON BERNHARD PELKA

Quelle: op-online.de

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