Keine teure TÜV-Prüfung der Motivwagen

Der Umzug kann rollen

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Rodgau - Die Wagenbauer kommen in dieser Kampagne noch einmal um eine penible und teure TÜV-Prüfung ihrer Motivwagen herum. Das Ordnungsamt stimmte in einer Sitzung mit etwa 50 Vereinsvertretern einer Sichtprüfung durch den Kfz-Sachverständigen Joachim Riedel vom TÜV Nord zu.

Der Experte nimmt die Wagen kurz vorm Zug-Start am 4. März ehrenamtlich in Augenschein. Die „Zweite Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften“ von 1989 und ein dazugehörendes Merkblatt des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2000 regeln, welche Sicherheitsstandards Motivwagen erfüllen müssen. Bei der Sitzung der Vereine wurde deutlich, dass die Jügesheimer IGEMO als Veranstalter des Zugs diese Vorschriften den Teilnehmern Jahr für Jahr mit der Einladung zum Zug zusendet.

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Theoretisch müsste also seit Jahren bekannt sein, welche Auflagen bestehen. Richtig ernst macht der TÜV allerdings erst dieses Jahr. Im April 2013 hatte das Ordnungsamt mit dem IGEMO-Vorstand deshalb vorab ein Gespräch. Während des Treffens bei der TG Weiskirchen am Donnerstagabend räumte IGEMO-Chefin Melanie Meyer-Marbach ein, danach nicht genug Druck bei den Wagenbauern gemacht zu haben. „Ich habe das verdrängt.“

Für den städtischen Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung sagte die Leiterin Simone Lapointe, die Zeit für eine ordentliche TÜV-Abnahme sei inzwischen wohl zu knapp. Überdies habe der TÜV wegen des Andrangs von Fastnachtsvereinen so gut wie keine Termine mehr frei. Die Fachdienstleiterin stellte fest, dass die Sicherheitsvorschriften für Motivwagen allen Teilnehmern seit Jahren bekannt sein müssten. Diesmal werde das Ordnungsamt die Sache trotzdem „noch einmal so laufen lassen“. Das quittierte die Runde im Saal mit Applaus. Fahrzeuge mit gravierenden Mängeln kämen freilich nicht zum Zug.

Joachim Riedel ist nicht nur TÜV-Prüfer, sondern auch Vorsitzender des 1. Frankfurter Theater- und Karneval-Clubs. Er kennt also beide Seiten. Der Fachmann bot an, die Wagenbauer kostenlos während der Bauzeit zu begleiten, um grobe Sicherheitsverstöße zu verhindern. Überdies wird Riedel am Morgen des Fastnachtszugs die Wagen in der Weiskircher Straße bei der Aufstellung abschließend begutachten - ebenfalls kostenlos. In der nächsten Kampagne kommen dann allerdings 100 bis 600 Euro Prüfkosten pro Wagen auf die Fastnachter zu - immer abhängig vom Aufwand. Die Prüfung ist zwei Jahre gültig.

Während der Diskussion stießen sich manche an der Spitzfindigkeit einiger Vorgaben. Andere fürchteten, der Paragrafendschungel werde das närrische Engagement zuwuchern und ersticken. Aber alle waren einig: „Jammern hilft nicht.“ 

bp

Quelle: op-online.de

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