Interview mit dem Nachhilfe-Experten Oliver Schneider / Ziel ist ein motivierter Schüler, bessere Noten sind ein Nebeneffekt

Fehler sind wichtig für ein besseres Verständnis

Oliver Schneider setzt darauf, den Druck abzubauen und bei Schülern wieder Freude am Lernen zu wecken. (c)Foto: Weil

Rodgau J  Oliver Schneider hat sich seit zwölf Jahren auf Nachhilfe- und Förderunterricht spezialisiert. Seine „Logo“-Schulen betreibt er in Offenbacher-Bieber und in Jügesheim. Redakteurin Simone Weil sprach mit ihm über die Lernhilfe.

Gibt es wirklich noch große Angst vorm Zeugnis bei den Schülern, die in Ihrer Nachhilfeeinrichtung landen?

Die Angst zu versagen oder versagt zu haben, ist oftmals schon vor dem Zeugnis ein stetiger Begleiter der Schüler. Unsere Schüler brauchen keine Angst vor dem Zeugnis zu haben, da wir mit ihnen und den Eltern über ihre Situation bereits im Vorfeld sprechen. Das Verhalten eines Schülers in der Schule, beim Erledigen der Hausaufgaben und während der Prüfungsvorbereitungen bestimmt letztlich seine Zeugnisnoten. Diesen Prozess begleiten wir und entwickeln mit jedem Schüler individuell sein Konzept für eine erfolgreiche und sorgenfreie Schulzeit. Allgemein sollte den Schülern und Eltern schon vor der Vergabe bekannt sein, wie das Zeugnis aussehen wird, durch Notenbesprechungen in der Schule, Mahnungen des Lehrers zur Gefährdung der Versetzung oder das Eltern-Lehrer-Gespräch.

Der vordere Raum Ihrer Schule ist von allen Seiten einsehbar: Die Schüler lernen wie auf dem Präsentierteller. Ist das den Kindern und Jugendlichen nicht peinlich, wenn Mitschüler sehen, dass sie Nachhilfe nutzen?

Der „grüne Salon“ ist mein persönlicher Lieblingsraum. Kommt ein Schüler das erste Mal zu Logo, wählt er selten diesen Raum. Gesehen werden wie man Fehler macht oder etwas nicht kann, ist ihnen peinlich, ähnlich der Situation in der Schule an Tafel. Wählt der Schüler dennoch diesen Raum, ist es sehr interessant auf welchen Platz er sich setzt. Der Blick aus dem Fenster oder der Rücken zum Fenster geben Hinweise oder sind Übungen für das Selbstbewusstsein oder die Konzentrationsfähigkeit. Ist der Schüler schon einige Zeit bei uns, denkt er gar nicht mehr darüber nach, in welchen Raum er geht. Mit der Verbesserung der schulischen Leistungen steigt das Selbstbewusstsein, man will zeigen was man kann und denkt nicht mehr daran, ob man beobachtet wird. Fehler sind etwas ganz Normales und wichtige Schritte für ein besseres Verständnis. Plötzlich darf jeder sehen wie und wo man sich verbessert.

Was erwarten die Eltern von dem Zusatzunterricht?

Die meisten Eltern äußern zunächst den Wunsch, dass es eine Verbesserung der Notensituation geben soll. Wir weisen schon im Erstgespräch darauf hin, dass unser Ziel ein motivierter Schüler ist, der Spaß in der Schule und beim Lernen hat. Die Verbesserung der Noten ist dann der logische Nebeneffekt der Einstellungs- und Verhaltensänderung. Ein weiterer Punkt ist die Vermeidung der Konfliktsituation beim häuslichen Eltern-Kind-Lernen.

Trennungskinder, Pubertät: In schwierigen Situationen bringen Schüler bestimmt keine guten Leistungen. Muss der Nachhilfelehrer mehr Psychologe und Sozialarbeiter als Wissensvermittler sein?

Diese besonderen Lebenssituationen sind für den Nachhilfelehrer sehr oft die größte Hürde, da die Aufnahmefähigkeit des Schülers stark eingeschränkt ist. Der Nachhilfelehrer ist jetzt eher als Zuhörer, Motivator und Vorbild gefragt. Gelingt die Kommunikation mit dem Schüler auf dieser vertrauensvollen Ebene, öffnet der Jugendliche sich und ist wieder bereit, Wissen an- und aufzunehmen.

Liegt es auch an den Lehrern, wenn es bei einem Schüler partout nicht klappen will mit besseren Noten?

Lassen Sie es mich mal so formulieren: Lehrer sind in der Schule temporäre Begleiter, die sich entwickeln und verändern, ebenso wie Schüler. Ist der Schüler mit seiner Note nicht zufrieden, kann er die Schuld bei seinem Lehrer suchen, aber bringt das etwas? Nur weil der Lehrer einem eine schlechte Note gibt, muss das Fach nicht gleich doof sein. Wir wecken wieder das Interesse am Fach, vermitteln die Inhalte und weisen auf den temporären Faktor hin.

Quelle: op-online.de

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