Licht- und Schattenseiten des Jubelns

Feiermeile in Jügesheim

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Weltmeister! Unbändiger Jubel auf dem Ludwig-Erhard-Platz. 250 Fußballfans hatten dort gemeinsam das Endspiel der Weltmeisterschaft angesehen.

Rodgau - 2006 - 2010 - 2014: Seit dem „Sommermärchen“ gehört ein Autokorso zu jedem Sieg der Fußball-Nationalmannschaft. Die Jügesheimer Ortsdurchfahrt hat sich als Feiermeile der ganzen Stadt etabliert. Von Ekkehard Wolf

Abpfiff! Der erste Jubel ist kaum verklungen, da stehen die ersten Fahnenschwinger am Ortseingang aus Richtung Dudenhofen. Aus dem „Pigs and Pipes“ und anderen Lokalen strömen die Gäste auf den Gehweg. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold: um den Hals, in den Händen, auf Brust und Rücken. Trötentöne und Weltmeisterrufe erfüllen die Nacht. Aus der Ferne sind die ersten Hupen zu hören.

0.15 Uhr, Eisenbahnstraße: Ein Autofenster ist zu Bruch gegangen.

Ein Ordnungspolizist steht am Geschäftshaus „Triangel“ und winkt die Autos in die Landwehrstraße hinein. Die Polizei hat die Devise ausgegeben, den Verkehr über die Nebenstraßen zu leiten. Auf der Parademeile zwischen Triangel und Kronen-Lichtspielen war es bei der Europameisterschaft 2012 zu gefährlichen Situationen gekommen, als Fans vor der Rodgau-Passage auf die Straße drängten. Nun sind die 400 Meter menschen- und autoleer und die Beamten müssen sich den Vorwurf anhören, Spaßbremsen zu sein. Laternenparker am Ostring fürchten um ihre Außenspiegel.

Waghalsige Kletterpartien auf Autodächern

Ob die Entzerrung der Verkehrsströme wirklich mehr Sicherheit bringt, wie die Polizei hofft? Wohl kaum. Die Szene verlagert sich einfach zur Triangel. Dummerweise ist dort keine gerade Straße, sondern eine unübersichtliche Kreuzung. Zehn Minuten vor Mitternacht sind schon mehr als 150 Leute dort. Schwarz-Rot-Gold ist überall. Viele rufen: „Deutschland, Deutschland.“ Auf der Straße wird es eng: Ein Linksabbieger ist eingekeilt zwischen dem Gegenverkehr und einem Rechtsüberholer. Winkende Fußballfans lehnen sich weit aus den Autos. Ein Wunder, dass nichts passiert.

Zehn Minuten später ist die Menschenmenge auf vielleicht 250 Personen angewachsen. Es gibt Sit-ins auf der Straße und waghalsige Kletterpartien auf Autodächern und Motorhauben. Der letzte 99-er Bus kommt nur zentimeterweise voran. Die Feiernden bedrängen ihn von allen Seiten. Der Fahrer muss seine Augen überall haben.

Autofenster geht zu Bruch

Böller krachen. Manche so dicht vor den Füßen, dass die Menschen beiseite springen. Bengalische Lichter landen auf der Straße, verpesten die Luft und entladen sich in einem Kanonenschlag. Manche direkt vor einem Auto. Gegen 0.15 Uhr eilen drei Polizisten im Laufschritt zur Ampel an der Eisenbahnstraße. Ein Autofenster ist zu Bruch gegangen. Keiner weiß warum. Ein Mädchen auf der Rückbank soll verletzt sein. Ein Polizeibeamter erhält einen bösen Tritt in den Rücken. Ob Zufall oder Absicht, lässt sich nicht mehr klären.

Am nächsten Morgen ist die Straße in Bahnhofsnähe mit Scherben übersät. Es ist der Tag nach der gewonnenen Fußball-WM, als die Fans aus voller Kehle sangen: „So sehen Sieger aus.“

Quelle: op-online.de

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