In den Ferien pauken

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In den Ferien büffeln: Zahlreiche Jugendliche an der Heinrich-Böll-Schule begreifen die Stützkurse als Chance, ihren Abschluss zu bestehen.

Nieder-Roden ‐ Während die meisten Schüler in den Osterferien abschalten und ausruhen, gibt es andere, die eine Woche lang freiwillig die Schulbank drücken. Im Hinterkopf haben sie ein ganz konkretes und wichtiges Ziel: das Bestehen der Hauptschul-Abschlussprüfungen im Mai. Von Astrid Spina

Und so nutzen derzeit 32 Heinrich-Böll-Schüler (HBS) der Jahrgangsstufe 9 einen Förderkurs der Städtischen Schulsozialarbeit unter Leitung von Diplom-Sozialpädagogin Bettina Schubert.

Unter dem Titel: „Kann ich nicht - gibt‘s nicht“ geht es für die Schüler darum, sich durch Wiederholung relevanter Themen sicherer zu fühlen und durch Stärkung der Persönlichkeit gelassen in die Prüfung gehen zu können. Parallel dazu hatte der HBS-Förderverein erstmals ein zusätzliches Angebot für Realschüler organisiert, um auch ihnen mit Hilfe der Lehrkräfte Stefanie Kauntz (Deutsch und Englisch) und Thomas Baumgärtner (Mathematik) eine optimale Prüfungsvorbereitung zu ermöglichen.

Oberste Regel: Es gibt keine dumme Fragen

Seit fünf Jahren leitet Bettina Schubert erfolgreich ihre Förderkurse, mit denen sie Schüler auch über die Osterferien hinaus ergänzend zum normalen Unterricht während des letzten Schuljahres unterstützt und motiviert. Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Schule und städtischer Sozialarbeit, um allen Jugendlichen die Chance auf einen gelungenen Abschluss zu ermöglichen. Werner Thomin, stellvertretender Schulleiter, ist erfreut über diese Aktion und die eindeutige Erfolgsquote: Alle Hauptschüler der letzten Jahre haben bestanden.

In den Förderseminaren, hauptsächlich der Fächer Mathematik und Englisch, lernen die Teilnehmer, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und fachlichen Kompetenzen zu nutzen. Und sie lernen, gezielte Fragen zu stellen, von denen auch die anderen profitieren.

„Die oberste Regel lautet: Es gibt keine dummen Fragen“, erklärt Bettina Schubert. „Ausgelacht wird hier niemand.“ Nähe, Vertrautheit, sich in der Gruppe angenommen fühlen. Das sind wichtige Punkte, die wesentlich dazu beitragen, dass Lernen funktioniert. „Dabei entsteht eine Gruppendynamik, die zusätzlich motiviert“, erläutert Sozialdezernent Michael Schüßler. „Die Schüler merken, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.“

Angst hemmt, blockiert und mindert die Aussicht auf Erfolg

Gelungene Beziehungsarbeit und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses sind wichtige Voraussetzung zum Gelingen des Projekts. „Nähe entwickeln, das kann auch harte Arbeit sein“, berichtet Bettina Schubert. Doch es ist erwiesen: Der Mensch lernt am besten, wenn er entspannt ist. Und: „Lernen gelingt über persönliche Beziehungen“, weiß der stellvertretende Schulleiter Werner Thomin. Wofür im regulären Schulalltag oft zu wenig Raum bleibt, nämlich stärker auf die persönlichen Belange, Wissensstände und Hintergründe des einzelnen einzugehen, dort kann Bettina Schubert ansetzen: „Ich hole die Schüler genau da ab, wo sie stehen“, sagt sie. Allein die Vorstellung einer Prüfung kann Versagensängste und Leistungsdruck auslösen, vor allem beim Schlüsselfach Mathematik. Doch Angst hemmt, blockiert und mindert die Aussicht auf Erfolg. Deshalb dienen die Seminare nicht zuletzt dazu, das Selbstvertrauen zu stärken.

„Durch Bettina habe ich viel mehr Selbstbewusstsein bekommen“, bestätigt dies die 15-jährige Züleyha und die 16-jährige Jessica ergänzt: „Am Anfang war ich sehr ängstlich und unsicher. Durch die Hilfe von Bettina wurde es immer besser.“ Auch die 14-jährige Conny, die „Mathe hasst“, konnte schließlich eine positive Einstellung zu dem Fach aufbauen. Also: viel Glück!

Quelle: op-online.de

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