Ferienakademie an der Böll-Schule

Wenn Zuckermoleküle hüpfen

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Draußen scheint die Sonne, doch drinnen locken spannende Versuche. Außerdem werden Badekugeln, Seifen und Ketchup selbst gemacht. 

Nieder-Roden - Die Ferienakademie an der Heinrich-Böll-Schule macht Mädchen und Jungen Lust auf Chemie. Von Simone Weil 

Warum sind Schüler und Lehrer während der Ferien in der Schule und beschäftigen sich freiwillig mit Chemie? Noch dazu bei schönstem Sommerwetter. Weil es dort spannende Experimente gibt, dabei vorzeigbare Produkte entstehen und scheinbar nebenbei auch noch etwas gelernt wird. So jedenfalls ist es in der fünftägigen Ferienakademie der Heinrich-Böll-Schule (HBS). Der Einblick in die Welt der Chemie soll neugierig machen und ist fester Bestandteil der naturwissenschaftlichen Frühförderung an der integrierten Gesamtschule. Motto des Kurses: „Chemie in und um uns herum“. Alle sind eifrig bei der Sache. Petra Carbon erläutert das nächste Experiment: Zwei Zuckerwürfel werden mit wenigen Tropfen blauer und roter Farbe gefärbt und dann in eine Petrischale gelegt, die ein bisschen Wasser enthält. Die Würfel saugen sich voll und beginnen, zu zerfallen. Dadurch vergrößern sich die farbigen Flächen, die aber fein säuberlich voneinander getrennt sind.

Das alles überträgt die Lehrerin mit einer Kamera auf eine große Projektionsfläche: Durch die extreme Vergrößerung verwandelt sich der Versuch in eine spektakuläre Beobachtung wie unter einem Mikroskop: „Jetzt versteht ihr, warum ich diesen Versuch liebe“, ruft die Pädagogin, als die Zuckermoleküle anfangen, zu hüpfen. Die Schüler sind fasziniert: „Das ist echt cool.“ Die Teilnehmer sind dafür, das Experiment zu wiederholen. Einige Male platzen größere Bröckchen vom Zucker ab – wie bei einem kalbenden Gletscher. „Am Schluss fällt der Zucker zusammen, das sieht super aus“, begeistert sich Carbon.

Übereifrige Schüler werden gebremst

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Walter Totzauer von der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule Rödermark bietet die Lehrerin der Heinrich-Böll-Schule die Ferienakademie in der Gesamtschule zum siebten Mal an. „Das ist mit dem normalen Schulalltag nicht zu vergleichen“, erzählt der Chemiker. Es herrsche eine perfekte Arbeitsatmosphäre. „Wir wissen natürlich nicht, wer von sich aus oder auf Anregung der Eltern da ist, aber den meisten Kindern macht es Spaß“, sagt Totzauer.

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Und die Nachwuchs-Forscher lernen jede Menge: Die Kinder erfahren nämlich einiges über die Grundlagen des sicheren Arbeitens in der Chemie. So bremst die Lehrerin übereifrige Schüler: „Chemiker lesen erst mal ihren Versuch in Ruhe durch, bevor sie damit beginnen!“ Die 24 Kinder besuchen 4. bis 7. Klassen und stammen nur zur Hälfte von der HBS, kommen zum Teil aus Frankfurt oder Seligenstadt. Die Nachwuchs-Forscher tragen zum Schutz der Kleidung übrigens weiße T-Shirts statt weißer Kittel, die sie selbst mit Farbstiften verschönert haben: Das Kursmotto ziert die Hemden und eine Formel. „Die Shirts auch aus früheren Jahren sind begehrt und werden inzwischen gehandelt“, weiß Petra Carbon.

Bilder der Ferienakademie

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Auffällig ist der verhältnismäßig hohe Anteil von Mädchen im Kurs: Die können sich sonst oft nicht so sehr für Naturwissenschaften begeistern. Die gelebten und praxisbezogenen Beispiele jedoch kommen bei den Mädels gut an, im Unterschied zum oft theoretisch-trockenen Unterricht, in dem sich eher die Jungs breit machen. So haben die kleinen Forscher beispielsweise Badekugeln und Seifen hergestellt, Ketchup machen sie auch noch für das große Grillfest mit den Eltern am Abschlusstag. Dann nehmen sie auch noch einen dicken Ordner mit nach Hause mit allen Aufzeichnungen und Experimenten. „Die Versuche sind alle einfach, die können die Kinder auch daheim noch einmal machen“, meint die Leiterin der Ferienwerkstatt.

Wer den Ordner übrigens besonders ordentlich geführt und auch noch schön gestaltet hat, bekommt außer der obligatorischen Teilnehmerurkunde vielleicht auch noch einen der tollen Preise wie einen großen Chemiebaukasten. Immerhin steckt das Pharma- und Chemieunternehmen Merck als Sponsor hinter dem Ferienangebot. Welche Bedeutung der Workshop an der HBS hat, lässt sich vielleicht daran erkennen, dass es sich Schulleiterin Andrea Haus nicht nehmen lässt, am letzten Tag die Teilnehmerurkunden persönlich zu überreichen – trotz ihres Geburtstags.

Quelle: op-online.de

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