Fernweh nach Namibia

Dudenhofen - Der Rucksack ist gepackt, die Impfungen und gefühlte 1000 Arzttermine überstanden, die Reiseapotheke mit Malariaprophylaxe gefüllt, die Abschiedsparty gefeiert. Schon Morgen heißt es für die 19-jährige Tamara Scheller: „Tschüss Rodgau, hallo Namibia!“. Von Jannika Kämmerling 

Ein ganzes Jahr wird sie an der „Elim Primary School“ in Windhoek Englisch, Sport, Mathe, Kunst und Kultur unterrichten. Es ist Tamaras erste Reise auf einen anderen Kontinent, in eine andere Welt. Das Ziel hat sie gemeinsam mit den Eltern ausgesucht: „Wir haben die Liste der Organisation genommen, und angefangen alles durchzustreichen, was meinen Eltern zu gefährlich erschien“, erzählt die Abiturientin. Sie selbst wollte nach Afrika, um ein Land kennenzulernen, über das man so wenig weiß. „Es ist eben kein klassisches Reiseziel“, sagt sie. Das habe die Neugier geweckt. Dass jetzt Ebola ausgebrochen ist, soll das Abenteuer nicht verhindern. Noch ist die Seuche weit weg und Tamara guter Dinge, dass das auch so bleibt.

Von ihrem Aufenthalt wünscht sie sich, eine neue Kultur kennen zu lernen, zu verstehen und zu akzeptieren. Der kulturelle Austausch soll dazu beitragen mit weniger Vorurteilen durchs Leben zu gehen. Am meisten gespannt ist Tamara darauf, den Kindern etwas beizubringen und im Gegenzug viele wertvolle Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen: „Ich freue mich besonders auf die Einwohner und das alltägliche Leben.“ Die Idee, nach der Schule ein Jahr im Ausland zu leben, hat sie schon lange. Dabei wollte die aufgeschlossene junge Frau die Welt erkunden und sich auch sozial engagieren.

Die Suche nach möglichen Programmen begann beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Dort hatte bereits ihr Großvater als Freiwilliger mitgeholfen. Bei „Volunta“, dem Freiwilligendienste-Träger des DRK Hessen und anderer DRK-Gliederungen, ist sie fündig geworden. Mit vier weiteren Freiwilligen wird sie die nächsten zwölf Monate im Haus einer Gastfamilie mit deutschem Standart und eigenem Zimmer untergebracht sein. Ihre künftigen Mitbewohner und den Gastvater hat Tamara während eines Vorbereitungsseminars in Wiesbaden kennengelernt: „Alle sind herzlich und nett.“ Das Auswahlgespräch habe in einer lockeren Atmosphäre stattgefunden, erzählt sie. Gefördert werden die Freiwilligen vom Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) mit 200 Euro im Monat für Verpflegung und Freizeitaktivitäten.

Diese dürfen natürlich nicht zu kurz kommen. Eine vierwöchige Rundreise ist in Planung. Mit Sonnenhut und öffentlichen Verkehrsmitteln geht es einmal quer durch das Land, in dem es im Sommer 40 Grad heiß wird. Ein richtiger Kulturschock ist nicht zu erwarten. Und auch Tamara glaubt, dass sie mit der Konfrontation von Armut zurechtkommt. Eine Sorge hat sie jedoch: in Namibia machen manche Lehrer immer noch vom sogenannten „corporal punishment“, zu deutsch „Körperliche Züchtigungen“, Gebrauch. Sollte das vor ihren Augen passieren, weiß sie noch nicht, wie sie damit umgehen könnte. Und auch vor dem Heimweh hat sie ein bisschen Angst. Freunde und Familie für so eine lange Zeit zurücklassen, fällt der Rodgauerin sichtlich schwer. Trotz mancher Ängste überwiege aber doch die Vorfreude auf Kultur, Essen, Sonne und erfrischend herzliche Afrikaner, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Quelle: op-online.de

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