Ein Fest für Ohr und Auge

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Der Musikverein Dudenhofen lief einmal mehr zu Hochform auf.

Dudenhofen - Sie sind Events, die Kamelienkonzerte des Musikvereins Dudenhofen. Die Familie Fischer und ihre Mitarbeiter vom „Pflanzenzentrum Blumenau“ sind für die ebenso außergewöhnliche wie atmosphärische Location, ihre Gewächshäuser, sowie für Getränke und Gebäck zuständig. Von Manfred Meyer

Säule zwei der Konzerte gestern und am Samstag, bei denen Kamelienpracht vorherrscht und dann besonders sonniger Frühling einsetzt, wenn Maestro Rainer Fenchel die Arme hebt, sind die Blumen- und Kamelien-Gemälde der Sickenhöfer Malerin Heide Jakob. Rainer Fenchels Programmauswahl und vor allem natürlich deren Umsetzung durch seine 60 Musiker sind die Hauptsäule dieses Ereignisses für alle Sinne.

Inmitten echter Kamelien präsentierte Heide Jakob gemalte Blumen.

Seine Bestandteile waren diesmal konzeptionell noch enger als zuvor verknüpft und miteinander verbandelt, betrachtet man die farbeninnige Jakob-Kunst an verschiedenen Stellen des Pflanzenzentrums, die ihre Entsprechung in klingenden „Bildern einer Ausstellung“ fand.

Sie allerdings malte Viktor Hartmann im 19. Jahrhundert - und sie zeigen etwa ein Schloss, eine Hütte oder einen Marktplatz. Die Zeichnungen und Gemälde vertonte sein Freund Modest Mussorgsky und schuf damit einen unvergleichlichen Hit der Kunstmusik. Das Klavier-Original wuchs in der Sinfonieorchester-Fassung von Maurice Ravel noch über sich hinaus. In der Version für Harmonieorchester erklang das grandiose Werk erstmals in Rodgau beim Jahreskonzert des Musikvereins Dudenhofen 2008 im Bürgerhaus. Die Premiere gelang eindrucksvoll, war aber zu Beginn einige Minuten von Equipment-Störungen durchzogen.

Derlei trat jetzt im Kamelienhaus nicht auf. Im Gegenteil. Durch besondere Vorkehrungen herrschten hier nahezu optimale akustische wie technische Bedingungen. Das ließ den Premium-Blasorchestersound der Dudenhöfer noch komprimierter und dichter blühen als gewohnt. Details bei den „Bildern...“ wurden deutlicher und plastischer.

Besonders erfreut zeigte sich Rainer Fenchel im Pausengespräch, dass da im Tutti sozusagen Bälle von Instrumentengruppe zu Instrumentengruppe noch genauer geworfen, aufgefangen und weitergeleitet wurden, bei der entfesselten musikalische Maschinerie all ihre vielen Zahnrädchen noch exakter inein andergriffen. Dem standen irre rasante akkordliche Wirbel gegenüber, die das Ensemble hinsichtlich von Synchronität rhythmisch großzügiger handhabte.

Nicht zu überbieten schließlich: „Das große Tor von Kiew“. Das ließen die Dudenhöfer so glanzvoll und erhaben zuerst in die Breite und dann in die Höhe wachsen, dass es auf seinem Siedepunkt aus der Atmosphäre auszutreten schien, um dort mit hellem, weithin sichtbaren Schein zu verglühen. Ein Wunder, dass das Glasdach des Kamelienhauses keine Sprünge bekam. Das hatte, wie nachher von Ralf Fischer zu erfahren war, vor einiger Zeit einem Hagel-Unwetter widerstanden, dem alle anderen Dächer des Planzenzentrums zum Opfer gefallen waren.

Die Blumenau-Abende waren einmal mehr übervoll von Eindrücken. Da sind zu nennen etwa die lupenrein virtuosen Flöten, die Handvoll Schlagwerker, die laut Gastgeber Fischer „in einer regelrechten Werkstatt“ klanggestaltend zugange waren oder die mönchschorgesanglichen Fähigkeiten der Instrumentalisten bei Ketelbeys „In einem Klostergarten“.

Und vor allem die geradezu in Bestform befindlichen Trompetensolisten Robin Wukits, Mathias Müller und Ralf Knöpp beim „Alten Dessauer“. Auch: das losgelöste Kollektiv-Slapsticken mit „Yakety Sax“ aus der „Benny-Hill-Show“. Das gefiel dem Publikum so gut, dass es das Orchester vor den Zugaben gleich nochmal spielen musste.

Und die vierte Säule der Events: Moderator, Conferencier, Darsteller, Entertainer Heinz Karnbach, den Ralf Fischer mit einem Zitat aus unserer Zeitung ankündigte: „der Kulenkampff von Rodgau“. Er ist's weit darüber hinaus.

Quelle: op-online.de

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