Feuer und Flamme für Fußballsieg

+
Mit Schwarz-Rot-Gold feierten rund 200 Fußballfans an der Rodgau-Passage den 2:1-Sieg. Trotz vieler Menschen auf der Straße passierte kein Unfall.

Jügesheim - Laut und ausgelassen feierten rund 200 Fußballfans am Mittwoch den deutschen 2:1-Sieg bei der Fußball-Europameisterschaft. Diesmal blieb es friedlich. Nach den Ausschreitungen vom Wochenende waren mehr Polizisten vor Ort. Von Ekkehard Wolf

Gegen Mitternacht meldeten sie: „Ruhe wiederhergestellt.“  „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid“, tönt der Gesang vor der Fernsehleinwand im Biergarten an der Hintergasse. Jubel, Umarmungen, Küsse nach dem zweiten EM-Sieg der Nationalmannschaft. An der Rodgau-Passage ist es zu diesem Zeitpunkt noch ruhig. Die Polizei wartet mit zwei Streifenwagen und einem Kleinbus mit getönten Scheiben.

Ein paar Minuten später kommt das erste Grüppchen johlender, junger Fußballfans aus der Passage. Drei Polizisten – zwei Männer, eine Frau – fragen die Jugendlichen nach ihrem Alter. Eine harmlose Frage, bei der auch der Gedanke an das Jugendschutzgesetz mitschwingt. „Heute bleibt es ruhig“, meint ein Beobachter auf der anderen Straßenseite angesichts der Polizeipräsenz.

Warnblinker, rhythmisches Hupen

Lesen Sie auch:

Randale nach EM-Spiel von Deutschland

Zehn Minuten nach Spielende sind es schon 100 Leute, die an der Bushaltestelle Fahnen schwenken, Fan-Gesänge grölen und Bierbecher leeren. In Minutenschnelle steigt die Zahl der Fans auf das Doppelte. Zwei weitere Einsatzautos halten an, aus einem springt auch ein Polizeihund ins Freie.
Und dann der Autokorso. Warnblinker, rhythmisches Hupen – eben alles, was dazugehört. Fahne schwenkende Menschen lehnen sich aus den Seitenfenstern oder aus dem Schiebedach. Zwei Mädchen winken aus dem offenen Kofferraum. „Deutschland! Deutschland!“, skandieren die Fans. Dann hält es sie nicht mehr am Straßenrand. Sie drängen mit ihren Fahnen auf die Fahrbahn, halten die Autos an und lehnen sich auf die Motorhaube. Die Fahrer weichen aus, fahren abenteuerliche Schlangenlinien und hupen. Ein Wunder, dass kein Unfall passiert! Manche geben inmitten der Menge noch mal richtig Gas.

Auf der Straße wird es eng

Die Sprechchöre haben ein neues Wort: „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“ Ein Bengalo taucht die Bushaltestelle in Rotlicht und Qualm. Wenig später steigen Silvesterraketen auf. Ein Polizeibeamter steht auf einer Grundstücksmauer und filmt mit der Digicam. Die Deutschland-Rufe werden lauter und dumpfer, vielleicht liegt das ja am Bier. Ein Zuschauer fragt sich: „Wie soll das erst werden, wenn die deutsche Mannschaft weiterkommt?“

Auf der Straße wird es eng. Die Fahrzeuge stauen sich vor der Rodgau-Passage. Etliche hat man schon mehrmals gesehen, etwa das Quad mit Schwarzrotgold, den Kombi mit den Mädels im Kofferraum und den röhrenden Spritfresser aus Amerika. Seit 20 Minuten fahren sie die Ortsdurchfahrt auf und ab.
Ab und zu kontrollieren Polizisten einzelne Teilnehmer der Freiluftparty. Vor der Tür der Alten Schule wird ein junger Mann im Licht der hellen Stablampe gefilzt. Ein Beamter, der nur wenige Jahre älter ist, durchsucht sogar die Turnschuhe. Nichts gefunden: Der Junge darf seine Schuhe wieder anziehen.

Die Lage beruhigt sich erst, als die Polizei mit zwei quer gestellten Autos die Ortsdurchfahrt absperrt. Die ersten Fans gehen nach Hause, die anderen feiern weiter auf der Gass‘, ohne mit dem Verkehr in Konflikt zu geraten. Ein Pärchen zieht sich in die Bushaltestelle an der dunkleren Straßenseite zurück.

Ein angetrunkener Bomberjackenträger spricht den Fotografen an: „Na, haben Sie Ihre Krawallfotos gemacht?“ Im nächsten Satz die ernüchterte Einsicht: „Wenn hier etwas los gewesen wäre, dann wären Sie ja nicht mehr hier. Also sind Ihre Fotos nichts wert.“ Den Einwand, dass auch Bilder von friedlich feiernden Menschen ihren Wert haben, lässt er nicht gelten. Eine Stunde später schreibt ein Leser auf der Facebook-Seite der Rodgau-Redaktion: „Oh Gott, nur weil einmal was los war sind jetzt alle Bullen im Rodgau.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare