Feuerwehr braucht mehr Personal

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In der Atemschutzwerkstatt des Feuerwehrhauses Jügesheim befestigt Gerätewart Carsten Weitz eine Atemschutzmaske am Prüfstand. Ein Computer steuert die Funktions- und Dichteprüfung.

Rodgau ‐ Die Feuerwehr Rodgau bekommt zwar zwei neue Gerätehäuser, aber vorerst nicht mehr Personal. Damit keine Arbeit liegen bleibt, muss die Stadt manche Dienstleistungen an Firmen vergeben. Doch im Gegensatz zu Festangestellten rücken die externen Dienstleister im Ernstfall nicht mit aus. Von Ekkehard Wolf

Es werden mehr Gerätewarte benötigt, um die tägliche Arbeit zu machen“, sagt der ehrenamtliche Stadtbrandinspektor Andreas Winter: „Sie sind meines Wissens bisher nicht im Stellenplan 2010 berücksichtigt. Von daher müssen wir uns überraschen lassen, was kommt.

Der Stellenplan ist ein Teil des Haushaltsplans, über den das Stadtparlament Ende Februar berät. Kämmerin Hildegard Ripper kalkuliert für dieses Jahr mit einem Rekord-Defizit von 15 Millionen Euro. Äußerste Sparsamkeit ist angesagt.

Das Stadtparlament hat sich jedoch bereits im Jahr 2006 festgelegt, die Zahl der hauptamtlichen Feuerwehr-Gerätewarte bis 2010 von fünf auf acht zu erhöhen. So steht es im Bedarfs- und Entwicklungsplan, der die Ziele für einen Zeitraum von fünf Jahren festschreibt. Dass dieser Plan keinen Luxus enthält, macht allein schon die ungewöhnliche Beratungsdauer deutlich: mehr als ein Jahr.

Es herrscht noch Nachholbedarf

Die politische Diskussion konzentrierte sich seither vor allem auf die Gebäude. Seit zwölf Jahren steht fest, dass südlich der Rußfabrik ein gemeinsamer Stützpunkt für Jügesheim und Hainhausen entstehen soll. Noch im Sommer 2006 stellte Bürgermeister Alois Schwab einen Baubeginn für 2007 in Aussicht. Nun ist der erste Spatenstich im März 2010. Schneller ging die Planung eines zweiten Neubaus für Nieder-Roden und Dudenhofen. Unter dem Zeitdruck des Konjunkturprogramms war er schon innerhalb weniger Monate baureif: Anfang Februar geht es los.

In neue Mauern gehören auch moderne Technik und genügend Mitarbeiter. In diesen Punkten herrscht offenbar noch Nachholbedarf. „Die Technik, mit der wir unsere Geräte warten, ist teilweise mittelalterlich“, gibt Stadtbrandinspektor Winter zu. Derzeit behelfe man sich damit, manche Aufgaben wie die jährliche Belastungsprüfung der Ketten und Seile an externe Dienstleister zu vergeben. Winter: „Das funktioniert, so lange wir nur kleine Einsätze haben. Sobald das Einsatzaufkommen zunimmt, kommen wir in Probleme. Unser Atemschutzmann ist dann zum Beispiel über Tage hinweg voll ausgelastet.

Die fünf Gerätewarte halten für bescheidenen Lohn nicht nur Fahrzeuge und Ausrüstung in Schuss. Sie sind auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und rücken zu Einsätzen aus. Werktags zwischen 7 und 16 Uhr werden sie grundsätzlich mit alarmiert, kleinere Einsätze bestreiten sie alleine.

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Das zeigte sich gestern bei einem Autobrand an der Kettelerstraße. In Minutenschnelle rückten die hauptamtlichen Mitarbeiter aus. Nur zwei Ehrenamtliche fuhren mit, weil sie sich zufällig gerade in der Nähe befanden.

Die Gerätewarte sind ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Tagesalarmsicherheit“, betont Stadtbrandinspektor Andreas Winter: „Wir haben leider nur noch wenige Einsatzkräfte, die in Rodgau arbeiten, und viele von ihnen dürfen tagsüber nicht weg.“ Bereits vor fünf Jahren hatten Berechnungen ergeben, dass nur 20 Freiwillige tagsüber in fünf Minuten ihr Gerätehaus erreichen konnten. Festangestellte haben diese Anfahrtszeit nicht. Laut Gesetz müssen die ersten Helfer in zehn Minuten am Einsatzort sein.

Am Grundsatz der Freiwilligen Feuerwehr, der sich seit mehr als 100 Jahren bewährt hat, will der ehrenamtliche Stadtbrandinspektor nicht rütteln. Wenn‘s um die hauptamtlichen Gerätewarte geht, betont er seit Jahren immer wieder: „Das soll kein Einstieg in eine Berufsfeuerwehr sein.

Fakten

  • Die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Rodgau haben rund 220 ehrenamtliche Einsatzkräfte.
  • Fünf angestellte Gerätewarte kümmern sich um die Ausrüstung.
  • Die Konzentration von fünf auf drei Gerätehäuser verringert den Arbeitsaufwand kaum.
  • Nach Einsätzen und Übungen dauert es etwa 20 Minuten, bis ein Fahrzeug neu bestückt ist. Anschließend werden benutzte Schläuche und andere Geräte gesäubert.
  • Jedes Atemschutzgerät muss desinfiziert, gefüllt und geprüft werden. Das dauert eine Stunde pro Gerät. Die Feuerwehr besitzt 252 Schutzmasken, 108 Pressluftatmer und etwa 200 Luftflaschen.

Quelle: op-online.de

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