Feuerwehr als Hochleistungssport

Zwei Tage Firefit: In Rodgau können sich Brandschützer für die WM qualifizieren

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Nur noch ein paar Meter bis zum Ziel: 85 Kilo wiegt die Übungspuppe, die über 30 Meter geschleppt oder gezogen werden muss.

Nieder-Roden -  Bis an die Belastungsgrenze und manchmal darüber hinaus: Mehr als 350 Feuerwehrleute aus halb Europa setzen sich seit gestern am Feuerwehrhaus Süd freiwillig gewaltigen Strapazen aus. Beim vierten Rodgauer Firefit-Championship geht es um nichts Geringeres als die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kanadischen Calgary.

Ein Limit gibt es im Einsatz nicht, solange Menschenleben in Gefahr sind. Und es muss schnell gehen, wie immer bei der Feuerwehr. An solchen Maßstäben haben sich Sportmediziner in den USA in den 1970er Jahren orientiert und einen Belastungstest für Einsatzkräfte entwickelt, der laut Joachim Posanz immer mehr Kameraden rund um den Globus herausfordert. Der Berufsfeuermann aus Göttingen ist gleichsam der Guru der deutschen Firefit-Szene, die nach seinen Worten 2006 mit der ersten Firefighter-Challenge in Berlin ihren Anfang nahm.

Mehrere tausend Feuerwehrleute quer durch die Republik sind dem realitätsnahen Extremsport laut Posanz inzwischen verfallen. Profi-Kollegen genauso wie Freiwillige oder Werkfeuerwehrleute, Männer ebenso wie Frauen. Nach Kanada zu fahren und sich mit den Besten der Welt zu messen, sei für sie das Höchste, sagt der Niedersachse, der selbst schon Welt- und Europameister war und für die deutschen Kameraden ein eigenes Trainingskonzept entwickelt hat. Bewähren muss es sich in Rodgau gegen starke Konkurrenz aus Frankreich, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Slowenien und Kroatien

Was sie sich zumuten, ist gleichzeitig Hochleistungssport und Feuerwehr-Alltag - freilich extrem komprimiert. „Wir starten mit voller Einsatzmontur“, so Posanz. Einschließlich Atemschutzgerät sind das um die 25 Kilo. Damit und mit einem Schlauchpaket gilt es zunächst, die Treppenstufen eines zwölf Meter hohen Turms im Laufschritt zu nehmen. Oben angekommen, muss der Starter eine weitere Schlauchrolle per Leine hochziehen.

Glücklich wieder unten, greift der Feuerwehr-Athlet zum Vorschlaghammer und treibt ein schweres Gewicht eine Schiene entlang, hetzt durch einen Slalom-Parcours, zerrt einen prall gefüllten Feuerwehrschlauch über 25 Meter und löscht damit eine Gasflamme. Zum Schluss wartet „Rescue Randy“ darauf, gerettet zu werden. Die 85 Kilo schwere Übungspuppe muss 30 Meter weit aus der imaginären Gefahrenzone geschleppt werden.

Bilder zur Rodgauer Firefit-Championship

Richtig gute Firefit-Kämpfer schaffen das alles in weniger als zwei Minuten. Viele brechen am Ziel völlig entkräftet zusammen - manche auch schon vorher. Hilfe ist dann sofort da: Team-Trainer, Kameraden und die allgegenwärtigen Referees, die jeden Schritt mit Argusaugen beobachten, springen den Gestrauchelten bei. Angefeuert werden ausnahmslos alle, nicht nur von der eigenen Mannschaft. „Das gehört dazu“, sagt Joachim Posanz. „Hier steht jeder für jeden, für Leistung und Willenskraft gibt es immer Respekt.“

Gestern am Tag der Feuerwehr, zu dem traditionell auch ein Feuerwehrfest mit Fahrzeugausstellung und Aktionen gehört, verfolgten zahlreiche Zuschauer die Einzelwettkämpfe. Heute, am Freitag, geht das Spektakel ab 9 Uhr mit der Staffelqualifikation und später mit dem Tandemwettbewerb weiter. Am Nachmittag geht es in die Finalrunden, gegen 17.30 Uhr ist Siegerehrung. (zrk)

Quelle: op-online.de

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