Feuerwehr fordert mehr Personal

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Fahrbarer Kommandostand: Wehrführer Christian Bunge (Mitte) und Stellvertreter Steffen Romeis erklären Bürgermeister Jürgen Hoffmann die Funktionen des neuen Einsatzleitwagens der Feuerwehr Rodgau-Mitte. Das Fahrzeug hat 149.000 Euro gekostet.

Rodgau (eh) - Die Feuerwehr Rodgau braucht eine personelle Verstärkung, um auch tagsüber einsatzfähig zu sein. Nur wenige ehrenamtliche Einsatzkräfte können schnell ihren Arbeitsplatz verlassen, wenn sich ihr Funkpiepser meldet.

„Bisher hatten wir einfach immer Glück, wenn wir genug Personal zur Verfügung hatten“, sagte Stadtbrandinspektor Andreas Winter am Mittwoch in der Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr. Bei einem Alarm rücken die hauptamtlichen Gerätewarte und die beiden Mitarbeiter der Stabsstelle Feuerwehr als Erste aus. Kleinere Einsätze bewältigen sie allein.

Eine Erhebung im Herbst hat ergeben, dass nur 18 der damals 233 Einsatzkräfte innerhalb von fünf Minuten ihr Feuerwehrhaus erreichten. Das sind 7,8 Prozent der Aktiven - eine alarmierende Zahl. Die Fünf-Minuten-Zeitspanne ist notwendig, um die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten. Nur vier Einsatzkräfte in Rodgau-Nord treffen so schnell im Feuerwehrhaus ein; jeweils sieben sind es an den Standorten Mitte und Süd. Weitere 19 Feuerwehrleute sind nach sechs bis acht Minuten verfügbar. Winters Fazit: „Es darf am Tag nicht viel passieren, sonst sind wir schnell an der Grenze des Leistbaren angekommen.“

Bereits für das Jahr 2008 hatte die Feuerwehr zwei zusätzliche Gerätewarte angeregt, um im Ernstfall gleich mit möglichst vielen Kräften ausrücken zu können. Arbeit gebe es genug, sagt der Stadtbrandinspektor. Dies sehe man allein schon beim Vergleich mit Nachbarstädten, die trotz geringerem Fahrzeugbestand mehr Gerätewarte beschäftigten.

Schlusslich auch bei Bezahlung

Auch bei der Bezahlung der technischen Mitarbeiter bildet Rodgau im kreisweiten Vergleich das Schlusslicht, wie ein Blick in die Haushaltspläne zeigt. Während Rodgau die Gerätewarte wie Hausmeister in die Vergütungsgruppe E 6 einstuft, bezahlen andere Städte zwei Lohngruppen höher (E 8).

Weder zum Personalstand noch zur Bezahlung machte Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Mittwoch konkrete Zusagen. Er kündigte weitere Gespräche an: „Ich denke, wir werden zu einem vernünftigen Lösungsansatz kommen.“ Die Leistungsbilanz der Freiwilligen Feuerwehr bezeichnete Hoffmann als „eindrucksvoll“. Er dankte allen Ehrenamtlichen, die für die Sicherheit ihrer Mitbürger viel Freizeit opferten.

Ende 2011 hatte die Einsatzabteilung 228 Mitglieder, davon 20 Frauen. Nachwuchs kommt vor allem aus der Jugendfeuerwehr und einem Projekt der Claus-von-Stauffenberg-Schule (CvSS), das im fünften Jahr läuft. 20 der 170 Schüler, die bisher ausgebildet wurden, sind laut CvSS-Lehrer Markus Henkel in den aktiven Dienst getreten.

Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann äußerte in seiner Ansprache Unverständnis für Bestrebungen der Europäischen Union, die Arbeitszeitrichtlinie auch auf Freiwillige Feuerwehren anzuwenden. Dies bedeute, dass die Zeit der Einsätze zur betrieblichen Arbeitszeit addiert werde. Bei 48 Stunden pro Woche sei dann Schluss. Ackermann: „Das bedeutet die Vernichtung des Ehrenamts.“

Quelle: op-online.de

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