Finanzkrise mit dem Schinken erklärt

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Satirische Einblicke in den Bürgermeisterwahlverein bieten Florian Adams, Marcel Rupp und Sabine Paulun in der Familienkonferenz von „En Haufe Leut‘“.

Jügesheim - Wie viel Wahlkampf darf sein? Nur zwei von 13 Nummern ihres neuen Programms widmen „En Haufe Leut‘“ der bevorstehenden Bürgermeisterwahl. Das reicht. Oder, um es mit den TGS-Kabarettisten zu sagen: „Ewe langt‘s.“

Das Motto des Abends hat viele Bedeutungen: Jetzt ist‘s genug. Oder: Mehr ist nicht nötig. Oder: Mehr geht nicht. Diese unterschiedlichen Geschmacksnoten finden sich auch im Programm. Zwölf Akteure bieten ein buntes Menü an kabarettistischer Hausmannskost, das die Zuschauer nach zweieinhalb Stunden gut gesättigt entlässt.

Auch wenn die Politik im Rathaus häufig Realsatire betreibt, bleibt den Kabarettisten noch genug Stoff übrig. Den Beweis treten „En Haufe Leut‘“ erneut an. Die Bandbreite der Themen reicht vom Bildungswahn im Kleinkindalter (Sabine Paulun) über die Auswüchse der Gesundheitsreform bis zum unerschöpflichen Thema „Mann und Frau“ (Harald Mahr, Tanja Rossbach).

„Ich hab‘ mein Gehirn immer dabei“: Tanja Rossbach als Ärztin.

Ernstes heiter darzubieten, ist der Anspruch der Truppe an sich selbst. So erklärt Peter Otto die Auswirkungen der Finanzkrise anhand der Tennissocken aus dem Toom-Markt: Der Sparstrumpf ist wieder gefragt. Da bringt das Geld zwar keine Zinsen, „auf der Bank aber auch nicht“. Und sein Schinken-Theorem erklärt die geplatzten Finanzblasen bürgernäher als jede Wirtschaftstheorie. Feinsinnige Sprachspielereien (Thomas Sturzenegger) fehlen im Menü des Abends ebenso wenig wie beißende Kritik (Stefan Schmidt, Marcel Rupp) oder bodenständiger Lokalkolorit (Herbert Sahm). Auch die jungen Mitglieder des Ensembles sind längst „alte Hasen“ auf der Bühne. Als Auszubildender rechnet Sebastian gekonnt mit der Schulbildung ab. Neue gesangliche Akzente setzt Kulturförderpreisträgerin Franziska Langer mit „Der Hass“ aus dem Musical „Romeo und Julia“ und dem nachdenklichen Song „Blind vom Licht“, der die Kluft zwischen Arm und Reich beleuchtet.

Ein Eidgenosse in Giesem: Thomas Sturzenegger.

Kein Blatt vor den Mund nehmen die Akteure der „Familienkonferenz“, wenn es um den Bürgermeisterwahlkampf geht. Im trauten Familienkreis (es hört ja keiner zu) fallen auch Namen von Vorstandsmitgliedern des Unterstützervereins - und nicht nur mit positivem Unterton. Florian Adams, der in der Fastnacht noch den Bürgermeister verkörperte, spielt nun den kritischen Sohn, der Papas Wahlkampfspende zur Silberhochzeit für allzu großzügig hält.
Zum Auftakt des Abends, bei Lothar Mark, bekommen alle drei Kandidaten ihr Fett weg: Der Bürgermeister, der sein privates Ehejubiläum für den Wahlkampf instrumentalisiert, seine Ex-Parteifreundin, die sich nur von hinten fotografieren lässt und der Herausforderer, der sich ohne Partei-Logo mehr bürgerliche Wählerstimmen erhofft.

Am Freitag und Sonntag stehen „En Haufe Leut‘“ nochmals auf der Bühne. Beide Vorstellungen sind ausverkauft: „Ewe langt‘s.“

Quelle: op-online.de

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