Flapsiger Spruch führt zu Straftat

Neun Monate ohne Bewährung für sexuelle Nötigung am Badesee

Rodgau - Neun Monate muss ein 25 Jahre alter Offenbacher wegen sexueller Nötigung einrücken. Am Badesee in Nieder-Roden hatte er eine Frau bedrängt. Von Silke Gelnhausen-Schüßler

„Machen Sie, was Sie wollen!“ – dieser Ausspruch ist mal was Neues aus dem Mund eines Angeklagten in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung. Der 25-jährige Offenbacher, der in einem Berufungsverfahren wegen sexueller Nötigung vor dem Landgericht Darmstadt sitzt, ist ja auch schon ein alter Hase in Sachen Justiz. Elf Einträge im Bundeszentralregister, im Mai wartet schon die nächste Verhandlung wegen Raubes vor einer weiteren Strafkammer in Darmstadt. Richter Lothar Happel nimmt denn auch kein Blatt vor den Mund: „Da fehlt es wirklich an allen Ecken und Enden. Körperverletzung, Betäubungsmittel, Einbruchdiebstahl und jetzt auch noch sexuelle Nötigung. Wenn das so weitergeht, werden Sie nur noch zwischen Knast und Freiheit hin und her pendeln!“

Im aktuellen Verfahren war der Fahrer einer Recyclingfirma am 11. April 2016 vom Offenbacher Schöffengericht zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung halbiert Richter Happel die Haftstrafe zwar, bleibt aber in gleicher Weise bei dem Zusatz „ohne Bewährung“.

Was war geschehen? Am 6. Juli 2016 liegt der Angeklagte mit einer Bekannten, seinem Bruder und dessen Freundin sowie mehreren hundert weiteren Badegästen am Strand des Nieder-Rodener Badesees. „Wir hatten Spaß, waren gut drauf, haben ein paar Bierchen getrunken“, so die 25-jährige Bekannte aus Bieber in der Zeugenvernehmung. „Irgendwann habe ich zu ihm aus Spaß gesagt: Wenn du dich auf die Frau da legst, komme ich heute Abend mit zu dir nach Hause!“ Tragischerweise versteht der junge Mann diese Aufforderung nicht als Spaß, sondern als Ansporn und Mutprobe. Er steht auf und legt sich tatsächlich mit seinen 110 Kilogramm Lebendgewicht auf besagte Frau, die im Bikini auf dem Bauch liegt. Die wehrt sich, kann schließlich aufstehen, schreit, und rennt außer sich zum Bademeisterhäuschen. Der verständigt die Polizei.

Drachenfest 2016 am Badesee: Bilder

Der Täter versucht gar nicht erst, etwas ab zu streiten. Wäre wohl auch sinnlos bei so vielen Zeugen. Strittig bleibt die Frage, ob er erregt war und Hüftbewegungen gemacht hat, während er auf der Frau lag. Die Betroffene sagt aus, sie habe sich beschmutzt gefühlt und habe noch heute „ein mulmiges Gefühl dabei, sich an den Strand zu legen“. Die Frau, die den Vater eines dreijährigen Sohnes angestachelt hat, bricht vor Gericht in Tränen aus: „Ich war geschockt, dass er das wirklich gemacht hat. Ich bin jetzt der Teufel, der ihn dazu aufgefordert hat. Ich fühle mich ein bisschen schuldig.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Wolf

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