Vom Flughafen Frankfurt nach Rodgau in dreieinhalb Stunden

Ansage der Bahn führt in die Irre

Rodgau - Dreieinhalb Stunden für den Weg vom Flughafen Frankfurt nach Rodgau: Diesen Horror haben zwei befreundete Ehepaare aus Nieder-Roden durchgemacht. Sie hatten sich auf die S-Bahn verlassen – und fühlten sich am Ende der nächtlichen Irrfahrt gerädert und verlassen.

Zwei Ehepaare aus Nieder-Roden fühlen sich von der Bahn gründlich verschoben. Nach einem Kurzurlaub kamen sie um 23 Uhr in Frankfurt an und wollten samt sechs Koffern mit der S-Bahn nach Rodgau fahren. Das dauert gewöhnlich 55 Minuten. Daraus wurden wegen missverständlicher Zug-Ansagen und zweier Bahnsteigwechsel dreieinhalb Stunden: ein körperlicher Kraftakt und eine seelische Geduldsprobe.

Hans-Dieter Jost schildert: „Zunächst fuhr man mit sechs nicht ganz leichten Koffern gegen 23.45 Uhr mit der S8 vom Flughafen zum Hauptbahnhof. Laut „DB-Navigator“ sollte dann um 0.05 Uhr eine S1 in Richtung Rödermark-Ober-Roden fahren, die aber nicht kam. Deshalb fuhr man um 0.44 Uhr mit der S8 nach Offenbach-Ost, weil hier, wieder laut „DB-Navigator“, um 1.08 Uhr auf Gleis 1 eine S1 nach Rödermark-Ober-Roden fahren sollte. Wir kamen mit der S8 in Offenbach-Ost auf Gleis 2 an und mussten deshalb mit unseren sechs Koffern die steile Treppe hinabsteigen, um auf der anderen Seite mühsam wieder nach oben zu Gleis 1 zu kommen, um dort festzustellen, dass eine S1 nicht zu sehen war. Wir waren überzeugt, eine oder zwei Minuten zu spät gekommen zu sein. Mist!

In der S8, mit der wir angekommen waren, war über Lautsprecher im Zug bekannt gegeben worden, dass der Zug in Offenbach-Ost endet und deshalb alle Fahrgäste den Zug verlassen sollten. Aber zur allgemeinen Überraschung mussten wir von Gleis 1 aus mit ansehen, dass der Zug auf Gleis 2, der eben noch mit uns als S8 gekommen war und angeblich hier enden sollte, auf seiner digitalen Leuchtanzeige zur S1 mutierte und davonfuhr. Wir waren sprachlos und wütend. Das war um 1.10 Uhr.

Wo im Urlaub hohe Nebenkosten lauern

Auf der Bahnsteiganzeige auf Gleis 1 wurde nun eine S1 um 1.50 Uhr nach Rödermark-Ober-Roden angekündigt. Um zirka 1.45 Uhr fuhr auf Gleis 1 eine S8 ein. Über Lautsprecher wurde bekannt gegeben, dass dieser Zug hier endet. Eigenartig. Hier sollte doch in wenigen Minuten die S1 abfahren. Wir hatten ja erlebt, dass vor einer Stunde schon einmal eine S8 in eine S1 umfunktioniert wurde. Wir erwarteten nun, dass die Anzeige am Zug von S8 auf S1 umspringt. Just in diesem Moment fuhr auf Gleis 2 eine S-Bahn ein: die S1. Sofort gerieten wir in Panik, war doch auf der Anzeigetafel zu lesen, der Zug fährt auf Gleis 1 ab. (...) Also rannten wir mit unseren Koffern die Treppe nach unten und auf der anderen Seite wieder hoch. Völlig ausgepumpt kamen wir wieder oben auf dem Bahnsteig 2 an und erreichten mit letzter Kraft die Zugtür.“ Um 2.30 Uhr waren die Ehepaare schließlich in Rodgau angekommen.

Die Pressestelle der Bahn begründet die unangenehme Odyssee mit nächtlichen Bauarbeiten. Die daraus resultierenden Fahrplanänderungen seien in der Fahrplanauskunft am fraglichen Tag allerdings „vollständig dargestellt“ worden. Die letzte Fahrt einer S1 von Frankfurt Hauptbahnhof nach Ober-Roden (und Rodgau) wäre um 23.49 möglich gewesen. Danach sei nur noch die S8 nach Offenbach (mit dortigem Umstieg in die S1) in Frage gekommen. Das habe in der Fahrplanauskunft auch so gestanden. Schon um 0.14 Uhr hätten die Reisenden ab Hauptbahnhof diese Verbindung wahrnehmen können. Die Ansage in der S 8, dass der Zug in Offenbach-Ost wegen Bauarbeiten ende, sei im Prinzip korrekt gewesen.

Alles also nur ein Missverständnis wegen irreführender Ansagen? Ein Bahnsprecher versichert zumindetst, der Vorfall werde zum Anlass genommen, die „Kundeninformation“ noch zu „optimieren“. Die Bahn müsse da „besser werden“. (bp)

Quelle: op-online.de

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