Kritik an Mähaktion

Rehkitze in Gefahr? Forstamt mäht trotz Brut- und Setzzeit

Gar nicht erfreut zeigt sich Thomas Köthe über Eingriffe des Forstamts in das Naturschutzgebiet Rotsohl und Thomassee. Der Vorsitzende des Vereins Aktion Rehkitz fordert vor Mäharbeiten eine übergreifende Abstimmung zwischen den betroffenen Institutionen und fragt, ob ein anderer Zeitpunkt nicht naturverträglicher gewesen wäre.
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Gar nicht erfreut zeigt sich Thomas Köthe über Eingriffe des Forstamts in das Naturschutzgebiet Rotsohl und Thomassee in Rodgau bei Offenbach. Der Vorsitzende des Vereins Aktion Rehkitz fordert vor Mäharbeiten eine übergreifende Abstimmung zwischen den betroffenen Institutionen und fragt, ob ein anderer Zeitpunkt nicht naturverträglicher gewesen wäre.

Das Forstamt in Rodgau bei Offenbach mäht eine Wiese im Naturschutzgebiet, obwohl derzeit Brutsaison ist. Doch für den Zeitpunkt gibt es eine gute Erklärung.

Rodgau - Trotz Brut-und Setzzeit hat das Forstamt eine Wiese in einem Rodgauer Naturschutzgebiet gemäht. Ein Landwirt und der Verein „Aktion Rehkitz“ fragen: Musste das jetzt sein? Doch für den Zeitpunkt gibt es einen guten Grund.

Im Osten Dudenhofens weiten sich grüne Grasflächen mit schützenden Feldgehölzen. Sie geben der Tierwelt Deckung und sind gleichzeitig Lebensraum für seltene Pflanzenarten. Besonders das 51 Hektar große Naturschutzgebiet Rotsohl und Thomassee ist ein Anziehungspunkt für Fauna und Flora. Dort versteckt sich tagsüber das Wild, an der Wasserfläche stillen die Tiere ihren Durst.

Dass nun ausgerecht dort, und auch noch während der Brut- und Setzzeit, Mulcharbeiten mit einer schweren Maschine durchgeführt wurden, sorgt bei zwei Interessengruppen für Unverständnis.

Rehkitzretter und Landwirt kritisieren Mähaktion in Rodgau bei Offenbach

Thomas Köthe ist Vorsitzender des Vereins Aktion Rehkitz. Er und seine Vereinskameraden suchen Grasflächen nach jungen Kitzen ab, bevor der Mähdrescher kommt. Er sorgt sich um die Jungtiere im betroffenen Naturschutzgebiet, die von der Ricke dort abgelegt wurden. Bei solchen Einsätzen sind sie gefährdet, erläutert Thomas Köthe: „Die Jungtiere können nicht flüchten, sie haben noch den Duckeffekt. Wenn sich eine große Maschine nähert, pressen sie sich auf den Boden.“ Dieser Schutzreflex bedeutet in der Regel den Tod.

Für ihn ist es unverständlich, dass die Mitglieder der Aktion Rehkitz Naturschutzgebiete für ihre Rettungsaktionen nicht betreten dürfen, maschinelle Arbeiten während dieser sensiblen Phase des Jahres aber durchgeführt werden.

Mähaktion in Rodgau bei Offenbach: „Wir wissen nicht, ob hier ein Kitz gesetzt wurde“

„Wir wissen nicht, ob hier ein Kitz gesetzt wurde“, schränkt Thomas Köthe ein, „aber Tatsache ist, dass wir aktuell die Setzzeit haben und in diesem Bereich Jungrehe abgelegt werden.“

Unterstützung bekommt Thomas Köthe von einem erfahrenen Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Selbst wenn es eine Pflegemaßnahme der Naturschutzbehörden ist, würde es niemanden stören, die Fläche erst nach dem 15. Juni zu bearbeiten.“ Dann läuft die aktuelle Schutzzeit ab. Der Landwirt ärgert sich: Die Landwirtschaft wird reglementiert, Vorschriften bis hin zu Auflagen durch EU-Gremien legen Einschränkungen auf, aber die öffentliche Hand fährt mit schwerem Gerät während der Brut- und Setzzeit durch ein Naturschutzgebiet. „Hundebesitzer zahlen Strafe, wenn der Vierbeiner in dieser für die Natur sensiblen Jahreszeit von der Leine gelassen wird, aber im Naturschutzgebiet wird gemäht.“

Aktion soll die Ausbreitung der Kanadischen Goldrute in Rodgau bei Offenbach verhindern

Wie eine Nachfrage unserer Zeitung beim Forstamt Langen ergab, wurde die Mulchmahd, wie das Mähen mit anschließendem weitestgehendem Abtransport des Mähguts genannt wird, von Hessen-Forst in Auftrag gegeben. Nach den Vorgaben der Oberen Naturschutzbehörde erstellt Hessen-Forst jährlich einen Bewirtschaftungsplan für die betreuten 33 Naturschutzgebiete im Kreis. Da im Areal Rotsohl und Thomassee die Kanadische Goldrute mehr und mehr den heimischen Pflanzen den Raum nimmt, wird dieser Neophyt aus Nordamerika noch vor seiner Blüte entfernt. So wird das Aussamen und die weitere Verbreitung verhindert. Gleichzeitig soll durch die Aktion der seltenen heimischen Art des Wasserfenchels Lebensraum gegeben werden.

Die Pflegemaßnahmen, erläutert Hessen-Forst, werden jährlich mit den Kommunen und privaten Naturschutzverbänden wie BUND, Aktion Fledermausschutz und dem Naturschutzbund abgesprochen. Mitarbeiter des Forstamts waren bei den aktuellen Arbeiten vor Ort und suchten vor Beginn nach bodenbrütenden Vögeln sowie nach jungen Hasen und Kitzen. Die Aktion Rehkitz zeigt sich offen, im Vorfeld solcher Pflegemaßnahmen zu unterstützen. (Andreas Pulwey)

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