Schülerbetreuung

Professionelle Arbeit anerkannt

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Beim Höhlenbau beziehen die Kinder der Freiherr-vom-Stein-Schule auch ihre Betreuerinnen ein. Nicola Brock (Zweite von rechts) ist unter den Decken kaum zu erkennen. Si und ihre Kollegin Tatjana Ege (Mitte) gehören zu den ersten Absolventinnen des Zertifikatskurses für Beschäftigte der Schülerbetreuung im Kreis Offenbach.

Dudenhofen - Schülerbetreuung will weg vom Hausfrauen-Image: Mitarbeiterinnen bilden sich weiter. Von Ekkehard Wolf 

Ohne sie gäbe es an den meisten Grundschulen nur ein Halbtagsprogramm: Die Mitarbeiterinnen der Schulfördervereine spielen eine wichtige Rolle in der Bildungslandschaft. Viele kommen aus anderen Berufen, verfügen aber über jahrelange Erfahrung. Ein neues Fortbildungsprogramm des Kreises Offenbach vermittelt theoretische Grundlagen. Zwei der ersten Absolventinnen sind Nicola Brock und Tatjana Ege aus Dudenhofen. Ihr Ziel: „Wir wollen raus aus dem Hausfrauen-Image“.

Sie begleiten die Kinder bei den Hausaufgaben, sie fördern Sozialverhalten, Kreativität und Bewegung und helfen Konflikte zu bewältigen. Gelernt haben sie etwas ganz anderes: Nicola Brock ist Hotelfachfrau, Tatjana Ege hat eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert. Durch ihre eigenen Kinder kamen sie zur Schülerbetreuung. Sie sind bereits seit siebeneinhalb und 13 Jahren dabei.

Sieben der 13 Betreuungskräfte besuchen Fortbildung

„Viele von uns haben erkannt, dass es eine Berufung für uns ist“, sagt Nicola Brock. Der Förderverein der Freiherr-vom-Stein-Schule steht hinter ihnen. Sieben der 13 Betreuungskräfte besuchen die Fortbildung, zwei weitere sind für den nächsten Kurs angemeldet. Das Fortbildungsprogramm geht auf einen Wunsch der regionalen Leiterinnen-Runde zurück. Es ist ein erster Schritt zu einer einheitlichen Qualität der Nachmittagsbetreuung an den Schulen. „Die Einrichtungen arbeiten sehr unterschiedlich, weil sie alle aus Elterninitiativen entstanden sind“, berichtet Nicola Brock. Standards gebe es bisher nicht.

Nach acht Monaten Lernen parallel zur Arbeit haben die ersten 17 Betreuungskräfte aus dem Kreis Offenbach ihre Abschlusspräsentation vorgetragen und ihre Zertifikate erhalten. Alle sind davon überzeugt, dass sich die Mühe gelohnt hat. „Da hat jede etwas mitgenommen“, sagt Tatjana Ege. Neben Grundlagen der kindlichen Entwicklung, der Kommunikation und der Pädagogik lernten die Teilnehmerinnen auch, die eigene Arbeit zu hinterfragen. „Für mich persönlich haben sich manche Puzzleteile zusammengefügt“, berichtet Nicola Brock.

Klagen auf einen Kita-Platz aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Ein Aha-Erlebnis hatte sie beim Thema der Eltern-Kind-Bindung: Es öffnete ihr die Augen dafür, warum ein Kind ihrer Gruppe sich auf eine bestimmte Weise verhält. „Wir sind alle sicherer geworden“, fasst sie zusammen: „Wir haben gelernt, uns selber wertzuschätzen. Das hat uns selbstbewusster gemacht.“ „Es gibt aber auch Themen, die uns gefehlt haben“, sagt Tatjana Ege. Als Beispiele nennt sie Bindungen, Ernährung und rechtliche Fragen der Aufsichtspflicht. Auch zum Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern seien bessere Grundlagen wünschenswert. Einig sind sich beide darin, dass die berufsbegleitende Fortbildung weitergehen sollte: „Der Kurs war sehr bereichernd und wir alle wünschen uns eine Fortsetzung. Themen dafür gibt es genug.“

Quelle: op-online.de

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