Wechselvolle Geschichte

Frauenhaus Rodgau bietet seit 25 Jahren Zuflucht für Gewaltopfer

Rodgau - Es war ein Grund zu feiern. Aber auch ein Grund, der Gesellschaft, wie Rodgaus Erster Stadtrat Michael Schüßler sagte, einen Spiegel vorzuhalten und nachdenklich die Zahlen zu betrachten. Von Barbara Scholze

Seit 25 Jahren besteht das autonome Frauenhaus Rodgau im Kreis Offenbach, getragen vom Verein „Frauen helfen Frauen“. 1632 Frauen und 1542 Kinder haben in diesem Vierteljahrhundert Zuflucht in dem Gebäude gesucht.

In ihrem Umfeld zu Hause haben sie zuvor Erniedrigung, Bedrohung und Gewalt erlebt. Lange Zeit war häusliche Gewalt ein Tabuthema, noch immer ist die Dunkelziffer groß. Dass die Öffentlichkeit heute dafür sensibler ist, sei auch dem Team des Frauenhauses zu verdanken, waren sich alle Gäste der Geburtstagsfeier einig. „In ihrem Verein haben kontinuierlich Entwicklungen stattgefunden, selbst wenn es manchmal geknirscht hat“, lobte Hanne Schirmer, Regionalgeschäftsführerin des „Paritätischen“ beim Festakt im Bürgerhaus Weiskirchen. Nachdem sich im Juni 1990 der Verein „Frauen helfen Frauen Kreis Offenbach“ gegründet hatte, konnte bereits zwei Jahre später das Frauenhaus öffnen. Seither hat der Unterschlupf für Gewaltopfer eine wechselvolle Geschichte. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. „Wir erleben jeden Tag neue Herausforderungen, es gibt kaum Routine“, sagte Christine Yilmaz, langjährige Mitarbeiterin im Frauenhaus.

Im Jahr 1996 kam eine Frauenberatungsstelle in Rodgau-Jügesheim dazu, Meilensteine für die Arbeit waren der Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen 1999 und das Gewaltschutzkonzept, das 2002 folgte. Drei Jahre später startete im Kreis Offenbach ein runder Tisch zum Thema häusliche Gewalt. Im Frauenhaus initiierten sich Kunstgruppen, ein Selbstverteidigungskurs, Workshops, etwa zum Thema Umgangsrecht und Tiergestützte Sozialarbeit mit der Labradorhündin Sophie. Aber auch Anforderungen der besonderen Art mussten bewältigt werden. Dreimal erlebte das Frauenhaus einen Brand, einmal stand der Keller unter Wasser.

Mit Power ins Schlagkissen: Selbstverteidigung für Frauen

Besonderer Dank ging während der Feier an den Kreis, der das Frauenhaus sicherte, als es kurz vor dem Aus stand. Sprang die Verwaltung doch ein, als im Rahmen der „Operation sichere Zukunft“ der Landesregierung um Ministerpräsident Roland Koch die kompletten Fördermittel gestrichten wurden.

„Wir sind eine Notaufnahme mit hoher Fluktuation“, fasste nun Yilmaz das Angebot zusammen. Die Frauen und ihre Kinder finden Schutz, kurzfristige Begleitung und Unterstützung im späteren Alltag. „Sie sind physisch und psychisch schwer belastet und haben neben den Gewalterlebnissen viele Schwierigkeiten wie Schulden und fehlende berufliche Perspektiven.“ Noch immer gebe es Probleme, die sich auch in 25 Jahren nicht hätten lösen lassen. So reiche die Kapazität des Frauenhaus-Teams oft nicht aus für junge Frauen, die vonseiten der Eltern Gewalt erleben oder von Zwangsheirat bedroht sind. Ebenso für behinderte, süchtige oder obdachlose Frauen. Zum größten Problem entwickele sich jedoch derzeit die Situation auf dem Wohnungsmarkt. „Unsere Frauen finden keinen Wohnraum, sodass die Plätze im Frauenhaus nicht frei werden“, so Yilmaz. „Und vor allem wünschen wir uns eine sichere, unabhängige Finanzierung.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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