Freispruch für Anwalt des Betrügers

Rodgau/Darmstadt (gel) - „Alles, was als Straftat in Betracht kommt, lässt sich mit der Anklageschrift nicht in Einklang bringen. Wir haben hier nicht über moralische Integrität zu urteilen.“

Nach einem wieder aufgenommenen Berufungsverfahren um Beihilfe zum Betrug konnte Richter Martin Rößler am Ende nur den Freispruch verlesen. Damit bestätigte die 6. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt das Urteil im ersten Berufungsverfahren vor einem Jahr, welches vom Oberlandesgericht aufgehoben wurde. Das OLG bemängelte, die sei Urteilsbegründung nicht ausführlich genug gewesen - ein technischer Fehler sozusagen, der nun zu weiteren sieben Verhandlungstagen führte.

Einem Rechtsanwalt aus dem Taunus wurde vorgeworfen, den 19-Millionen-Betrüger Marc S. aus Rodgau bei seinen krummen Geschäften unterstützt zu haben. Marc S. verkaufte als Geschäftsführer der TSI Consulting anlagewillligen Kunden ein „finanztechnisches Perpetuum Mobile“ (Richter Rößler) und bereicherte sich an ihren Geldeinlagen, ohne die zu Spitzenkonditionen versprochenen Kredite je auszuzahlen. Der als kaltschnäuzig und sarkastisch beschriebene S. wurde für seine betrügerischen Kreditvermittlungsgeschäfte 2008 zu dreizehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Anklageschrift gegen den Anwalt

In der Anklageschrift gegen seinen Anwalt ging es indes nicht um die großen Millionen. Zur Debatte stand hauptsächlich ein Bonitätsschreiben, welches der Jurist für ein Hotelprojekt in Kroatien 2004 verfasst hatte. Darin bescheinigte der Anwalt dem Unternehmen Kompetenz und Seriosität, die jedoch nicht vorhanden waren. Das Schriftstück wurde ein Jahr später - angeblich ohne Wissen des Anwalts - in mindestens sechs Fällen den geprellten Kunden vorgelegt und soll sie bei ihrer Entscheidung beeinflusst haben.

Dem Anwalt wurde weiter unterstellt, von den betrügerischen Machenschaften seines vorbestraften Klienten gewusst zu haben, Staatsanwalt Matthias Mackenthun zweifelte überdies die Rechtmäßigkeit von 459.000 Euro Honorar an, mit dem der Anwalt entlohnt wurde.

Für das Amtsgericht Offenbach im November 2010 scheinbar ein klarer Fall: Richter Manfred Beck verurteilte den Anwalt aus dem Taunus damals zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Mackenthun plädierte nun erneut für das gleiche Strafmaß: „Das erste Urteil wurde sorgfältig erstellt, es ist belegt, dass er das Bonitätsschreiben wissentlich falsch erstellt hat. Existenzen zu vernichten kann nicht ungestraft bleiben.“

Von einem Fehlurteil überzeugt

Verteidiger Professor Holger Matt hingegen war von einem Fehlurteil überzeugt. In einem knapp einstündigen Plädoyer stützte er sich ausschließlich auf die Fakten, die eine Verurteilung rechtfertigen würden - und die seien äußerst dünn gesät. Er halte die Abfassung des Bonitätsschreibens als Betrugsbeihilfe für eine „von Anfang an kühne Konstruktion“, wie er nachvollziehbar belegte.

Der Anwalt hat aufgrund der Vorwürfe seinem Wohnsitz im Taunus und einer renommierten Frankfurter Kanzlei den Rücken gekehrt, startete im Schweizer Kanton Zug eine neue Existenz. Nach dem zweiten Freispruch steht dem jetzt wohl nichts mehr im Weg.

Quelle: op-online.de

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