Dank für neu besetzte Stellen

Feuerwehr: Belastungsgrenze erreicht

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Ein mobiler Stromerzeuger wurde am Rand der Hauptversammlung an die Feuerwehr übergeben. Carsten Vogel, Stephan Massoth und Stefan Sattler (von links) übernahmen die Schlüssel von Bürgermeister Jürgen Hoffmann (rechts).

Rodgau - Bei der Freiwilligen Feuerwehr herrscht Unruhe. Während der Jahreshauptversammlung beschrieb der stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Gröschl gravierende personelle Engpässe und deren gesundheitliche Folgen.

Auch stellte Gröschl im Jahresbericht eine weitere Amtszeit infrage: „Meine Amtszeit endet regulär nächstes Jahr. Wenn sich an der Gesamtsituation nichts ändert, wird es 2018 die Feuerwehrleitung Winter / Gröschl so nicht mehr geben. Vielleicht gibt es dann einen unter euch, der Ambitionen hätte.“ Alarm bei der Feuerwehr: Die Personaldecke ist zu dünn. Der stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Gröschl schilderte die Situation während der Jahreshauptversammlung eindrücklich. Zugleich erwähnte er, dass die Stadt reagiert und neue Stellen geschaffen habe.

Gesagt wurden markante Worte angesichts der nun schon längeren Krankheit von Stadtbrandinspektor Andreas Winter. Dieser ließ sich für den Abend mit den besten Wünschen an die Versammlung entschuldigen, „da er nach seinem Kuraufenthalt noch weiterhin krangeschrieben ist“, informierte Gröschl. Die Leitungsaufgaben in der Feuerwehr beanspruchten einen „rund um die Uhr“. Die Belastungen forderten die Gesundheit derart heraus, „dass in extremen Fällen die Folgen gravierend sein können, wie wir erleben durften“. Seit August 2015 hätten „die zwei Stellvertreter der Feuerwehr und der Stabsstelle insgesamt zwölf Monate lang die Arbeit von drei, ja eigentlich von vier Leuten machen“ müssen.

„Seit Längerem komme ich meiner eigentlichen Arbeit im technischen Bereich nicht mehr nach, da ich nur noch mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt bin, obwohl ich dafür weder Ausbildung habe, noch dafür eingestellt wurde.“ Die Beanspruchung sei so groß, dass er in ruhigen Momenten in sich zusammengefallen sei, so Michael Gröschl. Zum Glück habe die Stadt inzwischen reagiert, stellte er lobend fest und präsentierte drei neue Kräfte als Verstärkung in der Verwaltung. Sechs Monate früher als geplant wurde die FJS-Stelle besetzt, dazu kommt eine Verwaltungsfachwirtin mit 15 Wochenstunden und eine hauptamtliche Vollzeitkraft, die ab den 2. Mai in der Stabsstelle arbeitet.

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Bürgermeister Jürgen Hoffmann danke allen Aktiven für ihre Einsatzbereitschaft und besonders Michael Gröschl, der während der Abwesenheit von Andreas Winter hervorragend gearbeitet habe. Hoffmann: „Wir leben in einer Zeit, in der wir uns fragen müssen, wo hört die berufliche Verantwortung auf und wo beginnt das Ehrenamt, die Ehrenamtlichkeit des Wehrführers. Wenn wir realistisch anschauen, welcher Arbeitsumfang mit der Tätigkeit eines Stadtbrandinspektors zusammenhängt, dann werden wir sehen, dass es in einer Stadt mit 47 000 Einwohnern ehrenamtlich nicht mehr zu leisten ist. Es kann nur dann funktionieren, wenn das Ganze hauptamtlich von einer Stabsstelle unterstützt wird, in der dann der ehrenamtliche Stadtbrandinspektor selbst hauptamtlich tätig ist, damit das Ganze überhaupt funktioniert. Und wenn dann der Stabsstellenleiter, der gleichzeitig die Funktion des Stadtbrandinspektors inne hat, ausfällt, dann sehen wir, wie schwierig es werden kann.“ Hoffmann sagte, er sei froh, „dass wir eine hauptamtliche Verstärkung gefunden haben“. Der Bürgermeister forderte eine weitere Entlastung der Ehrenamtler.

Generell wird das Jahr 2016 den 191 Einsatzkräften der Rodgauer Feuerwehren lange in Erinnerung bleiben, denn es „glänzte“ mit einem besonderen Rekord. So musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr zu 615 Einsätzen (Vorjahr: 317) ausrücken. Der Grund für die enorm gestiegen Einsatzzahl waren das Unwetter in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai im Mai. Die Folge waren ein Dachstuhlbrand durch Blitzeinschlag und 218 Einsatzstellen mit vollgelaufenen Kellern. Noch zweimal danach gab es 2016 Einsätze, um die Folgen von Unwettern zu bändigen. Fünf neue Feuerwehrfahrzeuge wurden übergeben.

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Auch die Feuerwehrkapelle Rodgau, deren 27 Mitglieder nun nach Satzungsänderung Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Rodgau sind, gab einen Jahresbericht. Die wichtigsten Auftritte waren bei der Ehrung von Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann, dem „Tag der Feuerwehr „ am Standort Mitte, das Platzkonzert bei der Feier 50 Jahre Opel Test Center und dem Sommerausklangfest der Feuerwehr Nord. Von besonderer Bedeutung war für die Kapelle das Konzert „Feuer&Wasser“, bei dem die Musiker beweisen, dass sie mehr können als „Dicke-Backen-Musik“.

Zur Tagesordnung gehörte auch der Dank für langjährige Zugehörigkeit zur Einsatzabteilung. Für 40 Jahre überreiche Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann Peter Tauchert, Werner Neubecker, Rainer Seibel, Gerhard Weitz das Brandschutzehrenzeichen in Gold am Bande und die Anerkennungsprämie des Landes Hessen. Joachim Blum konnte an diesem Abend nicht anwesend sein. Eine Anerkennungsprämie gab es auch für Markus Beck und Dirk Wittig (30 Jahre), Joachim Nöth, Kevin Füller und Stefan Stelz (20 Jahre), Uwe Schirmer, Patrick Stefanides, Julian Döring, Florian Klein und David Schmitt (10 Jahre). (ha)

Quelle: op-online.de

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