Freiwillige Feuerwehr als Katzentaxi

Einsame Katze in der Zwickmühle

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Symbolbild

Weiskirchen - Was soll nur aus der Katze werden? Diese Frage beschäftigte in den letzten Tagen zwei Behörden und den gesetzlichen Betreuer eines kranken Mannes aus Weiskirchen. Von Ekkehard Wolf

Jeder sorgte sich um das Tier, aber keiner fühlte sich zuständig. Erst die Feuerwehr half: Sie brachte die Katze ins Tierheim. Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. Aber was ist, wenn der Mensch krank ist? Herr R. (Name geändert) ist pflegebedürftig. Seit einem Jahr konnte er das Haus nicht mehr verlassen. Jetzt musste er für längere Zeit ins Krankenhaus. Ob er je wieder in seine Wohnung zurückkehren kann, ist ungewiss.

Bernd Holzapfel (Hainburg) kümmert sich als gesetzlicher Betreuer um die rechtlichen Angelegenheiten von Herrn R. Er trifft Entscheidungen, die der Weiskircher nicht mehr selbst treffen kann. Dazu gehört auch die Frage: Wer versorgt die Katze?

Zwei Umstände machen diese einfache Frage zum juristischen Problem. Erstens: Herr R. ist mittellos, kann also weder eine Tierpension noch den Transport ins Tierheim bezahlen. Zweitens: Die Katze gehört offiziell seiner Frau, die ihn allerdings vor etwa einem Jahr mit unbekanntem Ziel verlassen hat.

Der Betreuer telefonierte und schrieb Briefe, um alle Hebel in Bewegung zu setzen. Das Ergebnis war ernüchternd: Tierschutzvereine in Seligenstadt und Rodgau winkten ab, das Veterinäramt sah den kranken Herrn R. in der Verantwortung, das Ordnungsamt der Stadt Rodgau erklärte sich nur für Fundtiere zuständig. Einziger Lichtblick: Herrenlose Tiere aus Rodgau können im Tierheim Dreieich unterkommen.

Aber wer sollte die Katze von Weiskirchen nach Dreieich bringen? „Wir nicht“, sagte das Ordnungsamt. Auch der gesetzliche Betreuer sah sich nicht als zuständig an: Er müsse, dürfe und könne ein fremdes Haustier weder pflegen noch transportieren, betonte Bernd Holzapfel. Zudem befürchte er, seine eigene Katze zu infizieren, falls Herrn R.s Tier an einer ansteckenden Krankheit leide.

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Holzapfel sah sich in einer Zwickmühle: „Ich stehe in der Verantwortung, dass dem Tier nichts passiert. Praktisch kann ich aber nichts tun.“ Eine Rechtsanwältin gab ihm den Tipp, die Freiwillige Feuerwehr zu fragen. Für die Einsatzkräfte war es selbstverständlich, dem Tier zu helfen.

Zuständig sei auch die Feuerwehr nicht, betont die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer. Laut Betreuungsrecht sei die Sachlage klar: „Der Betreuer muss Sorge tragen, dass es dem Tier gut geht. Wie er das macht, ist erst einmal sein Problem.“ Die Feuerwehr werde ihre Kosten in Rechnung stellen, wenn auch nicht sofort.

Quelle: op-online.de

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