Feuerwehren üben im Wald für Ernstfall

Richtiges Sägen will gelernt sein

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Mit Rücksicht auf die Natur wird an „Baum-Dummys“ geübt.

Rodgau - Im Wald zwischen Dudenhofen und Babenhausen heulten die Motorsägen. Es war aber nicht der Hessen-Forst, der dort Bäume fällte oder zerlegte, sondern 24 Mitglieder von verschiedenen Freiwilligen Feuerwehren aus dem Kreis Offenbach, die am Motorsägenführer-Lehrgang teilnahmen.

„Diesen Lehrgang gibt es im Kreis seit 1993“, erklärte Kreisbrandmeister und Lehrgangsleiter Markus Widczisk, der dabei von Klaus Klohoker von der Feuerwehr Rodgau-Mitte und Forstwirtschaftsmeister Frank Subtil vom Hessen Forst unterstützt wurde. Der Kurs war eine Konsequenz aus dem Sturm „Wiebke“, bei dem es Tote und Verletzte bei den Feuerwehrleuten gegeben hatte. An zwei Wochenenden lernen die Einsatzkräfte den richtigen Umgang mit der Kettensäge. Das fing im Feuerwehrhaus Rodgau-Süd mit dem theoretischen Unterricht an. Der Tag danach gehörte dann der Praxis. Und da gibt es einiges zu beachten.

Auch Gerätekunde gehört zum Lehrgang.

Die Teilnehmer setzten die Säge zunächst an bereits liegende Baumstämme an. Hierbei soll jeder das richtige Gefühl für die Motorsäge bekommen, die fünf bis elf Kilogramm schwer ist, und wie man einen Schnitt ausführt. Dazu wird mit einfachen Schnitten begonnen, die dann immer schwieriger werden. Geübt wird ruhig und konzentriert in sechs kleinen Gruppen, damit jeder soviel Praxis wie möglich bekommt.

Am Nachmittag war dann das Fällen stehender Bäumen an der Reihe, die Revierförster Peter Bangert markiert hatte. Zur Vorbereitung wurden vorher einige liegende Stämme senkrecht gestellt und an einen anderen Baum befestigt. So konnte ohne Risiko - und auch in der Brut- und Setzzeit - der „Ernstfall“ geübt werden. Bevor der Baum gefällt wird, gibt es einiges zu beachten. Bei der „Baumansprache“ wird der Baum begutachtet: Wie hängt die Krone? In welche Richtung neigt er sich? Wo sind tote Äste, die plötzlich herabfallen können? Wo sind eventuell faule Stellen und vieles mehr.

Großübung der Rodgauer Feuerwehr (2013)

Großübung der Rodgauer Feuerwehr

Dann wird meist erst die Rinde dort entfernt, wo der Schnitt angesetzt werden soll. Anschließend wird ein Keil rausgeschnitten, der die Fallrichtung vorgibt. Die Tiefe und Größe des Keils ist von der Lage des Baums abhängig. Der „Fällschnitt“ wird von der anderen Seite angesetzt, etwas höher als der Keil. So ergibt sich eine Art Scharnier, damit der Baum beim Fallen eine Führung hat. „Man braucht keine Angst zu haben, aber Respekt“, erklärt Ausbilder Axel Karl von der Feuerwehr Rodgau-Mitte.

Zum Lehrgang gehört noch Gerätekunde, denn die Säge muss gewartet werden, und bei einer Fehlfunktion muss der Motorsägenführer wissen, wie sie zu beheben ist. Auch Unfallverhütungsvorschriften - angefangen von der richtigen Schutzkleidung bis hin zum Warnruf bevor der Baum fällt - müssen sitzen. Dann kann die Prüfung nach 32 Unterrichtsstunden ruhig kommen.

ah

Quelle: op-online.de

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