Freiwilliger Dienst für Allgemeinheit

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Andreas Vollberg (fünf Jahre dabei), Ines Eckert (fünf Jahre - mit sechs Monaten Pause), Andreas Miller (fünf Jahre), Michael Zabel (ein Jahr), Manfred Cordts (drei Jahre) und Beate Weiland (von links) gehören gern zum Freiwilligen Polizeidienst in Rodgau. Rechts: Stadtrat Michael Schüßler. Mitte, hinten: Polizeihauptkommissar Volker Hinz.

Rodgau - (bp) Jeden Morgen, wenn Andreas Vollberg mit der S-Bahn zur Arbeit fuhr, ärgerte er sich über die Sauerei an manchen Stationen: beschmierte Wände, ausgeleerte Papierkörbe. „Da wollte ich etwas dagegen tun“, erinnert sich der Jügesheimer. Es blieb nicht bei diesem Vorsatz.

Vielmehr meldete sich Vollberg zum Freiwilligen Polizeidienst. Inzwischen ist er fünf Jahre dabei und gehört von Anfang an dazu.

Wir sind stolz, dass sich diese Einrichtung in den fünf Jahren ihres Bestehens etabliert hat“, zieht Stadtrat Michael Schüßler zufrieden Bilanz. Anfängliche Befürchtungen, die Freiwilligen führten in ganz Hessen zu Personaleinsparungen bei der offiziellen Polizei hätten sich nicht bewahrheitet. „Der Freiwillige Polizeidienst ist kein Ersatz, sondern ein zusätzliches Instrumentarium“, sagt der Dezernent. Gern lobt er die sechs Rodgauer Mitglieder als „Aushängeschild und verlängerten Arm des Staates.“

DATEN, FAKTEN

- Knapp 100 Kommunen in Hessen haben einen Freiwilligen Polizeidienst, Rodgau seit fünf Jahren. Kein einziges Mal mussten die Ehrenamtler dabei bisher Pfefferspray einsetzen. Alle Konflikte wurden mit Worten gelöst.

- Die Freiwilligen unterstützen Polizei und Ordnungsamt. 2008 waren sie 1 302 Stunden im Einsatz, darunter 902 Stunden bei 155 Fußstreifen. Dabei kam es zu 461 Kontaktgesprächen und einem Platzverweis.

Auch bei den Rodgauern kommt die Bürgerbeteiligung in Sachen innere Sicherheit gut an. „Wir werden zu 95 Prozent respektiert“, berichten die zwei Frauen und vier Männer wie aus einem Mund. Nur diejenigen, „die grundsätzlich Vorbehalte gegenüber Ordnungshütern haben, lehnen auch uns ab.“ Und Jugendliche testen zuweilen aus, wie weit sie gegenüber den Sicherheitskräften in ihren weißen Hemden und blauen Hosen gehen können. „Das geschieht nicht bösartig-provokant, sondern ist ein pubertäres Imponiergehabe“, schildert Manfred Cordts seine Erfahrungen. Der Nieder-Röder verstärkt seine Kolleginnen und Kollegen seit drei Jahren bei Einsätzen. Zum Beispiel beim Rodgau-Triathlon, zur Fastnacht, während der Holzversteigerung, beim 24-Stunden-Lauf oder am Vatertag. Dabei halten die Freiwilligen etwa die Rettungswege frei und engagieren sich gegen das Kampf-Trinken und Koma-Saufen. Oder sie halten ganz einfach nur Augen und Ohren offen, damit nichts passiert. Wie segensreich das sein kann, erwies sich 2006. Damals zogen Polzeihelferin Beate Weiland aus Dudenhofen und ihr damaliger Kollege Wolfgang Diehm zwischen Mainzer Straße und Kreisquerverbindung eine Selbstmörderin von den Gleisen.

Unisono loben die Freiwilligen Helfer das gute Verhältnis zur Polizei und zum städtischen Ordnungsamt. „Die Absprache und Zusammenarbeit bei Einsätzen ist hervorragend. Wir werden eingebunden und akzeptiert. Und der Umgangston stimmt!“

Der ehrenamtliche Streifendienst ist natürlich nicht ganz einfach. In 50 Stunden Grundlehrgang und jährlich fünf bis sechs Nachschulungen werden die Frauen und Männer fit gemacht für den manchmal schwierigen Dienst. Konflikttraining, Selbstverteidigung, Gesetzeslehre: das sind nur einige von vielen Themen, die Inhalt der Seminare sind. Aber die Sache lohnt: „Der Dienst macht Spaß“, schildert Beate Weiland ihre Motive. „Die Bürger akzeptieren uns.“

Quelle: op-online.de

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