Freunde des Colt „Model 1860 Army“ treffen sich in Jügesheim

Damit ritt der Cowboy zu seiner Herde

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Kariertes Hemd und Bluejeans sind tabu: Erik Schelenz schießt in der „1870-Klasse“. Und da muss nicht nur die Waffe dieser Zeit entsprechen, sondern auch die Kleidung.

Jügesheim - Der Colt „Model 1860 Army“ war die Waffe, mit der raubeinige Cowboys den Wilden Westen eroberten. Von Michael Löw

Nach dem Bürgerkrieg zwischen Yankees und Südstaatlern (1861 bis 1865) überschwemmten Restbestände beider Armeen das Land, gebrauchte Colts waren für fünf bis sechs Dollar zu haben - erschwinglich sogar für einen Viehhüter, der 40 Dollar im Monat verdiente.

Erik Schelenz hat einen besonders fein gravierten Colt und einen mit Elfenbeingriff zur Ausstellung beigesteuert. Doch sowas konnten sich höchstens reiche Rancher leisten. Das Arbeitsgerät ihrer Cowboys sah weit weniger spektakulär aus.

Die „Friends of the Centaure Society“ huldigten dem legendären Schießeisen das ganze Wochenende lang in Jügesheimer Schützenhaus. Die „globale Interessensgemeinschaft“, so ihr Vorsitzender Wolf Niederastroth, ist eine Mischung aus Sportschützen, Waffensammlern und Westernfans. Die Wettbewerbe heißen Cowboy-Action-Schießen und sind nach Jahrzehnten eingeteilt: 1870-, 1880- und 1890-Klasse. Letzteres ist die Einstiegs-Liga, in der auch Jeans und Karohemd erlaubt sind.

Die „1870er“ wie Erik Fridjoffson, der im bürgerlichen Leben Erik Schelenz heißt und sein Geld als IT-Systemanalytiker verdient, hingegen brauchen ein stilechtes Outfit aus der Zeit, bevor Levi Strauss die berühmten blauen Hosen erfand. Da muss jede Niete am Holster und sogar das Ziffernblatt der Taschenuhr stimmen.

Colt „Model 1860 Army“ brachte tausendfachen Tod

Der Colt „Model 1860 Army“ brachte tausendfachen Tod. Auf 80 Meter stoppte er jeden Mann und fast jedes Pferd. Die Sammler sehen in ihm lieber das Arbeitsgerät der Cowboys und beschäftigen sich mit technischen Details. Im Diana-Vereinsheim zeigten sie Colts mit verkürztem Lauf oder eingefrästen Trommeln. So hätten die Cowboys das Gewicht von 1 200 auf 900 Gramm reduziert und sich die Arbeit mit den Rindern buchstäblich erleichtert.

Der Cowboy schießt nicht mit dem Colt allein. Doppel-Europameister Michael Mayer hatte zum Action-Wettbewerb ein ganzes Arsenal an Gewehren mit nach Jügesheim gebracht.

John Wayne, Hollywoods Westernheld schlechthin, hat übrigens mit einem Nachfolgemodell auf Widersacher, Banditen und Indianer gezielt. Das Laden des „Model 1860 Army“ wäre ihm wahrscheinlich zu umständlich gewesen. Mit Trommel rausklappen, sechs Patronen reinschieben und weiterballern war nämlich nichts, erläutert Wolf Niederastroth.

Seine Schützenkollegen und er stopfen von vorne zuerst Schwarzpulver und dann eine Filzscheibe in die Kammer, dann drücken die das eigentliche Geschoss mit einer so genannten Ladepresse hinein. Von hinten setzten sie schließlich das Zündhütchen drauf, das das Pulver zur Explosion bringt. Klingt furchtbar kompliziert, ist nach Aussage Niederastroths für Könner aber angeblich in zehn Sekunden zu schaffen.

Dass der Colt zum Synonym des Revolvers wurde, wie die Waffe korrekt heißt, ist der Lobbyarbeit seines Erfinders Samuel Colt zu verdanken. Der verschenkte Waffen an Politiker aus aller Welt und sicherte sich so die begehrten Rüstungsaufträge.

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Quelle: op-online.de

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