Friedhof soll Park werden

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Birgit Resch (links) und Brigitte Heger vom Arbeitskreis für Heimatkunde (AK) sorgen sich um die Zukunft des Alten Friedhofs. Sie wünschen von der Stadt weitere Informationen, wie es weiter geht. Sehr zufrieden ist der AK, dass statt der 20 angekündigten, nun über 50 historische Gräber bei der Umgestaltung des Geländes erhalten bleiben sollen. Dies sollte nach AK-Meinung aber auch für das dabei bisher nicht berücksichtigte Grab von Ernst Landerer gelten. Der Nieder-Röder war am 19. März 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, auf tragische Weise während des Heimaturlaubs gefallen. Jagdflieger griffen zwischen Dudenhofen und Nieder-Roden den Zug an, der Landerer nach Hause bringen sollte. Dabei wurde der Mann getroffen und starb - 500 Meter von seinem Elternhaus entfernt.

Nieder-Roden - Dem Alten Friedhof stehen große Veränderungen bevor. Das Gelände, auf dem seit 1998 nicht mehr bestattet wird, soll ein Park werden. Von Bernhard Pelka 

Seit einer Woche signalisieren zahlreiche Aufkleber auf den alten Grabsteinen, dass es jetzt bald los geht: rote Aufkleber für Gräber, die abzuräumen sind, und blaue Zettel für Grabsteine, die stehen bleiben können. Anfang 2012 soll die Räumung beginnen.

Rote Karte für abgelaufene Gräber: Kurios ist dabei, dass es den Aushang, auf den verwiesen wird, bis gestern gar nicht gab.

Daraus ergibt sich für die Stadt ein Kostenproblem. Die Ruhefristen mancher Gräber sind seit Jahrzehnten abgelaufen. Mehrfach wurden solche Gräber mit Hinweisen (Aufklebern) versehen. Dennoch hat die Stadt die Räumung nie konsequent betrieben - und die Gräber blieben unversehrt. Jetzt finden sich für zahlreiche Ruhestätten keine Angehörigen mehr. Und die Stadt wird auf den Kosten für die Räumung dieser Gräber sitzen bleiben.

„Das genaue Konzept ist uns nicht bekannt“

Verantwortlich für die Friedhöfe in Rodgau sind die Stadtwerke. Deren Aufkleber-Aktion hat den Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden (AK) auf den Plan gerufen. Seit Jahren ist der AK in die Gestaltungspläne für den Gottesacker eingebunden. Trotzdem forderten gestern der Vorsitzende Günther Keller und die Mitglieder Brigitte Heger, Ilse Eberhardt und Birgit Resch bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung weitere Informationen. „Natürlich gab es zusammen mit der Stadt Begehungen auf dem Gelände. Aber das genaue Konzept ist uns nicht bekannt“, reklamierte Keller.

Die vielen Aufkleber-Spuren beweisen, dass die Stadt die Räumung bestimmter Gräber nie mit letzter Konsequenz betrieben hat.

Ein bis ins Letzte ausgefeiltes Konzept gibt es derzeit auch noch nicht, sagte auf Anfrage unserer Zeitung die Stadtwerkemitarbeiterin Christina Breuninger. Die grobe Marschrichtung und auch viele Details seien dem AK aus diversen Gesprächen aber gleichwohl bekannt. Demnach sollen die Stadtwerke die Grabsteine in der Mitte des Friedhofs abräumen und zunächst in einem Gebäude auf dem Grundstück lagern. Später sollen die Steine dann entlang der Mauer zum Feuerwehrhaus aufgestellt werden. Sobald die Fläche in der Mitte leer ist, werden dort Bäume gefällt und neue gesetzt sowie Rasen und Stauden gepflanzt.

„Viel mehr wollen wir gar nicht machen.“ Der bei Prozessionen genutzt Hauptweg zum Sandsteinkreuz bleibe „auf jeden Fall erhalten.“ Weiteren Info-Treffen mit dem AK stehe wohl nichts im Weg, vermutete Christina Breuninger.

Quelle: op-online.de

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